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23.02.2015

15:13 Uhr

Oskar Schlemmer

Keine Zweifel an der Zukunft

VonSabine Spindler

Oskar Schlemmer zählt zu den großen Verfechtern der Moderne. Doch ein Teil seines Werks ist nach wie vor Zankapfel der Erben. Die Entscheidung über die mögliche Versteigerung von 200 Arbeiten des Bauhauskünstlers ist weiterhin offen.

Schlüsselbild der Moderne: Oskar Schlemmers "Die Bauhaustreppe" (1932) aus dem Museum of Modern Art, New York. Quelle: Staatsgalerie Stuttgart

Schlemmer: "Die Bauhaustreppe" aus dem MoMA

Schlüsselbild der Moderne: Oskar Schlemmers "Die Bauhaustreppe" (1932) aus dem Museum of Modern Art, New York. Quelle: Staatsgalerie Stuttgart

StuttgartBeinahe hätte die große Werkschau „Oskar Schlemmer. Visionen einer neuen Welt“ in der Staatsgalerie Stuttgart ohne jenes Gemälde stattgefunden, das den deutschen Avantgarde-Künstler weltberühmt machte. Lange hatte New Yorks Museum of Modern Art gezögert, „Die Bauhaustreppe“ von 1932 auszuleihen. Die aus der Luft gegriffenen Zweifel der Schlemmer-Tochter am rechtmäßigen Besitz und ihr fast geglückter juristischer Vorstoß nach der letzten Deutschland-Präsentation lagen den Amerikanern selbst nach 14 Jahren als übler Nachgeschmack auf der Zunge.

Nun aber gehört diesem Schlüsselwerk der Moderne der erste Blick eines jedes Besuchers. Und er stimmt bestens ein auf das vielschichtige und unverwechselbare Werk eines Künstlers, der in einem Atemzug mit Wassily Kandinsky, Paul Klee und Lyonel Feininger zu nennen ist.

Oskar Schlemmer: "Männlicher Kopf I, Selbstbildnis", 1912, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart

Oskar Schlemmer - wie er sich sah

Oskar Schlemmer: "Männlicher Kopf I, Selbstbildnis", 1912, Öl auf Leinwand, Staatsgalerie Stuttgart

Dem Chaos keine Chance lassen

Der 1888 in Stuttgart geborene Schlemmer hielt „Die Bauhaustreppe“ für sein „vielleicht bestes“. Auf jeden Fall vereint sie, was Schlemmers Malerei ausmacht: die schematischen Figuren, die sich fast schwebend, stets nach oben strebend in funktionaler Architektur bewegen, die gedeckten Farben und die flächige Malerei, die ihre weiche Struktur durch sanfte Schattierungen erhält. Schlemmer bringt darin sein neues Menschenbild in einer modernen Welt zum Ausdruck. Die Abstraktion hielt er für unverbindlich.

Schlemmer reduzierte sein figuratives Personal auf das Wesentliche. Es sollte eine Moderne vermitteln, „in der das Chaos des Krieges“ keine Chance hat. Dabei malte er mit Vorliebe seine Figuren wie Caspar David Friedrich in Rückenansicht. Wer so schwerelos wie sie auf ein imaginäres  Ziel steuern, hat keine Zweifel an einer lichten Zukunft. Da ist der Künstler der Moderne ganz Romantiker. Denn auch Oskar Schlemmer glaubte fest an die mystische Kraft und das Spirituelle der Kunst.

"Zu modern, um Bilder zu malen"

Seit fast 40 Jahren gab es keine Überblicksschau mehr zum Werk dieses Moderne-Künstlers. In dieser Zeit geriet aus dem Blick, dass Schlemmers Progressivität auch darin besteht, die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur, raumbezogener Kunst sowie Bühne und Tanz aufzuheben. Die Schau holt das nach und zeigt die malerischen Hauptwerke ebenso wie Foto-Dokumente aus der Bauhauszeit. Sie stellt die athletischen Akte den Entwürfen für die Rotunde des Folkwang-Museums in Essen gegenüber, ein Zyklus von 1929.

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