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25.05.2011

23:48 Uhr

Oprah Winfrey

Die Königin des Talk tritt ab

Einst wurde sie als Hausfrauen-Talkerin verspottet, doch längst ist sie die mächtigste, und reichste Medienfrau der USA: Oprah Winfrey hat sich mit ihrer Talkshow ein Imperium aufgebaut. Jetzt ist die Show nach 25 Jahren täglicher Präsenz vorbei.

Oprah Winfrey ist für Millionen amerikanischer Frauen nicht einfach nur eine Sendung oder eine Frau, sondern ein Glaubensbekenntnis. Quelle: ap

Oprah Winfrey ist für Millionen amerikanischer Frauen nicht einfach nur eine Sendung oder eine Frau, sondern ein Glaubensbekenntnis.

New York/ChicagoIn diese großen Schuhe muss erst einmal jemand passen. Nicht nur, dass sie Pumps in Größe 42 trägt, sie ist auch die erfolgreichste Talkshow-Gastgeberin der Fernsehgeschichte. Einst als „Hausfrauen-Talkerin“ verspottet ist Oprah Winfrey mit ihrer nachmittäglichen Talkshow zur Milliardärin, Präsidentenvertrauten und erfolgreichsten Medienfrau der USA geworden. Jetzt beendet sie nach mehr als 25 Jahren ihre Talkshow.

Die letzte Sendung war nicht das erwartete Großaufgebot der Stars. Stattdessen bestritt „Oprah“ die Sendung völlig allein. Die Stunde war ein einziger Monolog, unterbrochen nur von Ausschnitten aus alten Sendungen - und Werbung natürlich, für die eine Million Dollar (gut 700 000 Euro) pro halbe Minute fällig waren.

Die US-Starmoderatorin hat sich in der letzten Folge ihrer „Oprah Winfrey Show“ vor allem bei ihren Fans bedankt. Bei der Aufzeichnung der Sendung, die erst am  Mittwoch im US-Fernsehen ausgestrahlt wird, habe Winfrey Tränen in den Augen gehabt, berichteten Zuschauer, die bei der Aufzeichnung am Dienstag dabei waren. Winfrey habe gesagt, dass dies kein Abschied für immer sei, sagte die 32-jährige Zuschauerin Amy Korin. „Dies ist bis wir uns wiedersehen“.

Die 57-jährige Winfrey war Angaben von Zuschauern zufolge für die Aufzeichnung der letzten Folge ihrer erfolgreichen Talkshow alleine auf der Bühne in Chicago erschienen. Die Moderatorin habe darüber gesprochen, was ihr ihre Zuschauer in den vergangenen Jahren gegeben hätten und was sie hoffe, ihnen gegeben zu haben, sagte die 60-jährige Nancy Evankoe, die der Aufzeichnung beiwohnte.

Zum Abschluss der Aufzeichnung habe Winfrey ihren langjährigen Lebensgefährten Stedman Graham umarmt und geküsst und sich bei ihren Mitarbeitern bedankt, berichteten Zuschauer.

Winfrey hatte im November 2009 angekündigt, ihre beliebte „Oprah Winfrey Show“ nach 25 Jahren zu beenden. Vor einer Woche hatten Prominente wie Hollywoodstar Tom Cruise und Sängerin Aretha Franklin zwei Aufzeichnungen der Show dazu genutzt, um sich von der Fernsehmoderatorin zu verabschieden. Die Folgen wurden am Montag und Dienstag im US-Fernsehen ausgestrahlt.

Vielleicht ist das Erfolgsgeheimnis Winfreys, die in den USA meist einfach nur Oprah genannt wird, dass Sie alle Tiefen kennt. Winfreys Eltern waren unverheiratete Teenager. Mit 14 wurde sie selbst schwanger, das Kind starb. Sie nahm Rauschgift und wurde esssüchtig, doch die Frau bekam sich in den Griff. Sie moderierte ein paar Sendungen und eine Talkshow aus Chicago wurde so erfolgreich, dass sie bald „The Oprah Winfrey Show“ und schließlich nur noch „Oprah“ hieß. „Oprah“ ist seit 1986 für Millionen amerikanischer Frauen nicht einfach nur eine Sendung oder eine Frau, sondern ein Glaubensbekenntnis.

Oprah bringt die Sorgen des Alltags, jeden Nachmittag fein aufbereitet, mit viel Verständnis serviert. Große Stars waren bei ihr, Wirtschaftskapitäne und Anfang Mai sogar Präsident Barack Obama nebst First Lady Michelle. Aber die eigentlichen Stars sind die kleinen Leute, die mit zwölf schwanger werden, seit Jahrzehnten nicht aus dem Haus gehen, schwerste Schicksalsschläge erleiden oder an bizarren Süchten und Ängsten leiden. Fälle, mit denen sich die 40 Millionen Zuschauerinnen noch identifizieren können, bei denen die eigenen Probleme aber gleich etwas kleiner werden.

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