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15.01.2014

19:47 Uhr

Oscarkandidat

Der „Wolf“ macht Kasse

Zunächst sah der „Wolf of Wall Street“ nach einem Flop aus. Doch dank der Diskussionen in Netz könnte der Film nun doch noch seine Produktionskosten einspielen. Erst recht, wenn beim „Oscar“ alles rund läuft.

Leonardo DiCaprio verkörpert Jordan Belfort, den „Wolf of Wall Street“. Der Schauspieler darf auf eine Oscar-Nominierung hoffen. AFP

Leonardo DiCaprio verkörpert Jordan Belfort, den „Wolf of Wall Street“. Der Schauspieler darf auf eine Oscar-Nominierung hoffen.

San FranciscoBeinahe wäre es ein veritabler Flopp geworden. Am ersten Kinowochenende in den USA spielte Wolf of Wall Street nach Schätzungen von Box Office Mojo magere 18,5 Millionen Dollar ein und musste sich an den Kinokassen dem zweiten Hobbit-Film und sogar Disneys rührseligem Weihnachts-Familienfilm „Frozen“ geschlagen geben. Es reichte insgesamt nur für den fünften Rang.

Kein gutes Omen für das eingespielte Duo aus Starregisseur Martin Scorsese und Frauenschwarm Leonardo DiCaprio , die schon Kassenschlager wie Aviator oder Gangs of New York zusammen auf die Leinwand gebracht haben. Rund 100 Millionen Dollar sind in die schwarze Komödie über den Börsenzocker Jordan Belfort geflossen, und es sah so aus, als ob es diesmal nicht reichen würde, das Geld wieder einzuspielen.

Doch dann half das Internet. Eine vehemente Diskussion entbrannte über den mit Sexszenen und Drogen überfrachteten Film und entfachte neues Interesse für den mit „R“ eingestuften Film. In den USA ist das die Bezeichnung für Filme strikt für Erwachsene. Nackte Frauen, wo man hinschaut, Orgien, wilder Drogenkonsum und die angebliche Verherrlichung des Lebens eines des wildesten Wall-Street-Spekulanten seiner Zeit trieben die Fans wieder in die Kinos. Mit dem Verkauf von wertlosen Pennystocks brachte Belfort tausende Anleger um ihre Vermögen.

Mittlerweile stehen die weltweiten Einnahmen des Films bei rund 97 Millionen Dollar, und mit dem Start der Vermarktung in Deutschland winkt der Break Even. Der nächste Popularitätsschub steht bereits vor der Tür: Am 16. Januar werden die Nominierten für die diesjährigen Academy Awards bekannt gegeben. Der Wolf steht bei den Hollywood-Auguren dabei mit auf der Liste der aussichtsreichsten Kandidaten.

Der Gewinn des „Oscars“ kann im besten Fall zweistellige Millionenbeträge zusätzlich einspielen, zeigt eine Analyse des Kino-Blogs BoxOfficeQuant, die die Gewinner von 1990 bis 2009 durchgerechnet haben. Im Schnitt waren es zusätzliche 14 Millionen Dollar im Vergleich zu Werken, die es nicht mal auf die Nominierten-Liste geschafft haben.

Der Veröffentlichungstermin Ende Dezember war daher kein Zufall. Wandert ein Oscar in die Hand von Martin Scorsese oder Leonardo DiCaprio, gibt es nicht nur eine ergreifende Dankesrede, sondern bare Münze: Wenn am 2. März der rote Teppich ausgerollt wird, ist die rabenschwarze Wall-Street-Komödie noch in den Kinos und kann sofort profitieren. Zum Vergleich: wäre er bereits im April oder Juni 2013 angelaufen, wäre er jetzt schon längst in der Videoverwertung. Kein Theater würde das überlange 3-Stunden-Epos dann noch einmal ins Programm nehmen.

Hauptdarsteller DiCaprio selbst, der bereits einen Golden Globe als bester Komödiendarsteller für seine Rolle als skrupelloser Abzocker bekommen hat, ist diesmal auf der sicheren Seite. Zehn Millionen Dollar Gage hat er sich zusichern lassen, aber dafür keine Anteile am Gewinn, so wie bei Gangs of New York in 2002 etwa. DiCaprio ist für die großen Studios immer noch eine sichere Bank. Zusammen haben die 24 Spielfilme, in denen sein Name im Vorspann auftaucht rund 2,2 Milliarden Dollar an den Kinokassen eingespielt. Dazu kommen noch hunderte Millionen aus TV-, DVD- und Internet-Verwertungen.

Jordan Belfort selbst wird nach eigenen Aussagen bei dem Filmprojekt komplett leer ausgehen. Er werde, ließ er per Facebook verkünden, einhundert Prozent alle Einnahmen seiner zwei Bücher über seine Vergangenheit und das Geld aus dem Film an den Staat überweisen, der damit seine Opfer teilweise entschädigen könne. Insgesamt werden seine Einnahmen auf 20 bis 30 Millionen Dollar geschätzt. Doch der Wolf und sein Rudel gieriger Pennystock-Verkäufer sollen rund 100 Millionen Dollar Schaden angerichtet haben. Da müssen noch viele Kinokarten verkauft werden.

Von

pos

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