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14.06.2011

18:07 Uhr

Pablo Picasso

Anklage gegen den Elektriker

Der Elektriker Picassos steht wegen Hehlerei vor Gericht. 80 Millionen Euro sind die 271 Arbeiten wert, die ihm Picasso geschenkt haben soll.

Der pensionierte Elektriker Pierre Le Guennec in Mouans-Sartoux (Frankreich) vor seiner Garage, in der Ende November letzten Jahres 271 Zeichnungen von Pablo Picasso gefunden wurden. Foto: Annika Joeres/dapd (Ausschnitt) Quelle: dapd

Der pensionierte Elektriker Pierre Le Guennec in Mouans-Sartoux (Frankreich) vor seiner Garage, in der Ende November letzten Jahres 271 Zeichnungen von Pablo Picasso gefunden wurden. Foto: Annika Joeres/dapd (Ausschnitt)

ParisAls 2010 plötzlich 271 unbekannte Werke Pablo Picassos beim früheren Elektriker des Künstlers auftauchten, rief dies eine heftige Reaktion der Nachlassverwaltung von Picasso hervor (Handelsblatt v. 17.12.2010). Claudia Andrieu, juristische Leiterin der Picasso Administration, erhob sofort Klage wegen Diebstahl und Hehlerei. Die von Frau Andrieu inzwischen der Polizei und Justiz vorgelegten Informationen führten im Mai 2011 zur Anklage des Elektrikers Pierre Le Guennec und seiner Frau Danielle wegen Hehlerei. Der unterstellte Diebstahl wäre nach 30 Jahren bereits verjährt.

Wert: 80 Millionen Euro

2010 hatte sich das pensionierte Ehepaar an die „Picasso Administration“ gewandt, um für die 271 Werke Picassos aus den Jahren 1910 bis 1920 Echtheitsgutachten zu erhalten. Claude Picasso, Leiter der „Picasso Administration“, stellte damals die Authentizität der Werke fest und schätzte ihren Wert auf ca. 80 Millionen Euro.

Pierre Le Guennec, der von 1970 bis zum Tode Picassos im Jahr 1973 als Elektriker Alarmanlagen in den diversen Besitztümern Picassos in der Nähe der Côte d'Azur installierte, behauptet, er habe die Werke vom „Meister“ selbst oder von dessen zweiter Frau Jacqueline Roque-Picasso erhalten. Picasso schenkte aber niemals Werke, ohne sie zu signieren und zu datieren. Er schenkte auch nur neuere Werke und keineswegs solche von derartiger kunsthistorischer Bedeutung wie die vorliegenden Zeichenblöcke, kubistischen Skizzen oder Lithografien. Solche Werke gab er allenfalls an Angehörige, die zu seinem unmittelbaren Umkreis gehörten. Aufgrund dieser Informationen durch die Nachlassverwaltung wurde das Ehepaar Le Guennec getrennt von der Polizei vernommen. Einige divergierende Aussagen und Versäumnisse, darunter eine nicht erwähnte Schenkung von 540.000 Euro von Jacqueline Picasso an das Ehepaar im Jahre 1983, führten nun zur Anklage wegen Hehlerei.

Picasso-Werke auch im Nachlass des Chauffeurs

Parallel zum Aufruhr um die Eigentumsverhältnisse der 271 Arbeiten wurde am 9.Dezember 2010 eine Auktion mit 143 weiteren Werken Picassos, die aus dem Nachlass seines Chauffeurs Maurice Bresnu stammten, auf Initiative von dessen Erben abgesagt. Da Pierre Le Guennec einer der sechs Neffen und Erben des 1991 verstorbenen Chauffeurs Maurice Bresnu ist, untersucht die französische Justiz auch die familiären Beziehungen Bresnu-Le Guennec sowie den Erwerb und den Besitz der Picasso-Werke. Am 2. Juni wurden die Highlights der Bresnu-Auktion von der Justiz beschlagnahmt: darunter befinden sich zwei auf Keramik-Kacheln gemalte Kinderporträts von Claude Picasso und seiner Schwester Paloma, der Kinder der Malerin Françoise Gilot und Picassos, die Auktionator Pierre Blanchet relativ bescheiden auf je 20.000 bis 50.000 Euro schätzte.

Juristin Claudia Andrieu möchte sich dem Handelsblatt gegenüber derzeit nicht zum Thema äußern, da eine gerichtliche Untersuchung läuft und die Justiz die von ihr gelieferten Informationen überprüft.

Von

Olga Grimm-Weissert

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