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06.01.2012

00:00 Uhr

„Notifica“

Die Crux des italienischen Ausfuhrverbots

VonEva Clausen

Das italienische Ausfuhrverbot für bestimmte Kunstwerke, die „Notifica“, sorgt zum einen für günstige Preise. Die Auktionshäuser kämpfen jedoch mit Absatzproblemen, zudem schreckt das Gesetz ausländische Sammler ab.

Ein Bild der Malerin Artemisa Gentileschi. Ein anderes berühmtes Werk der Künstlerin wechselte nun für äußert preiswerte 216.750 Euro den Besitzer. Collezione Privata

Ein Bild der Malerin Artemisa Gentileschi. Ein anderes berühmtes Werk der Künstlerin wechselte nun für äußert preiswerte 216.750 Euro den Besitzer.

RomKulturgüter, die in Italien im Rahmen eines Verwaltungsakts für besonders wichtig erklärt werden, unterliegen den vom Ministerium für Kulturgüter und -aktivitäten auferlegten Beschränkungen: Sie dürfen das italienische Hoheitsgebiet nicht oder im äußersten Fall nur vorübergehend verlassen. Dieses 1999 im Amtsblatt der Italienischen Republik zur Rechtsvorschrift über Kultur- und Umweltgüter festgehaltene Ausfuhrverbot, die „Notifica“, greift im Wesentlichen auf das Kulturschutzgesetz Nr. 1089, das sogenannte Bottai Gesetz aus dem Jahr 1939, zurück. Dass sich seit 1939 in der Welt und vor allem in Europa vieles verändert hat, scheint für die italienische Rechtsprechung ein ebenso wenig überzeugendes Argument zu sein wie die Existenz des Europäischen Binnenmarkts.

Das Nachsehen hat der Kunde und mit ihm der Auktionator. Die Schutzbarrieren des Staates drücken den Wert der Kunstwerke gnadenlos in die Tiefe und veranlassen die italienischen Sammler zur Flucht. Sie geben ihr Geld lieber auf dem internationalen Kunstmarkt aus. Zwar zahlen sie mehr, doch der Investitionswert ist gesichert.

Gleichzeitig macht die „Notifica“ den italienischen Markt für internationale Käufer vollkommen unattraktiv. 216.750 Euro für Artemisia Gentileschis „Bathseba im Bade“, das passiert eben nur in Italien, genauer gesagt bei Sotheby's (Mailand, 14. Juni). Doch während der Staat sich damit tröstet, dass das gute Stück im Lande bleibt, zieht der Auktionator die Konsequenz und verlässt - vorläufig nur in dem Bereich - das Land.

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