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14.03.2016

13:49 Uhr

Paradies für Künstler

In der Ruhe liegt die Kreativität

VonKatharina Kort

Eine private Stiftung vereint Künstler aus aller Welt in Umbrien. Im Schloss „Civitella Ranieri“ sollen sie Kreativität tanken. Und e inmal ohne Geld- und Alltagssorgen arbeiten. Zu Besuch in einem magischen Ort.

Gepflegtes Idyll, in dem die Künstler ihre Gedanken schweifen lassen sollen.

Die „Civitella Ranieri“

Gepflegtes Idyll, in dem die Künstler ihre Gedanken schweifen lassen sollen.

MailandWafaa Bilal sitzt am Fenster. Sein Blick schweift über Zypressen, grüne Hügel und historisches Gemäuer. Bilals Zimmer im Schlossturm von „Civitella Ranieri“ ist weiß getüncht, auf dem Holztisch stapeln sich Bücher. Die grüne Leselampe färbt den Raum in warmes Licht. Stille umgibt den Mann in Jackett und Lesebrille an diesem trüben Regentag.

Stille, die der aus der irakischen Stadt Najaf stammende Künstler in seiner Wohnung in Manhattan nicht hat und die er aus seinem Leben so nicht kennt. 1992 aus dem Irak geflohen, hat Bilal zwei Jahre in einem Flüchtlingscamp in Saudi Arabien gewohnt und ist dann in die USA emigriert. Sein Bruder wurde 2008 im Irak von einer amerikanischen Drohne getötet worden. All das hat ihn zu ungewöhnlicher Kunst inspiriert.

Nach dem Tod seines Bruders etwa ließ sich der 49-jährige Konzept-Künstler per Mausklick im Internet 80 Millionen Mal aus 128 Ländern von einem Roboter mit Farbbomben beschießen; seine Performance hieß „Shoot an Iraqi“. Ein anderes Mal ließ er sich für ein Jahr lang als „drittes Auge“ eine Kamera in den Hinterkopf implantieren, die im Minutentakt Fotos schoss. Oder er ließ sich einen Monat lang in einer Kunstgalerie einschließen.

Tipps für mehr Kreativität

Sich selbst zum Staunen bringen

Eröffnen Sie sich jeden Tag Möglichkeiten zu staunen. Schreiben Sie Ihre Entdeckungen auf, und bringen Sie auch andere zum Staunen.

Mit alten Mustern brechen

Brechen Sie alte Muster auf. Versuchen Sie, neu an eine Sache heranzugehen.

Die erste Idee ist nicht immer die Beste

Geben Sie sich nicht mit der erstbesten Idee zufrieden.

Aus mehreren Perspektiven denken

Betrachten Sie Ihre Fragestellung bereits zu Beginn bewusst aus verschiedenen Perspektiven.

Beschäftigung

Entdecken Sie etwas, mit dem Sie sich schon immer beschäftigen wollte. Sie wissen eigentlich schon, was das ist.

Lenken Sie sich ab

Wenn Sie eine Denkblockade haben oder sich in einer gedanklichen Sackgasse befinden, lenken Sie sich ab. Schauen Sie sich etwas Lustiges an.

Bewegung

Oder gehen Sie ein paar Schritte: Gewinnen Sie Abstand und damit wieder neue Sichtweisen.

Ein Problem neu formulieren

Formulieren Sie, wenn nötig, ein Problem neu.

Glücklich sein

Seien Sie glücklich. Besonders, wenn Sie nach Ideen suchen.

Quelle

Christiane Stenger, „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! – Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“, 252 Seiten, EAN 9783593500126, ISBN 978-3-593-50012-6

Doch hier in der italienischen Region Umbrien ist alles anders. „Plötzlich war da nur Stille“, beschreibt Bilal seine Ankunft im Schloss. Eine Umgebung, die ihn zu neuer, anderer Kunst inspirieren soll. Bilal ist einer der auserwählten Künstler, die die amerikanische Stiftung „Civitella Ranieri“ für sechs Wochen in das Schloss in Umbertide in Umbrien einlädt. Künstler, die schon für Aufmerksamkeit gesorgt haben, von der sich die Szene mehr verspricht, die den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft haben. Künstler, die einmal ohne Geld- und Alltagssorgen arbeiten können sollen.

Künstlerresidenzen

Zweck

Künstlerresidenzen geben Kreativen aller Richtungen die Möglichkeit, sich weit weg vom Alltag auf ihr Schaffen zu konzentrieren und Kontakte zu anderen Künstlern zu knüpfen. Dahinter stehen meist Mäzenen mit Stiftungen oder öffentliche Geldgeber.

Geschichte

Die ersten Künstlerresidenzen gehen auf die Jahrhundertwende rund um 1900 zurück. Damals wurde im US-Bundesstaat New York die Corporation of Yaddo gegründet. In Deutschland entstand schon 1889 in Worpswede bei Bremen eine Einrichtung, in der der Maler Heinrich Vogeler oder der Dichter Rainer Maria Rilke residierten.

Entwicklung

In den 90er-Jahren erlebten Künstlerresidenzen eine Renaissance. Zu den renommiertesten Institutionen gehören heute die Civitella Ranieri in Umbrien, das Schloss Solitude in Stuttgart, die Villa Massimo in Rom und das Bellagio Center am Comer See. Res Artis, das weltweite Netzwerk von Künstler-Residenzen, zählt heute mehr als 400 Häuser in mehr als 70 Ländern zu seinen Mitgliedern.

So residierten hier vor ihrem Durchbruch auch schon der in Leningrad geborene amerikanische Erfolgs-Autor Gary Shteyngart oder der spätere Nobelpreis-Kandidat Bei Dao, der südafrikanischen Künstler William Kentridge oder sein nigerianischer Kollege El Anatsui, der 2015 auf der Biennale in Venedig den goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhalten hat.

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