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02.03.2017

08:25 Uhr

Peinliche Panne hat Folgen

PwC-Mitarbeiter erhalten Oscar-Verbot

Die peinliche Panne bei der Oscar-Verleihung hat eine böse Nachwirkung: Die verantwortlichen Mitarbeiter erhalten Show-Verbot. Die vertauschten Umschläge werden noch längere Zeit für Gesprächsstoff sorgen.

Die beiden Mitarbeiter von PricewaterhouseCoopers waren für die Übergabe der Umschläge, in denen sich die Namen der Oscar-Gewinner befanden, verantwortlich. Nachdem ein Umschlag versehentlich vertauscht wurde, bekamen Ruiz und Cullinan nun Show-Verbot bei den Oscars. AP

Martha Ruiz und Brian Cullinan

Die beiden Mitarbeiter von PricewaterhouseCoopers waren für die Übergabe der Umschläge, in denen sich die Namen der Oscar-Gewinner befanden, verantwortlich. Nachdem ein Umschlag versehentlich vertauscht wurde, bekamen Ruiz und Cullinan nun Show-Verbot bei den Oscars.

Los AngelesDie Umschlags-Panne bei der Oscar-Gala hat für die verantwortlichen Mitarbeiter Folgen. Die beiden Angestellten der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die auf der Oscar-Bühne die Umschläge mit dem Gewinnernamen austeilten, werden bei zukünftigen Shows nicht mehr dabei sein. Diese Entscheidung der Film-Akademie bestätigte am Mittwoch eine Academy-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Die langjährigen PwC-Mitarbeiter Brian Cullinan und Martha Ruiz waren am Sonntag Backstage für die Übergabe der Umschläge, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken, verantwortlich. Die Hollywood-Legenden Warren Beatty (79) und Faye Dunaway (76) hatten den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten zum Show-Ende daher zunächst auch den falschen Gewinner in der Königskategorie „Bester Film“. Das Team von „La La Land“ hielt schon Dankesreden auf der Bühne, als die Verwechslung bekannt wurde und schließlich „Moonlight“ den Preis erhielt.

PricewaterhouseCoopers: PwC-Team nicht schnell genug bei Oscar-Panne

PricewaterhouseCoopers

PwC-Team nicht schnell genug bei Oscar-Panne

Der Schock nach dem wohl größten Patzer in der Geschichte der Oscar-Verleihung sitzt noch tief: Das zuständige Unternehmen PwC übernimmt die volle Verantwortung und versucht sich an einer Erklärung.

Cullinan hatte dem Laudator Beatty versehentlich den Ersatzumschlag mit dem Namen der besten Hauptdarstellerin aus „La La Land“, Emma Stone, in die Hand gedrückt. Wenige Minuten vor dem historischen Fauxpas hatte Cullinan noch ein Foto von Stone nach ihrem Oscar-Sieg getwittert. US-Medien spekulierten, dass der Prüfer dadurch möglicherweise abgelenkt war.

PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich für die Panne und räumte ein, dass die Mitarbeiter auf der Bühne ihren Fehler nicht schnell genug korrigiert hätten. Die Firma ist seit mehr als 80 Jahren für die geheime Auszählung der Oscar-Gewinner verantwortlich. Am Ende kennen nur zwei Mitarbeiter vorab den Ausgang der Wahl. Die streng gehüteten Ergebnisse in 24 Kategorien werden in versiegelten Umschlägen in zwei separaten Koffern direkt zur Preis-Gala gebracht.

Protokoll einer beispiellosen Oscar-Panne

Hochspannung

Die 89. Oscar-Verleihung neigt sich dem Ende zu, nun steht mit der Bekanntgabe in der Königskategorie Bester Film der Höhepunkt des Galaabends an. Auf der Bühne des Dolby Theatre in Los Angeles schicken sich die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway an, den Sieger auszurufen. Beatty öffnet den roten Umschlag und wirft einen Blick auf die darin verborgene Karte. Dann guckt er wieder. Und noch mal – offensichtlich auf der Suche nach einer ganz anderen Information.

