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24.02.2017

12:00 Uhr

Oscar-Hoffnung Maren Ade

Perfektionistin und Expertin für Skurriles

VonCorinna Nohn

Die Regisseurin und Produzentin ist Deutschlands große Hoffnung auf der diesjährigen Oscar-Verleihung. Ins Rennen geht sie mit dem Film „Toni Erdmann, eine Tragikomödie, die bereits vielfach ausgezeichnet worden ist.

Die Regisseurin von „Toni Erdmann“ hat sich eine Interviewpause verordnet. dpa

Maren Ade

Die Regisseurin von „Toni Erdmann“ hat sich eine Interviewpause verordnet.

DüsseldorfMan würde ja jetzt schon gern wissen, was aus diesem unansehnlichen künstlichen Gebiss geworden ist. Jenes Gebiss, das „Toni Erdmanns“ Auftritte in der Bukarester Beraterszene in ihrer Skurrilität erst perfekt gemacht hat. Jenes Gebiss, das Maren Ade einst nach einer Premiere von „Austin Powers“ als Werbegeschenk mit nach Hause brachte.

Ob die Regisseurin das Gebiss vielleicht als Glücksbringer eingesteckt hat, als sie sich auf den Weg zur Oscar-Verleihung im Dolby Theater in Los Angeles gemacht hat? Nun, man kann sie leider nicht danach fragen, denn Ade hat sich schon vor vielen Wochen, als das mit der Oscar-Nominierung ihrer Tragikomödie „Toni Erdmann“ für den besten nicht-englischsprachigen Film noch gar nicht klar war, eine Interviewpause verordnet. Das klingt aus ökonomischer Perspektive erst mal schräg.

Wann, wenn nicht jetzt, wäre der bessere Zeitpunkt, sich ins Rampenlicht zu rücken und zu vermarkten? Wenn alle Welt über diesen so urkomischen und zugleich ergreifend traurigen Film „Toni Erdmann“ spricht, in dem ein pensionierter Alt-68-er-Lehrer (gespielt von Peter Simonischek) die erfolgreiche Beraterkarriere seiner ehrgeizigen Tochter (Sandra Hüller) stört und Ade die ganze Arroganz der Beraterszene in ihrer absurdesten Form lächerlich macht?

Aber nein, dieser Rückzug ist keine Inszenierung. Er passt perfekt zu Ade, die noch während ihres Studiums an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (FFH) mit einer Kommilitonin die Produktionsfirma „Komplizen Film“ gründete und heute mit dem Regisseur Ulrich Köhler und ihren zwei Kindern in Berlin lebt. Auch bei Premieren und Pressekonferenzen hält sich die 40-Jährige lieber am Rand auf, rückt die Leistung ihres Teams in den Vordergrund.

„And the Oscar goes to...“: Wie die Oscar-Preisträger ermittelt werden

Stimmzettel

Jeweils am Dienstag vor der Vergabe der Oscars müssen die Stimmzettel eingegangen sein.
Quelle: dpa

Akademie

Die mehr als 6600 Mitglieder der Akademie können in der Endrunde in allen 24 Kategorien von Schnitt bis bester Film abstimmen.

Herkunft

Die meisten Nominierungen waren zuvor von den Branchen gewählt worden. Es gibt 17 Berufszweige, darunter stellen die Schauspieler und die Produzenten die größten Gruppen.

Berufung

Man kann sich keine Mitgliedschaft erkaufen, man wird berufen. Der Weg in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences führt über eine Oscar-Nominierung, über Empfehlungen oder besondere Verdienste um den Film.

Einladungen

2016 wurden 683 Einladungen an neue Mitglieder verschickt, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Auf der Liste standen 283 internationale Filmschaffende, darunter die deutsche Regisseurin Maren Ade, die in diesem Jahr mit „Toni Erdmann“ für den Auslands-Oscar nominiert ist.

Hautfarbe

41 Prozent der Angeschriebenen waren Schwarze, Latinos und Asiaten, der Frauenanteil lag bei 46 Prozent. Damit hatte der Filmverband auf Kritik reagiert, dass es dem Gremium an Vielfalt mangele. Lange gaben überwiegend ältere, männliche Mitgliedern weißer Hautfarbe den Ton an, Frauen und Minderheiten waren deutlich in der Unterzahl.

Frauen

Mit den Neuzugängen von 2016 sind nun 11 Prozent aller Mitglieder Afroamerikaner, Asiaten oder Latinos, drei Prozentpunkte mehr als zuvor. Frauen machen jetzt 27 Prozent des Filmverbandes aus, zuvor waren es 25 Prozent. Bis zum Jahr 2020 will die Akademie die Zahl von Frauen und Minderheiten verdoppeln.

Prüfer

Die Oscar-Juroren müssen ihre Stimmzettel mit der Post oder online einreichen. Nach alter Tradition zählt die Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Stimmen aus.

Geheimnisträger

Am Ende kennen nur zwei Mitarbeiter vorab den Ausgang der Wahl. Die streng gehüteten Ergebnisse in 24 Kategorien werden in versiegelten Umschlägen direkt zur Preis-Gala gebracht.

Ihr geht es um den guten Film, nicht um den roten Teppich. Ist ein Film abgedreht, lässt sie sich manchmal mehrere Jahre Zeit, den nächsten Filmstoff zu finden und umzusetzen. Sie ist eine Perfektionistin und keine Effekthascherin, das erkennt auch jeder, der auch nur einen ihrer Filme gesehen hat: Ade setzt ihre widersprüchlichen Protagonisten – das ist bei „Toni Erdmann“ so wie auch bei früheren, preisgekrönten Werken – mit einer Genauigkeit in Szene, die auf der Leinwand leicht und spontan wirkt.

Aber leicht ist das überhaupt nicht, wie Ade selbst einmal erklärte: „Vieles ist wirklich richtige Detailarbeit, anstrengende Schauspielarbeit, damit das so wirkt.“ Der Schauspieler Lars Eidinger hielt 2015 die Laudatio, als Ades Produktionsfirma „Komplizen Film“ mit dem Preis der DEFA-Stiftung für herausragende Leistungen im deutschen Film ausgezeichnet wurde.

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