Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2015

15:39 Uhr

Picasso für 180 Millionen Dollar

Weltrekord bei Kunstauktion in New York

Bei einer Auktion in New York hat ein Kunstliebhaber für knapp 180 Millionen Dollar das Picasso-Gemälde „Les femmes d'Alger“ erstanden. Das ist neuer Weltrekord – nicht der einzige, der bei der Auktion aufgestellt wurde.

180 Millionen Dollar

Rekordpreis für Picasso-Gemälde

180 Millionen Dollar: Rekordpreis für Picasso-Gemälde

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New YorkKurz vor dem entscheidenden Moment trinkt Jussi Pylkkanen noch schnell einen Schluck Wasser. Hinter dem Auktionator und Chef des Auktionshauses Christie's wird währenddessen Programmposten 8A hereingetragen, Pablo Picassos „Les femmes d'Alger“. „Ein wunderbares Gemälde“, sagt der weißhaarige Mann in schwarzem Anzug, lilafarbener Krawatte und weißem Einstecktuch. „Wir beginnen bei 100 Millionen Dollar.“ Viele Zuschauer im Auktionssaal in New York halten die Luft an und umklammern ihre Programmhefte ein wenig fester. Knapp zwölf Minuten und einen spektakulären Bieter-Wettstreit später lässt Pylkkanen den Hammer fallen: 160 Millionen plus Kaufprämie macht insgesamt 179,4 Millionen Dollar. Weltrekord.

Mehr als 30 Gebote sind für das 1955 erstellte Ölgemälde des spanischen Malergenies Picasso (1881-1973) abgegeben worden. Den Zuschlag bekommt in der Nacht zum Dienstag schließlich ein Telefonbieter, für den Christie's-Manager Brett Gorvy im Saal am Hörer die Hand gehoben hatte. Wer da gerade unvorstellbare knapp 180 Millionen Dollar (etwa 160 Millionen Euro) für ein etwa ein mal anderthalb Meter großes knallbuntes Bild mit mindestens vier barbusigen Frauen darauf ausgegeben hat, bleibt zunächst unklar. Sicher ist nur: Wer auch immer es war, er besitzt jetzt das bislang teuerste je bei einer Auktion versteigerte Bild. Der 2013 vom Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“ von Francis Bacon aufgestellte Rekord ist gebrochen.

Das Publikum klatscht, aber Auktionator Pylkkanen macht scheinbar unbeeindruckt weiter. 27 Werke sind bei der Auftaktversteigerung der New Yorker Frühjahrsauktionen noch übrig und es stehen noch weitere Highlights auf dem Programm. Als Pylkkanen nach einer guten Stunde die Veranstaltung mit einem „Danke, meine Damen und Herren“ beendet, liegt eine wahrhaft historische Auktion hinter ihm: Neben dem Rekord für das teuerste Bild der Welt ist auch noch der für die teuerste Skulptur gefallen. Alberto Giacomettis „Zeigender Mann“ erzielt inklusive Kaufprämie rund 141,3 Millionen Dollar - und damit rund 35 Millionen Dollar mehr als die bislang teuerste Plastik, Giacomettis „Schreitender Mann“. Auch für weitere acht Künstler sind Auktionsrekorde aufgestellt worden. Insgesamt hat das Auktionshaus innerhalb von einer guten Stunde rund 706 Millionen Dollar umgesetzt.

Auf der Straße vor dem Auktionssaal direkt gegenüber vom Rockefeller Center parken zahlreiche Luxusautos, aber nur wenige Werke werden von Auktionsteilnehmern im Saal gekauft. Die meisten gehen an Telefonbieter, deren Identität nicht verraten wird.

Was Sie zum Kunstkauf im Netz wissen sollten

Erstkäufer

Ca. 25 Prozent der 20- bis 30-Jährigen kauften Kunst online, ohne je vorher in einer Galerie gekauft zu haben.

Käufer

90 Prozent der Onlinekäufer erwarben bereits früher in einer Galerie oder einem Auktionshaus Kunst.

Kauf ohne Bedenken

40 Prozent haben bereits Kunst online gekauft, ohne sie vorher persönlich zu begutachten.

Mangelnde Vertrauenswürdigkeit

62 Prozent hält die mangelnde Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers vom Onlinekauf ab.

Beliebter Onlinekauf

39 Prozent finden den Onlinekauf von Kunst weniger einschüchternd als den Besuch von Auktionshäusern oder Galerien.

Teure Kunst

21,4 Prozent haben bisher mehr als 60.000 Euro investiert.

Gemälde oder Kunstdruck

61 Prozent der Onlinekäufer von Kunst haben Gemälde erworben, 55 Prozent einen Kunstdruck.

Echtheitszertifikat

83 Prozent würden ein obligatorisches Echtheitszertifikat (COA) von Kunst- und Sammelobjekten beim Onlinekauf begrüßen.

Globaler Onlinekunstmarkt 2013

Der Onlinekunstmarkt erreichte 2013 einen Marktvolumen von knapp 1,14 Milliarden Euro.

Onlinekunstmarkt bis 2018

Bis 2018 wird ein anhaltendes Wachstum von 20 Prozent im Onlinebereich auf dann ca. 2,72 Milliarden Euro prognostiziert.

Quelle: Hiscox Online Art Trade Report 2014

Der Weltkunstmarkt erlebt derzeit mehreren Studien zufolge ein Allzeithoch. Noch nie wurden mit Kunst so große Umsätze gemacht. Manche Experten halten diese Entwicklung mittlerweile für übertrieben. So warnte der Autor des „Manager Magazin Kunstindex“, Roman Kräussl, vor einer „Spekulationsmanie“, auf die ein Crash folgen könne.

Allerdings beziehen sich solche Warnungen in erster Linie auf den Handel mit zeitgenössischer Kunst. Ein anerkanntes Schlüsselwerk der Kunstgeschichte wie „Les femmes d'Alger“ kommt nur äußerst selten auf den Markt. „Der Wert ist einfach da“, hatte auch Christie's-Experte Loic Gouzer schon vor der von ihm organisierten Auktion gesagt. „Es gibt so viele Sammler da draußen, die nach dem Besten vom Besten suchen. Und es gibt viel weniger Werke von solcher Qualität noch im Privatbesitz, als es Sammler gibt.“

Die Preise werden weiter klettern, ist sich auch Christie's-Chef Pylkkanen sicher. „Wir sind in eine neue Ära des Marktes eingetreten, in der Sammler aus der ganzen Welt um das Beste aller Kategorien wetteifern, was zu nie dagewesenen Rekordpreisen führt.“


Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×