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05.08.2014

17:35 Uhr

Otto Piene

Aufstieg der Himmelskörper

VonChristian Herchenröder

Mit einem Lichtballett für die Berliner Nationalgalerie hat sich Otto Piene von der diesseitigen Kunstwelt verabschiedet. Seit vier Jahren erlebt der Zero-Künstler eine Renaissance. In den deutschen Auktionen sind vor allem die späten farbintensiven Arbeiten gefragt.

Die Himmelsskulpturen von Otto Piene am Abendhimmel über der Nationalgalerie in Berlin. Foto: Soeren Stache dpa

Die Himmelsskulpturen von Otto Piene am Abendhimmel über der Nationalgalerie in Berlin. Foto: Soeren Stache

BerlinEs war seine letzte Großtat. Wenige Tage vor seiner Berliner Ausstellung „Proliferation of the Sun“ starb der Lichtmagier Otto Piene. Die Eröffnungsnacht wurde zur postumen Hommage an den aus Amerika angereisten Künstler, der 1957 mit Heinz Mack in Düsseldorf die Gruppe Zero gegründet hatte. Während im Obergeschoss der Neuen Berliner Nationalgalerie auf Großwänden die Licht- und Farbenprojektion „Proliferation of the Sun“ vor ruhendem und lustwandelndem Kunstpublikum abspulte, sollten auf dem Dach des Mies van der Rohe-Baus drei weiße, aufblasbare Schwebekörper in den Nachthimmel aufsteigen.

Die an Seilen befestigten mehrarmigen Ballons wollten zunächst nicht aufschweben. Erst als Wind gegen Mitternacht mitspielte, hoben die 90 Meter hohen, mit Helium gefüllten Ballonschläuche ab und wurden von der tausendköpfigen Menge als sanft gleitende und flatternde Himmelskörper wahrgenommen. Die aufwändige Schau, an der 20 Assistenten des Künstlers beteiligt waren, ist die Reprise einer bereits Mitte der achtziger Jahre am Berliner Ernst Reuter-Platz realisierten Aktion.

Kunst für Nachtschwärmer

Im Rahmen der Berliner Piene-Retrospektive, die das Lichtballett in die Neue Nationalgalerie und die Werkauswahl in die Kunsthalle der Deutschen Bank führte, hat diese am 9. August 2014 in der Langen Foundation bei Neuss wiederholte Performance  eine ultimative Bedeutung. „In Berlin schließt sich der Kreis“ hatte der 86-Jährige bei der Vorbereitung seiner Berliner Gesamtschau geäußert. Sie ist in weiser Vorahnung zum Vermächtnis geworden.

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