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30.09.2011

00:00 Uhr

Phillips de Pury

Studiokeramik wird teuer

VonMatthias Thibaut

Seit einigen Jahren ziehen die Preise für britische Meisterkeramik an. Die Sammler sitzen auch in Deutschland. Hans Copers Wandarbeit avancierte zur teuersten Keramik des 20. Jahrhunderts.

Sechs Teller im Set von Hans Coper und Lucie Rie. Phillips de Pury

Sechs Teller im Set von Hans Coper und Lucie Rie.

LondonSie fühle sich beim Töpfern wie der liebe Gott, schwärmte die in Wien geborene Lucie Rie über ihre Arbeit. Sie übte sie bis ins höchste Alter aus. Die Töpferin starb mit 93 in ihrem Wohnstudio in Pimlico in London. Sammler, die kaufen wollen, kommen noch an die begehrte Keramik. Nicht alle sind so edel wie die Sgraffito-Schale mit dem Kratzmuster, die Phillips de Pury im Juni 2010 in New York für den Rekordpreis von 75 000 Dollar versteigerte - bei einer Schätzung von nur 14 000 Dollar.

Als Phillips de Pury in London am 27. September eine der erlesensten Sammlungen mit ihren Stücken auf den Markt brachte, verdoppelten sich wieder viele Schätzungen. Eine 50 Zentimeter große Monumentalvase, eines ihrer größten Werke überhaupt, wurde mit 34 850 Pfund (39 900 Euro) teuerstes Los. „Lucies Markt ist schon sehr lange sehr stark“, fasst Experte Ben Williams zusammen. „Wir hatten Bieter aus Russland, Japan, Nord- und Südamerika, der Schweiz und Frankreich, und, ja, auch in Deutschland werden Lucie Rie und Hans Coper stark gesammelt.“

Hans Coper, Lucies Freund und Kollege, war 1939 aus Chemnitz nach England geflohen. Als er 1946 als Assistent bei Lucie Rie anfing, hatte er vom Töpfern wenig Ahnung, begann aber bald seine eigene Karriere. Er arbeitete langsam. Anders als Rie zerschlug er mit dem Hammer, was seinem Standard nicht entsprach. Mitte der 1970er-Jahre erkrankte Coper und konnte zuletzt nur noch kleine, sparsam geformte Stücke machen. Diese extrem stilisierten „Cycladic Pieces“ der Spätphase gehören zu seinen gesuchtesten Werken. Nun brachte eines dieser späten Stücke bei Phillips 63 650 Pfund. Copers Markt ist anders als der von Rie: "Hier besteht die Gefahr, dass der Nachschub austrocknet, und wenn Stücke nicht sichtbar sind, gibt es keinen richtigen Markt", räumt Williams ein.

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