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03.02.2011

09:00 Uhr

Olbricht Collection

Schwellkörper, wohin das Auge schaut

VonChristina Tilmann

Was haben Erotik, Sex und Humor miteinander zu tun? Eine Ausstellung in der Privatsammlung Thomas Olbricht plädiert für mehr Lebensfreude. In seinem Berliner Showroom gastieren der US-Maler William Copley und der Berliner Künstler Andreas Slominski.

Das Gemälde "Grand Hotel" aus William N. Copleys Serie "X-Rated". Die über 30 Bilder sind nun erstmals in Europa zu sehen. Foto (Ausschnitt): Paul Kasmin Gallery and Copley LLC Paul Kasmin Gallery and Copley LLC

Das Gemälde "Grand Hotel" aus William N. Copleys Serie "X-Rated". Die über 30 Bilder sind nun erstmals in Europa zu sehen. Foto (Ausschnitt): Paul Kasmin Gallery and Copley LLC

BERLIN. Zwei Hände, die einen Hintern greifen. Brustwarzen, kirschrot schwellend wie Bonbons. Zähne, gebleckt wie Sägen, Schamhaar, so hart wie Draht, ein neckisches Tattoo am Oberschenkel. Schwellkörper, wohin man blickt, Sex in leuchtendsten Farben. Die Bilder bleiben dabei flächig, die Körper wirken wie ausgeschnitten vor großgemusterten Tapeten. An Collage-Technik erinnert das, auch an Pop Art. William N. Copley (1919-1996), der seit den 1950er-Jahren als Maler tätig war, wurde von Andy Warhol als Vorläufer geschätzt. Für seine Serie "X-Rated" nutzte er Filmtitel als Bildtitel, als Hommage an Stanley Kubrick oder Luis Bunuel: "Clockwork Orange" zeigt einen flotten Dreier, "Viridiana" eine junge Schöne auf der Schaukel. Ein Fest der Sinne jenseits der Sitten - doch ein Skandalon? Das eher nicht.

Nur Feministinnen protestierten

Es ist eine Wiederentdeckung, diese dritte Ausstellung in Thomas Olbrichts Berliner Showroom "me". 1974 hatte Copley in New York seine Ausstellung "X-Rated" präsentiert, damals weitgehend unbeachtet, höchstens von Feministinnen angefeindet. 2010 zeigte die Galerie Paul Kasmin in New York noch einmal die gleiche Ausstellung des Amerikaners, diesmal mit durchschlagendem Erfolg. Die über 30 Bilder sind nun bei Olbricht erstmals in Europa zu sehen - kombiniert mit neuesten Werken des Berliner Künstlers Andreas Slominski, die sich auf interessante Weise als kongenial erweisen. Beide, Copley wie Slominski, sind auch in der ständigen Sammlung Olbricht vertreten.

Zutritt erst ab 18

Doch wo der 1996 verstorbene Copley vor fast 40 Jahren recht direkt dem Körper huldigt, geht Slominski tückisch-hintersinnig vor. Auf Styropor sprüht er leuchtende Acrylfarbe, gemischt mit Glitterstoffen. Ein bisschen Karneval und Oberflächenglanz auf dem stumpfen Dämmstoff, das ist ein ironischer Kommentar in Sachen Erotik. Man fühlt sich an die Karnevalstruppe erinnert, die Slominski 2004 in der Berliner Galerie Neu Konfetti streuen ließ. Die Motive sind ebenfalls drastisch, wenn auch mehr in Richtung Sado-Maso: Fesselung, Folterbank, Masturbation vor laufendem Fernseher, Hausfrau und Hund. Ein Bild am Eingang des Raums warnt hintersinnig: "18". Der Zutritt erst ab 18 wird Ernst genommen: Das Kinderprogramm des Showrooms findet diesmal nicht in den Ausstellungsräumen statt.

Humor hat Thomas Olbricht bei der Eröffnung als Losung ausgegeben. Kichernd posiert der Sammler vor Copleys "Gathering of the Clan". Eine üppige Brünette in Schottenmütze und Strümpfen spreizt verlockend ihre Beine und Olbricht präsentiert stolz ein Gimmick zur Ausstellung, eine kleine rote Glocke: "Ring for Sex" steht darauf. Humor? Am treffendsten hat das Copley selbst formuliert: "Menschen scheuen sich vor Humor in der Kunst". Dabei sei doch Humor die Erinnerung daran, dass wir alle sterblich sind.

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