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22.08.2014

16:47 Uhr

Photo Book Museum

Visitenkarte einer Leidenschaft

VonSigrid Nebelung

Schon früh entdeckten Verleger das bibliophile und ästhetische Potential der Fotografie. Viele dieser Editionen sind heute begehrte Sammlerstücke. Markus Schaden gründete jetzt das erste Fotobuch-Museum der Welt.

Markus Schaden zeigt, wie sehr die Geschichte der Fotografie und das Fotobuch miteinander verwoben sind. Foto: Damian Zimmermann/„PhotoBookMuseum“

Markus Schaden zeigt, wie sehr die Geschichte der Fotografie und das Fotobuch miteinander verwoben sind.

Foto: Damian Zimmermann/„PhotoBookMuseum“

KölnNoch nie wurden so viele Fotos gemacht wie heute. Dass die Flut der Aufnahmen aber kein Fluch ist, davon erzählt das „PhotoBookMuseum“ derzeit in der ehemaligen Kabel- und Drahtfabrik Carlswerk in Köln.

Es ist weltweit das erste Museum nur für künstlerische Fotobücher. Museumsgründer und Buchverleger Markus Schaden glaubt, dass Fotobücher wichtiger sind als Vintage-Prints in den Schubladen privater und öffentlicher Sammlungen. Die Fixierung auf den einzelnen Abzug bringe den Diskurs nicht weiter, so der Experte einer weltweiten Sammlerszene.

In seinem „PhotoBookMuseum“ sind große Holzkisten zu Bücher-Tischen umfunktioniert, auf denen neue Bände aus zahlreichen Verlagen zum Schmökern ausliegen. „Die Weiterentwicklung der letzten 10 Jahre war rasant“, bemerkt er.

Köln 5 Uhr 30

Die Entdeckungsreise zu 300 Fotobüchern neueren und jüngeren Datums beginnt im dunklen Untergrund der riesigen Halle mit einer Hommage an den Kölner Fotografen Chargesheimer. 1970, ein Jahr vor seinem Tod veröffentlichte er sein letzten und berühmtesten Band „KÖLN 5 Uhr 30“.

Scheinbar nüchtern dokumentarisch zeigen die Bilder seinen depressiven Blick auf die menschenleere Stadt und ihre Bausünden nach dem Krieg. Manche Schmuddelecke am Hauptbahnhof existiert noch heute. „KÖLN 5 Uhr 30“ ist seit Jahren vergriffen. Die Erben und das Kölner Museum Ludwig sollten sich endlich zu einer Neuauflage durchringen.

Die Innovativen

Zurück aus dem Untergrund der Industriehalle, betört der heute 42jährige, britische Fotograf Julian Germain mit seinen Bildern. Er reflektiert in sanften Farbtönen das Leben seiner Nachbarn und Freunde. „Mit jeder Minute, in der Du Dich ärgerst, verlierst Du 60 Sekunden des Glücks“ – so lautet seine Botschaft. Doch die Szenerien, die an die Wände der zahlreichen blauen Container gepinnt sind, handeln eher von irdischen Höllen und Begierden als vom Zustand des Glücklichseins.

Wie sehr die Geschichte der Fotografie und das Fotobuch miteinander verwoben sind, dokumentiert Markus Schaden am Beispiel des Japaners Daido Moriyama. Auf einer scheinbar endlos langen Wand zeigt Schaden sämtliche Publikationen mit Werken des innovativen Künstlers im Kontext zu Autoren, die Moriyama beeinflusst haben.

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