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12.06.2012

06:38 Uhr

Pariser Auktionsrekorde

Spitzenpreise für Stillleben und Comics

VonOlga Grimm-Weissert

1.600 Auktionen gehen jährlich in Paris über die Bühne; dabei kommen rund 500.000 Objekte zum Aufruf. Damit gehört die Stadt an der Seine zu den großen Drehscheiben des internationalen Auktionshandels. Die jüngsten Versteigerungen brachten Rekordpreise quer durch die verschiedenen Warensegmente.

Hergé: Titelblatt für das Album "Tintin en Amérique" (Tim in Amerika), 1932, Gouache. (Ausschnitt) Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan

Hergé: Titelblatt für das Album "Tintin en Amérique" (Tim in Amerika), 1932, Gouache. (Ausschnitt)

ParisParis im allgemeinen und das Hôtel Drouot im speziellen gehören zu den großen Drehscheiben des internationalen Auktionshandels. Anfang Juni eröffnete das Hôtel Drouot  seinen stark vergrößerten, zeitgemäßen und hellen Eingangsbereich. Er führt zu den 20 Sälen, in denen 74 Auktionshäuser jährlich rund 1.600 Auktionen veranstalten und etwa 500.000 Objekte versteigern. 2011 erwirtschafteten sie den stattlichen Umsatz von 482 Millionen Euro. Damit ist das Drouot die größte Auktionsplattform der Welt. Dazu kommen noch die Auktionshäuser Artcurial, Pierre Bergé & Associés, Christie’s, Sotheby’s und Tajan, deren schicke Niederlassungen über die Seine-Stadt verteilt sind. Von Ende Mai bis Anfang Juni verzeichnete man in Paris kreuz und quer durch die Warensegmente mehrere Auktionsrekorde.

Blumenbouquet auf Kupfer

Im Hôtel Drouot versteigerte das Auktionatorenduo Gros-Delettrez am 1. Juni ein bisher unveröffentlichtes Blumen-Stillleben auf Kupfer von Ambrosius Bosschaert d.Ä.. „Blumenbouquet in einer Bronzevase, auf einem Tisch nahe einer Muschel stehend“ ist mit Bosschaerts Monogramm versehen und 1621 datiert. Es ließ seine Schätzung von 600.000 bis 800.000 Euro weit zurück und fand für 1,7 Millionen Euro einen Erwerber. Das kleine Gemälde des Stillleben-Pioniers und Begründers der Malerdynastie Bosschaert war bisher nur in drei Kopien bekannt. Die Authentizität des Bildes ließ sich selbst der beste Pariser Altmeisterexperte Eric Turquin mit Hilfe einer Fotografie bestätigen, und zwar von dem soliden Kenner der flämischen Malerei, Fred Meijer.

Am gleichen Tag versteigerte das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés Antiken in den Sälen des Hôtel Drouot. Zum Spitzenlos erkor ein Bieter ein skythisches Goldschmuckstück in Form eines galoppierenden Hirschen aus dem 7. bis 6. vorchristlichen Jahrhundert, das er mit 610.870 Euro bewertete.

Im Bereich der Nachkriegskunst erzielte Christie’s am 31. Mai einen neuen Weltrekord für eine abstrakte „Composition“ von Jean-Paul Riopelle. Das 1951/52 entstandene Gemälde wurde für beachtliche 1,9 Millionen Euro oder umgerechnet 2,3 Millionen Dollar nach Südamerika vermittelt. Der bisherige Rekord für Riopelle, der mit der Malerin Joan Mitchell liiert war, lag unter 2 Millionen Dollar.

Über der psychologischen Grenze

Bei Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan, wo am 2. Juni Comics versteigert wurden, übersprang ein Blatt von Hergé die psychologische Grenze von einer Million. Für eine von nur fünf existierenden Gouachen, die Hergé für das Titelbild des Albums „Tim in Amerika“ gemalt hatte, bewilligte ein anonymer Bieter 1,3 Millionen Euro. Das gleiche Blatt hielt seit dem 29. März 2008 den Weltrekord auf dem Comics-Sektor, als es bei Artcurial 764.000 Euro brutto einbrachte. Auf dem Markt existieren nur zwei Gouachen für Titelbilder von Hergés Alben „Tim und Struppi“; die drei anderen befinden sich in Museen.

Ebenso außergewöhnlich war der Zuschlag am 6. Juni bei Sotheby’s für ein „Krokodil-Fauteuil“ der hochbetagten Entwerferin Claude Lalanne. Es fixierte mit 1,3 Millionen Euro einen neuen Weltrekord. Die verschnörkelte Barroco-Rococo-Manier, die oft die Möbel Claude Lalannes auszeichnet, liegt in den letzten Jahren stark im Trend.

Ganz bescheiden wirkt im Verhältnis dazu der neue Weltrekord für den Karikatur-Zeichner Plantu, der seit Jahrzehnten die Titelgeschichte von „Le Monde“ zeichnerisch erfasst. Auf einer nur Plantu vorbehaltenen Auktion, die Piasa am 6. Juni im Hôtel Drouot organisierte, brachte die Karikatur des neu gewählten François Hollande im 2CV kutschierend 13.400 Euro.

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