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05.10.2013

03:09 Uhr

Paulo Coelho

„Warum ich nicht zur Frankfurter Buchmesse fahre“

Der brasilianische Erfolgsautor Coelho kommt nicht zur Frankfurter Buchmesse, obwohl Brasilien Gastland ist. Der Grund: Er ist stocksauer über die von der Regierung vorgenommene Autoren-Auswahl.

Der Autor Paul Coelho. dapd

Der Autor Paul Coelho.

Rio de JaneiroDie Frankfurter Buchmesse hat dieses Jahr zwar Brasilien als Gastland, muss aber ohne dessen Bestseller-Autor Paulo Coelho auskommen. Der 66-Jährige wird nächste Woche nicht nach Frankfurt kommen und begründete das mit der von Brasiliens Kulturministerium vorgenommenen Auswahl der nach Deutschland eingeladenen Autoren.

„Von den 70 eingeladenen Schriftstellern kenne ich nur 20, von den anderen 50 habe ich noch nie etwas gehört. Ich nehme an, das sind Freunde von Freunden von Freunden. Vetternwirtschaft“, sagte er im Interview mit Martin Scholz von der „Welt am Sonntag“, das Coelho am Freitag via Twitter unter dem Titel „Warum ich nicht zur Frankfurter Messe fahre“ in seinen Blog stellte. Das Interview werde am Sonntag veröffentlicht.

Er habe Zweifel, dass dies alles professionelle Schriftsteller seien. „Was mich am meisten stört: Es existiert eine neue und aufregende Literatur-Szene in Brasilien. Aber die Mehrheit dieser jungen Autoren findet sich nicht auf der Liste.“ Coelho betonte ausdrücklich seine „hohe Wertschätzung“ für die Messe in Frankfurt.

Es verbinde ihn viel mit der Messe, vor allem mit deren Direktor Juergen Boos, der nicht nur den Transformationsprozess von Print zu Digital anerkenne, sondern der auch verschiedene Foren zu dem Thema initiiere. Messen des gleichen Formats wie etwa in Genf oder Paris verschlechterten sich, weil sie an alten Konzepten festhielten.

„Ich gehe nicht nach Frankfurt, trotz der hohen Wertschätzung, die ich für diese Messe habe. Aber ich heiße die Art, wie die brasilianische Literatur repräsentiert wird, nicht gut“, betonte Coelho („Veronika beschließt zu sterben“, „Der Alchimist“), der seit Jahren in Genf lebt.

Er habe öffentlich mit vielen Autorenkollegen wie Eduardo Spohr, Carolina Munhóz, Thalita Rebouças, André Vianco, Felipe Neto und Raphael Draccon gesprochen. „Ich habe das Maximum versucht, sie zu der Messe zu bringen - ohne Erfolg. Also, aus Protest, habe ich entschieden, nicht nach Frankfurt zu gehen, was aus verschiedenen Gründen eine schwierige Entscheidung war.“

Die Buchmesse wird am Dienstag (8.10) eröffnet. Mit 7100 Ausstellern aus 100 Ländern ist die Zahl der Aussteller in diesem Jahr etwas kleiner als im Vorjahr. 250 000 bis 300 000 Besucher werden an den fünf Messe-Tagen (9. bis 13. Oktober) erwartet. Sie haben die Wahl zwischen 3100 Veranstaltungen. Insgesamt werden 1500 Autoren nach Angaben der Organisatoren zur Messe kommen.

Von

dpa

Kommentare (6)

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manthra

05.10.2013, 08:18 Uhr

Die Frankfurter Buchmesse spiegelt die narzistisch-pure Dekadenz unserer Gesellschaft wider. Sie verlangt seit vielen Jahren unverhältnismäßig hohe Eintritte, die schon als inflationär bezeichnet werden können und die finanzschwachen Leute quasi automatisch vom Medium Buch weg und etwa beim ständigen, hirnfreien Spiel mit iPhone und Smartphone, halten.

Buchmesse_Selbstbeschaeftigung

05.10.2013, 12:20 Uhr

Da geht also ein unbekannter brasilianischer Autor nicht zur Buchmesse, weil "Er habe Zweifel, dass dies alles professionelle Schriftsteller" sind, er meint andere Eingeladene...

So what???? Where is the message??? The point of public interest??

Observer

05.10.2013, 13:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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