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22.09.2011

16:21 Uhr

Otto Dix

Liebesleben in Düsseldorf

VonChristiane Fricke

Bei Vorbereitungen zu einer Otto Dix-Ausstellung machte die Galerie Remmert und Barth einen sensationellen Fund. Dahinter verbirgt sich eine spannende Geschichte.

Otto Dix: „Strich III“, Aquarell 1922 (Ausschnitt) VG Bild-Kunst / GALERIE REMMERT UND BARTH

Otto Dix: „Strich III“, Aquarell 1922 (Ausschnitt)

Düsseldorf.Für Galeristen und Sammler ist das Liebesleben ihrer Künstler meistens von zweitrangiger Bedeutung. Nicht so für Hans Koch, den schöngeistigen Urologen und Sammler, der 1917 in Düsseldorf das Kunstkabinett von Bergh & Co. gründete. Eine enge Freundschaft verband ihn mit Otto Dix (1891-1969), aber auch die Liebe zu einer Frau. Die Früchte dieser ungewöhnlichen Dreiecksgeschichte kamen erst kürzlich bei Ausstellungsvorbereitungen der Düsseldorfer Galerie Remmert und Barth ans Tageslicht.

Fund in einer Kiste

In einer Kiste im Nachlass der Tochter von Martha Koch war Herbert Remmert fündig geworden. Auf drei bedeutende Aquarelle mit erotischen Sujets stieß er, auf eine aquarellierte Vorzeichnung für das berühmte Porträt des Kunsthändlers Albert Flechtheim und skurrile Tierporträts. Allesamt entstanden zwischen 1921 und 1925, den glücklichen und produktiven Düsseldorfer Schaffensjahren von Dix. Preislich liegen die Neufunde zwischen 3.800 Euro für die kleinformatigen Tierporträts und 200.000 Euro für die Aquarelle.

Otto Dix: Selbstporträt, Bleistiftzeichnung, um 1922 (Ausschnitt) VG Bild-Kunst / GALERIE REMMERT UND BARTH

Otto Dix: Selbstporträt, Bleistiftzeichnung, um 1922 (Ausschnitt)

Sammler tritt seine Ehefrau ab

Mindestens so aufregend wie die neu entdeckten Aquarelle ist die Geschichte, die sich hinter ihnen verbirgt. Als sich Dix 1921 auf den Weg nach Düsseldorf machte, um die Kunsthändlerin Johanna Ey und Hans Koch zu besuchen, ahnte er noch nichts von den bevorstehenden, einschneidenden Entwicklungen. Als unbekannter Akademieschüler war er gekommen; als erfolgreicher Maler ging er, und mit ihm die Ehefrau seines Sammlers, die dieser ihm generös abgetreten hatte.

Eine alte Liebe

Statt Mord und Totschlag fügte sich alles ganz wunderbar, für den Künstler ebenso wie für den Sammler. Und das kam so. Hans Koch, der in Berlin zum Urologen ausgebildet worden war, hatte in jungen Jahren die beiden Schwestern Martha und Maria Lindner kennen gelernt. Er verliebte sich in Maria, die seine Patientin war, nahm jedoch Martha zur Frau, weil sie ihm Kinder gebären konnte. Später kam Dix und verliebte sich in Martha. Hans Koch handelte umgehend, ließ sich von Martha scheiden und heiratete seine alte Liebe Maria.

Nicht viel Freude am Galeristendasein

Am Galeristendasein hatte Hans Koch, der seiner Familie eine große Klee- und Kirchner-Sammlung hinterließ, offenbar nicht so viel Freude. Der Kunsthändler Israel B. Neumann übernahm bereits 1920 seine Räume, emigrierte jedoch drei Jahre später in die USA. Nachfolger wurde Hans Trojanskis Buch- und Kunst-Antiquariat, das bis in die 1990er-Jahre existierte. So scheint in der Dix-Schau auch ein Stück bewegter Kunstmarktgeschichte auf. (Bis 2. Dezember, Katalog 30 Euro)

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