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22.02.2017

21:10 Uhr

Oscars So White

Hollywood ist mehr als schwarz und weiß

VonPetrina Engelke

Für die Oscar-Verleihung am Sonntag sind mehr schwarze Schauspieler denn je nominiert. Doch kurz zuvor belegt eine Studie, dass Hollywood erheblich mehr Vielfalt braucht, um ein wirtschaftliches Fiasko abzuwenden.

Meryl Streep (l.) und Viola Davis bei einer Preisverleihung im Januar. Streep ist zum 20. Mal für einen Oscar nominiert. Davis ("Fences") holt bereits mit einer dritten Nominierung einen Rekord - als meistnominierte schwarze Schauspielerin. dpa

Oscar-Nominierte

Meryl Streep (l.) und Viola Davis bei einer Preisverleihung im Januar. Streep ist zum 20. Mal für einen Oscar nominiert. Davis ("Fences") holt bereits mit einer dritten Nominierung einen Rekord - als meistnominierte schwarze Schauspielerin.

New YorkEs sieht so aus, als hätte die Social Media-Gemeinde zusammen mit einigen Promis die Oscar-Entscheider zum Guten bekehrt – oder besser gesagt: mit dem Pranger dorthin geprügelt. Nachdem „12 Years A Slave“ im Jahr 2014 drei Oscars abgeräumt hatte, liefen 2015 plötzlich überhaupt keine schwarzen Schauspieler mehr über den roten Teppich.

Daraufhin spülte eine Welle von Hohn, Spott und Zorn durch die sozialen Medien, begleitet von dem Hashtag #OscarsSoWhite. Trotzdem passierte im Folgejahr das gleiche. Selbst „Straight Outta Compton“, ein Film über die Hip-Hop-Gruppe N.W.A., der an der Kinokasse den bisherigen Musiker-Biografie-Spitzenreiter „Walk The Line“ überholte, bekam eine Nominierung nur für Weiße – die beiden Drehbuchautoren.

Weltstars wie Will Smith und Spike Lee boykottierten daraufhin die Oscar-Verleihung. Comedian Chris Rock ließ zwar von seinem Job als Moderator der Veranstaltung nicht ab, meldete sich auf der Bühne dann aber mit dem Hinweis: „Ich bin hier bei den Oscars, auch bekannt als White Peoples Choice Award.“

Bald darauf verkündete die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die den Preis verleiht, sie wolle diesen Missstand beseitigen. Schon hagelt es 2017 Rekorde: Sechs der 20 Oscar-nominierten Schauspieler sind Schwarze, so viele wie nie zuvor, erstmals auch zeitgleich in allen vier Darsteller-Kategorien.

„And the Oscar goes to...“: Wie die Oscar-Preisträger ermittelt werden

Stimmzettel

Jeweils am Dienstag vor der Vergabe der Oscars müssen die Stimmzettel eingegangen sein.
Quelle: dpa

Akademie

Die mehr als 6600 Mitglieder der Akademie können in der Endrunde in allen 24 Kategorien von Schnitt bis bester Film abstimmen.

Herkunft

Die meisten Nominierungen waren zuvor von den Branchen gewählt worden. Es gibt 17 Berufszweige, darunter stellen die Schauspieler und die Produzenten die größten Gruppen.

Berufung

Man kann sich keine Mitgliedschaft erkaufen, man wird berufen. Der Weg in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences führt über eine Oscar-Nominierung, über Empfehlungen oder besondere Verdienste um den Film.

Einladungen

2016 wurden 683 Einladungen an neue Mitglieder verschickt, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Auf der Liste standen 283 internationale Filmschaffende, darunter die deutsche Regisseurin Maren Ade, die in diesem Jahr mit „Toni Erdmann“ für den Auslands-Oscar nominiert ist.

Hautfarbe

41 Prozent der Angeschriebenen waren Schwarze, Latinos und Asiaten, der Frauenanteil lag bei 46 Prozent. Damit hatte der Filmverband auf Kritik reagiert, dass es dem Gremium an Vielfalt mangele. Lange gaben überwiegend ältere, männliche Mitgliedern weißer Hautfarbe den Ton an, Frauen und Minderheiten waren deutlich in der Unterzahl.

Frauen

Mit den Neuzugängen von 2016 sind nun 11 Prozent aller Mitglieder Afroamerikaner, Asiaten oder Latinos, drei Prozentpunkte mehr als zuvor. Frauen machen jetzt 27 Prozent des Filmverbandes aus, zuvor waren es 25 Prozent. Bis zum Jahr 2020 will die Akademie die Zahl von Frauen und Minderheiten verdoppeln.

Prüfer

Die Oscar-Juroren müssen ihre Stimmzettel mit der Post oder online einreichen. Nach alter Tradition zählt die Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Stimmen aus.

Geheimnisträger

Am Ende kennen nur zwei Mitarbeiter vorab den Ausgang der Wahl. Die streng gehüteten Ergebnisse in 24 Kategorien werden in versiegelten Umschlägen direkt zur Preis-Gala gebracht.

Drei der vier Filme, in denen sie spielen, sind in der Kategorie „Bester Film“ vertreten. Gleich vier schwarze Filmemacher konkurrieren um den Preis für den besten Dokumentarfilm. Unter ihnen schafft die zuvor mit ihrem Spielfilm „Selma“ übergangene Regisseurin Ava DuVernay nun mit „13th“ zugleich noch als erste schwarze Frau den Sprung in diese Kategorie.

Bis dahin war es ein langer Weg. Der erste Oscar an eine US-Minderheit ging 1939 an Hattie MacDaniel. Sie wurde als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in „Vom Winde verweht“ ausgezeichnet – für das dick-dümmliche, pechschwarze Hausmädchen Mammy hatte man ihr das Klischee eines Menschen zweiter Klasse ins Drehbuch geschrieben.

Nur zögerlich verabschiedete sich Hollywood von solchen Rollen für Schwarze. Noch 2012 gewinnt Octavia Spencer einen Oscar für ihre Nebenrolle als Hausmädchen im Bürgerrechtsdrama „The Help“. 2017 ist sie erneut nominiert, diesmal spielt sie eine Nasa-Mathematikerin in „Hidden Figures“.

Konkurrentin Viola Davis spielt im Pulitzerpreis-gekrönten Drama „Fences“ an der Seite des ebenfalls nominierten Denzel Washington eine Frau, die mit einer fragwürdigen Entscheidung ihres verbitterten Gatten konfrontiert ist. Davis gilt als heißeste Kandidatin für die Trophäe. So oder so darf sie sich mit dem Titel der meistnominierten Schwarzen schmücken. Es könnte also alles im Lack sein.

Kommentare (2)

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Herr Andreas Kertscher

23.02.2017, 08:25 Uhr

Nach den neuesten Zahlen sind 13,2% der US-Bürger Schwarze, 17% Latinos. Aber in der Werbung findet man 25-75% Schwarze, fast keine Latinos, in den Krimis ist entweder der Bürgermeister, der Polizeichef oder der Abteilungsleiter schwarz. Auf Deutschland übertragen müsste das dann ein Südeuropäer oder Türke sein. Also alles wie im richtigen Leben.

Herr Hofmann Mark

23.02.2017, 11:08 Uhr

Dazu würde mir , wie immer, eine Menge einfallen, aber das würde der Zensor nicht gut finden.

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