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11.05.2011

07:55 Uhr

Peinliche Panne beim ESC

Viel Bild, kaum Ton - Eurovision

Zum Telefon greifen Live-Reporter eigentlich nur, wenn die Lage vor Ort prekär ist, etwa in Krisengebieten. Auch beim ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest sorgte eine Tonstörung zeitweise für Krisenstimmung.

Das erste ESC-Halbfinale war von Stars und Tonstörungen geprägt. Quelle: dpa

Das erste ESC-Halbfinale war von Stars und Tonstörungen geprägt.

DüsseldorfDas erste Halbfinale des ESC wurde in Deutschland von ProSieben übertragen. Zeitweise waren die deutschen Kommentatoren Peter Urban und Steven Gätjen nicht mehr zu hören. Danach war die Tonqualität schlecht, da sie per Telefon weitermoderieren mussten. Die Musik war aber weiterhin zu hören.

Es habe bei den ISDN-Leitungen von den Kommentatoren-Kabinen ins Telekom-Netz Probleme gegeben, sagte eine NDR-Sprecherin. Bis zum frühen Morgen war die Ursache der Störung nicht bekannt. Auch die genaue Zahl der betroffenen Länder stand zunächst nicht fest. Am Ende der Show kündigte Urban das zweite Halbfinale an, das am Donnerstag (12. Mai, 21 Uhr) im Ersten zu sehen sein wird. "Hoffentlich dann mit besserem Ton", so der NDR-Journalist. Seinem Ko-Kommentator dankte er, dass dieser das mitgemacht habe, "trotz aller nervigen Nebenerscheinungen".

Die wichtigsten Fragen zum ESC

Was ist eigentlich der ESC?

Im Jahr 1955 beschloss die Europäische Rundfunkunion (EBU) - ein Zusammenschluss der staatlichen und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten diesseits des Eisernen Vorhangs - ein gemeinsames Projekt: den Grand Prix of the Eurovision. 1956 wurde der Musikwettbewerb dann erstmals in der Schweiz veranstaltet - mit sieben Ländern.

Wieso heißt es nicht mehr Grand Prix?

Der Wettbewerb hat viele Namen: Das deutsche Fernsehen nannte ihn anfangs Grand Prix Eurovision de la Chanson oder auf Deutsch Großer Preis der Eurovision, die erste Ausgabe in Lugano hatte den italienischen Titel Gran Premio Eurovisione Della Canzone Europea. Schon 1960 hieß der Wettbewerb in Großbritannien Eurovision Song Contest, 1992 wurde dieser Titel international vereinheitlicht.

Wo findet der ESC statt?

Nach den ersten drei Wettbewerben in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden (1956/1957/1958) wurde die Regel eingeführt, dass das Siegerland den nächsten ESC ausrichten darf. Doch in der Vergangenheit wurde auch schon auf diese Ehre verzichtet - unter anderem wegen der hohen Kosten. Die Niederlande (1960), Frankreich (1963), Monaco (1972) und Luxemburg (1974) ließen Großbritannien ran; Israel überließ 1980 den Niederlanden den Grand Prix.

Hauptstadt oder Provinz?

Der ESC-Zirkus gastiert gerne mal außerhalb der großen Metropolen: So siegte Nicole 1982 in Harrogate und Guildo Horn hatte 1998 alle lieb in Brighton. Die Hauptstädte sind bei den Austragungsorten jedoch in der Mehrheit - 35:21 steht es derzeit, wobei sich Deutschland gegen den Trend stellte. Für das Finale am 14. Mai 2011 wurde Düsseldorf gewählt, und auch die Wettbewerbe 1983 und 1957 fanden nicht in der Hauptstadt, sondern in München und Frankfurt am Main statt.

Wie viele Länder haben bisher teilgenommen?

Insgesamt 49 Länder finden sich in den Ergebnislisten des ESC, darunter auch Kleinstaaten wie Andorra, Monaco und San Marino. Marokko ist das einzige afrikanische Land, das bislang mitmachte (1980). In diesem Jahr sind 43 Länder dabei, so viele Teilnehmer gab es bisher nur im Jahr 2008.

Hat schon mal jemand wie Lena versucht, seinen Titel zu verteidigen?

Ja, Titelverteidigungsversuche gab es bereits, aber keiner war erfolgreich. Die Siegerin des ersten Grand Prix 1956, die Schweizerin Lys Assia, trat 1957 nochmals an - und wurde Vorletzte. Und die Gewinnerin des 1957er Wettbewerbs, Corry Brokken aus den Niederlanden, wurde im Folgejahr sogar Letzte. Allerdings gibt es einen Teilnehmer, der zweimal gewonnen hat: Johnny Logan holte 1980 und 1987 den Titel für Irland.

Gibt es Top- und Flop-Nationen?

Ja, eindeutig. Irland ist mit sieben Siegen top, auch wenn der letzte Gewinn 17 Jahre zurückliegt; Deutschland ist bei den Teilnahmen top, 55 Mal war die Bundesrepublik dabei. Großbritannien ist Top-Gastgeber, acht Mal war der ESC auf der Insel zu Gast. Als Flop-Länder kann man wohl die bezeichnen, die nie gewonnen haben - das sind immerhin 24 von 49 Teilnehmern. Und von denen die schlechtesten sind Andorra, Montenegro und San Marino, sie haben insgesamt null Punkte auf ihrem Eurovisions-Konto. Noch eine Stufe tiefer geht es nur für Tschechien: Bei drei Teilnahmen 2007, 2008 und 2009 wurde nie das Finale erreicht.

Im ersten Halbfinale schafften die Teilnehmer aus der Schweiz, Serbien, Litauen, Griechenland und Aserbaidschan den Einzug in die Endrunde. Ebenfalls dabei sind die Kandidaten aus Georgien, Ungarn, Finnland, Russland und Island. Als Moderatoren führten Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab durch die zweistündige Show.

Rund 16.000 Tickets waren im Vorverkauf für das Halbfinale in der Arena über die Ladentheke, wie der NDR auf dapd-Anfrage mitteilte. Das zum Fernsehstudio umgebaute Fußballstadion hat eine Gesamtkapazität von 36.000 Plätzen. An der Abendkasse sollten weitere Karten verkauft werden.

Am Donnerstag werden dann im zweiten Halbfinale zehn weitere Finalplätze vergeben. Die deutsche Titelverteidigerin Lena Meyer-Landrut und die Künstler aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind bereits für das Finale gesetzt.

Von

dapd

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