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12.09.2013

14:55 Uhr

Open Art

Genussvoll von Galerie zu Galerie schlendern

VonSabine Spindler

Ein Erfolgsmodell wird Institution: Zum 25. Mal laden rund 60 Münchner  Galerien mit junger Kunst und etablierten Namen zum Galerienwochenende Open Art ein. Das Spektrum reicht von Djawid C. Borower bis Louis Soutter.

Djawid C. Borower: "Die Falten der Materie und die Falten der Seele" 2012, Kunstharz und Lack auf Leinwand, 85 x 85 cm (Ausschnitt). Galerie Andreas Binder

Djawid C. Borower: "Die Falten der Materie und die Falten der Seele" 2012, Kunstharz und Lack auf Leinwand, 85 x 85 cm (Ausschnitt).

MünchenGalerien-Wochenenden haben mittlerweile Konjunktur. Als vor 25 Jahren in München die Open Art aus der Taufe gehoben wurde, war man skeptisch und optimistisch zugleich. „Heute“, so der Galerist Bernhard Wittenbrink zum Handelsblatt, „ sind diese Events fast wichtiger als Kunstmessen.“  Der finanzielle Druck ist geringer. Und die noch scheuen Kunstinteressierten lieben es ebenso wie die großen Sammler, von Galerie zu Galerie zu schlendern.  

Wenn am Freitag-Abend der Startschuss zu Open Art 2013 (14./15. September) gegeben wird, wird auch die Galerie Wittenbrink wieder dabei sein.  Man traut sich, richtige Galeristenarbeit zu leisten: Die Aufbauarbeit und das sorgfältige Platzieren des Galeristen gilt den großflächigen, geometrisch kalkulierten Wandinstallationen „siplx 2“ (ab 10.000 Euro) des jungen Berliner Künstlers Christin Faul.

Münchens Galerien-Szene war nie schrill. Aber Solidität  ist ein nicht zu unterschätzendes Potential. Hochkarätig ist die Schau mit Papierarbeiten des Art-Brut-Avantgardisten Louis Soutter bei Galerie Fred Jahn. Der Schweizer Maler legte in seinen letzten Jahren künstlerisches Werkzeug beiseite und malte mit den Fingern. Aus dieser Zeit stammt das wilde, expressive Blatt „Le Culte“ (375.000 Euro). Bei  Rupert Walser ist die heute 84-jährige Konzeptkünstlerin Marcia Hafif vertreten. Marktfrisch aus einer Pariser Sammlung stammt beispielsweise die große Papierarbeit „Pencil on Paper, October 29“ von 1975 (26.000 Euro) aus der ersten Werkgruppe ihres  als „Inventory“  bezeichneten Lebenswerkes.

Die Falten der Seele

Galerie Thomas agiert zweifach. Während  in der Maximilianstraße farbintensive Gemälden und Drucke von Max Beckmann zu sehen sind, zelebriert in der Schwabinger Dependance  der in Köln lebende Simon Schubert einen optischen Minimalismus. Durch Faltung erzeugt er auf weißem Papier Bilder historischer Räume.  Mit Faltungen operiert auch Djawid C. Borower. Unter dem Titel „The God Project“ stellt die Galerie Andreas Binder den neuen Werkzyklus des Deutschen vor.  Borowers überdimensionale, assoziationsreiche Skulpturen, die er unter anderem mit „Die Falten der Materie und die Falten der Seele“ betitelt,  leben von der  Kraft der Form.

Der Reiz des Flüchtigen

Judy Ledgerwood: June Bug, 2012, Enkaustik auf Holz, ca. 40 x 40 cm (Ausschnitt). Häusler Contemporary

Judy Ledgerwood: June Bug, 2012, Enkaustik auf Holz, ca. 40 x 40 cm (Ausschnitt).

Großformatig, kraftvoll, vital – diese Attribute passen ebenso zu den Leinwänden Judy Ledgerwoods bei Häusler Contemporary. Mit scheinbar einfachen Formen feiert die  1959 geborene, renommierte Amerikanerin die Magie  von Licht und Farbe und verbindet abstrakten Realismus mit Ornamentik (9.000 bis 39.000 Euro).  Eine amerikanische Künstlerin steht auch bei Galerie Klüser 2 auf dem Programm. Die realen wie trügerischen Bilder der New Yorkerin  Isca Greenfield-Sanders sind Fusionen aus Drucktechniken und Malerei  und künden  in ihrer verblichenen Art vom Reiz des sich Verflüchtigenden (8.500  bis 49.000 Euro). Hochglanzfotografie und subtile Kritik – dafür stehen die Fotografien von Claudia Rogge, die in ihren choreographierten, rapportartig komponierten Bildern von Tänzerinnen und Artisten um die Frage von Massengesellschaft und Individuum kreist. Galerie von Braunbehrens zeigt unter anderem ihre Serien „Ever After-Paradise“ sowie „Lost in Paradise“ (13.000 bis 17.000 Euro) aus den Jahren 2011 und 2012.

Sammler informeller Kunst sollten die Galerie Bernd Dürr nicht verpassen. Bis heute steht das Werk des zwischen Abstraktion und Informel changierenden Malers Ernst Weil  im Schatten seiner Zeitgenossen Werner Gilles und Fritz Winter. Die 30 Gemälde aus den Jahren 1947 bis 1981 (1.500 bis 5.000 Euro) sind eine Offerte für Einsteiger.

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