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28.01.2011

16:59 Uhr

Pia Fries

Farbe: gegossen, geschüttelt, gespachtelt, gekämmt, abgetragen

VonJohannes Wendland

Verschiedene Sinne spricht die farbsatte Malerei von Pia Fries an. Ihre abstrakten Farbstrukturen treten plastisch hervor vom weißen Untergrund. In den verschiedenen Serien reagiert die Malerin sehr frei auf den berühmten "Fahnenschwinger" von Hendrik Goltzius, einen Kupferstich aus der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe. Fries bildet nicht ab, sie übernimmt nur den Schwung des Stoffs.

"weisswirt g" ist ein Ölgemälde mit Siebdruck auf Holz von Pia Fries. (Ausschnitt; Pia Fries/Hans Brändli (Foto), VG Bildkunst). Hans Brändli/VG Bildkunst

"weisswirt g" ist ein Ölgemälde mit Siebdruck auf Holz von Pia Fries. (Ausschnitt; Pia Fries/Hans Brändli (Foto), VG Bildkunst).

KARLSRUHE. Pia Fries war schon auf dem Weg zur Bildhauerin, als sie sich dann doch für die Malerei entschied. Einige Jahre lang hat die 1955 in der Schweiz geborene und heute in Düsseldorf und Berlin lebende Künstlerin an der Luzerner Kunsthochschule Bildhauerei studiert - und das hat Spuren hinterlassen. Die Farbe auf den zum Teil großformatigen Bildern von Pia Fries erscheint satt und glänzend. Wie ein Relief wirken häufig die farbigen Schlieren, die in dicken Schichten aufgetragene Farbe bildet Täler und Furchen, die durchkämmt, durchbrochen, übermalt und überlagert werden. Verdünnte Farbe ist zerflossen, manchmal sieht man, dass sie einfach aufgegossen wurde und Blasen gebildet hat. Doch nie herrscht auf diesen abstrakten Bilder bedrängende Überfülle. Kein Horror vacui, sondern immer sind großen Weißflächen zu sehen, aus denen die Farbstrukturen plastisch hervorzutreten scheinen.

Einblick ins Werk

In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ist jetzt unter dem Phantasie anregenden Titel "Krapprhizom Luisenkupfer" eine umfangreiche Werkschau mit großen und kleineren Bildern von Pia Fries zu sehen. Es sind äußerst haptische Bilder, die den Besucher beinahe dazu verführen, sie wie Skulpturen zu berühren. Bilder, die hart bearbeitet wurden, bei denen die Farbe aufgegossen, geschüttet, gespachtelt, gekämmt und teilweise auch wieder abgetragen wurde. Der Untergrund der großformatigen Bilder ist auch nicht die klassische Leinwand, sondern Holz, auf den weiße Kreide als Malgrund aufgebracht wurde.

Reiz der Serie

Und wie eine Bildhauerin scheint die Malerin Pia Fries lange nach der idealen Form für eine Idee zu suchen - was dazu führt, dass sie Motive über längere Zeiträume in Werkreihen mal stärker, mal weniger stark variiert. So etwa in der wunderschönen Serie "Merians Surinam", an der sie von 2003 bis 2009 immer wieder gearbeitet hat. Es sind kleinere Arbeiten auf Papier, für die Seiten aus einem Buch mit Aquarellen der frühen Naturforscherin und Reisenden Maria Sybilla Merian (1647-1717) den Anstoß gaben. Pia Fries hat die Seiten in mehrere Teile zerrissen und auf den Untergrund geklebt. Mit klaren, sehr genau gestalteten Farbstrukturen, die sich auf die von Merian dargestellten exotischen Pflanzen und Tiere beziehen, füllt sie die Flächen zwischen den zerrissenen Blättern und fügt die Seiten so völlig neu zusammen. Dabei geht sie immer großzügig mit der Fläche des Papiers um, lässt weite Bereiche unbearbeitet, so dass die Bilder atmen können.

Siebdruck und Malerei

Immer wieder verwendet Pia Fries Vorlagen, die die Grundlage für ihre Bilder liefern, etwa Siebdrucke und Fotoreproduktionen von Kunstwerken. Auf den drei Serien "Bolted", "Tisch" und "Kassette" ist es immer wieder der Siebdruck eines schlichten Stapels Platten zu entdecken. Manchmal rabiat, manchmal zart, aber auf jeden Fall sehr entschieden hat Pia Fries diese recht abstrakte Vorlage übermalt, ergänzt, umgeben. Zu sehen ist, wie sich die Künstlerin am Material Farbe regelrecht abarbeitet.

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