Warren Beatty

BEATTY: „Der Academy Award ...“
Er stockt, schaut nochmals in den Umschlag.
BEATTY: „Für den besten Film ...“
Er stockt erneut und schaut unsicher hinter die Kulissen, reicht den Umschlag dann an Dunaway weiter, die ihrerseits einen kurzen Blick hineinwirft.

Faye Dunaway

DUNAWAY: „La La Land.“
Das Publikum spendet Applaus. Das Ensemble, die Filmcrew und die Produzenten von „La La Land“ reihen sich auf der Bühne auf, um den Preis entgegenzunehmen, den viele dem Musical vorausgesagt hatten. Die Produzenten Jordan Horowitz und Marc Platt schwingen wortreiche Dankesreden, doch schon während Platt redet, macht sich das Gefühl breit, das da etwas nicht stimmt.

Ein Mann mit Kopfhörern

Unter den hinter ihm stehenden Leuten kommt Unruhe auf, als ein Mann mit Kopfhörern erscheint und die roten Umschläge in den Händen der Produzenten prüft.
Der dritte Produzent Fred Berger tritt nun ans Mikrofon, spricht noch kurz, ehe er das Durcheinander hinter ihm bemerkt.
BERGER: „Wir haben übrigens verloren.“

Durcheinander

HOROWITZ: „Da gibt es einen Fehler. 'Moonlight', ihr habt den besten Film gewonnen. Das ist kein Witz.“
PLATT: „Das ist kein Witz. Ich befürchte, die haben das falsche Ding vorgelesen.“
HOROWITZ: „Das ist kein Witz. 'Moonlight' hat den besten Film gewonnen.“
Horowitz schnappt sich von Beatty eine Karte und hält sie hoch. Die Kamera zoomt heran, sodass die Worte sichtbar werden: „Moonlight“ ist tatsächlich als bester Film ausgezeichnet worden.

Schon wieder eine Panne

Moderator Jimmy Kimmel geht ans Mikrofon und spielt auf Steve Harvey an, der beim Schönheitswettbewerb Miss Universe 2015 die Falsche als Siegerin verkündete. Damit ist Harvey nun vermutlich der unrühmliche Titel der zweitpeinlichsten Panne bei einer Preisverleihung sicher.
KIMMEL: „Leute. Was da passiert ist, ist sehr unglücklich. Ich gebe persönlich Steve Harvey die Schuld dafür.“

Schnelle Reaktion

Kimmel schaut „La La Land“-Produzent Horowitz an.
KIMMEL: „Ich hätte gern, dass Sie trotzdem einen Oscar bekommen. Warum können wir nicht einfach einen ganzen Haufen davon vergeben?“
HOROWITZ: „Mir wird es eine große Ehre sein, das an meine Freunde bei 'Moonlight' zu übergeben.“
KIMMEL: „Das ist nett von Ihnen.“

Erklärungsversuche

Beatty geht ans Mikrofon.
BEATTY: „Hallo? Hallo?“
KIMMEL: „Warren, was haben Sie getan?“
BEATTY: „Ich will Ihnen sagen, was passiert ist. Ich öffnete den Umschlag und da stand 'Emma Stone, La La Land.' Deshalb schaute ich Faye und Sie solange sein. Das war kein Versuch, witzig zu sein.“

Volle Bühne

Inzwischen haben sich die Besetzung und die Filmcrew von „Moonlight“ auf der Bühne eingefunden, die Akteure von „La La Land“ haben sich verdrückt. Die Kamera schwenkt auf verdutzt dreinblickende Zuschauer im Publikum. Matt Damon pfeift. „Moonlight“-Schöpfer Barry Jenkins geht ans Mikro.
JENKINS: „Ganz klar, in meinen Träumen könnte das nicht wahr sein. Aber zur Hölle mit Träumen, ich bin damit durch, denn das ist wahr. Ach du meine Güte.“
Jenkins beendet seine Rede.

Schlusswort des Moderators

KIMMEL: „Nun, ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Ich gebe mir die Schuld ... Es ist nur eine Awards-Show ... Ich wusste, dass ich diese Show vermasseln würde. Ich hab es echt getan ... Ich verspreche, ich komme nie wieder zurück.“

Von

dpa

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