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11.01.2013

14:30 Uhr

Phillips de Pury

Überraschender Abgang eines Charismatikers

VonBarbara Kutscher , Barbara Kutscher

Chairman und Chefauktionator Simon de Pury hat das Auktionshaus Phillips de Pury zusammen mit seiner Frau verlassen. Einen Nachfolger zu finden, ist nicht leicht.

Simon de Pury: Wurde der Chefauktionator hinausgedrängt? Felix Clay /eyevine

Simon de Pury: Wurde der Chefauktionator hinausgedrängt?

New YorkKurz vor Weihnachten schieden Minderheitsgesellschafter Simon de Pury (61), der die Firma zwölf Jahre lang als Chairman leitete, und seine Frau Dr. Michaela de Pury, Senior Director, ganz überraschend aus. Beide wollen sich ungenannten neuen Aufgaben widmen. De Pury verkaufte seine Anteile an die russische Mercury Group, die seit Oktober 2008 den Mehrheitsanteil hält. Aber Insidern zufolge kam sein Ausscheiden nicht freiwillig. De Pury sei hinausgedrängt worden, weil er das ihm gesetzte Umsatzziel nach drei Jahren nicht erreicht habe, so stand im Boulevardblatt "New York Post" zu lesen. Eine Sprecherin des Hauses dementierte. Auch Michael McGinnis, langjähriger Abteilungsleiter für zeitgenössische Kunst und seit Oktober 2012 neuer CEO von Phillips, betonte im "New York Oberserver" eine einvernehmliche Trennung. Michaela de Pury betont, dass sie beide schon länger Ausstiegsgedanken gehabt hätten. "Aber von nicht erreichten Umsatzzielen kann nicht die Rede sein. Als CEO hat man 'targets', nicht als Chiarman."

Das Auktionshaus hat eine bewegte Geschichte. Phillips wurde vor fast 200 Jahren in England gegründet. Als der französische Milliardär Bernard Arnault ein eigenes Auktionshaus begehrte, verleibte er es 1999 seinem Luxuskonzern LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton ein. Nur die profitabelsten Bereiche wie Impressionisten, Moderne, Zeitgenossen, Schmuck und antike Möbel sollten vermittelt werden. Arnault investierte Millionen in die Erhöhung von Marktanteilen, finanzierte großzügige Garantien, kaufte manchmal gleich ganze Sammlungen an.

Der charismatische Schweizer de Pury, eine schillernde Persönlichkeit des internationalen Kunstjetsets, sollte sie als Versteigerer an den Mann bringen. Aber schon nach knapp zwei sehr kostspieligen und nicht sehr erfolgreichen Jahren zog sich LVMH Anfang 2002 zurück. Im Jahr zuvor war Phillips noch mit der in Genf ansässigen, exklusiven Kunstberatung de Pury & Luxembourg zum Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg fusioniert worden. Auch Daniella Luxembourg schied 2004 aus, das Haus hieß für die nächsten acht Jahre Phillips de Pury & Co. Eine Neustrukturierung brachte den Umzug von der eleganten 57. Straße in den damals preiswerteren Galeriendistrikt Chelsea und einen neuen Fokus auf zeitgenössische Kunst, Fotos, Design und vor allem junge Sammler mit sich. Die stets dünne Kapitaldecke war kein Geheimnis. Im Oktober 2008 deutete sich die Rettung an, als de Pury einen Mehrheitsanteil an die russische Mercury Group verkaufte. Die Moskauer Investoren übernahmen auch Schulden in mehrstelliger Millionenhöhe. Zwei Jahre später konnte man wieder repräsentative Räume an der Park Avenue beziehen.

Heute ist Phillips, allerdings weit abgeschlagen, drittgrößtes Auktionshaus der Welt. Konkrete Zahlen sind nicht zu erfahren, außer: "Wir sahen stetes jährliches Wachstum und erwarten das auch für das neue Jahr." Die Firma ist weiterhin auf Expansionskurs: demnächst werden zusätzlich fast 2 000 Quadratmeter in der Park Avenue bezogen. Auch in London steht ein größerer Sitz in Mayfair bereit, den Mercury Group für 100 Millionen Pfund ankaufte. Aber es dürfte schwerfallen, einen Ersatz für den mehrsprachigen Showman Simon de Pury zu finden. Das gibt auch Phillips zu: "Simon ist da nicht leicht zu ersetzen. Wir werden uns Zeit nehmen, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Zuerst einmal werden wir auf hauseigene und auswärtige Auktionatoren zurückgreifen, mit denen wir schon eine lange Beziehung unterhalten."


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