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28.12.2015

09:35 Uhr

Pierre Bergé

Bietkampf um Kafkas "Prozess"

VonOlga Grimm-Weissert

Der erste Teil von Pierre Bergés Bibliothek ist in Paris für fast zwölf Millionen Euro versteigert worden. Damit behaupten sich die französischen Buchauktionen als Marktführer Europas. Das zeigt auch ein vergleichender Blick auf die Umsätze deutscher Häuser.

Die Nationalbibliothek in Jerusalem begrüßte die abschließende Gerichtsentscheidung. Nach einem langen Rechtsstreit erhält sie wertvolle Briefe des Schriftstellers Franz Kafka.

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Die Nationalbibliothek in Jerusalem begrüßte die abschließende Gerichtsentscheidung. Nach einem langen Rechtsstreit erhält sie wertvolle Briefe des Schriftstellers Franz Kafka.

ParisParis ist und bleibt die internationale Hochburg für hochwertige antiquarische Bücher. Das zeigte jüngst wieder die Versteigerung der Privatbibliothek des Managers und Lebenspartners von Yves Saint Laurent, Pierre Bergé. 11,7 Millionen Euro wurden im Hôtel Drouot am Nachmittag des 11. Dezembers 2015 eingenommen, als der erste Teil des 85-Jährigen unter den Hammer kam. Dies entspricht in etwa drei bis vier Jahresumsätzen deutscher Buchversteigerer.

Das perfekte Exemplar

„Eine historische Sammlung, die den Platz Paris im Rahmen des weltweiten Handels stärkt“, kommentierte das Hôtel Drouot. Die Bibliophilie sei eine herausragende Spezialität des Hauses. Dieser Ansicht war auch der belesene Sammler Bergé, der sein eigenes Auktionshaus Pierre Bergé & Associés in Zusammenarbeit mit Sotheby's Paris mit der Versteigerung im Drouot beauftragt hatte.

Bruce Weber fotografierte den Bücherliebhaber Pierre Bergé. Quelle: Pierre Bergé & Associés

Zählt zur Spezies der leidenschaftlichen Sammler

Bruce Weber fotografierte den Bücherliebhaber Pierre Bergé. Quelle: Pierre Bergé & Associés

Die Vizepräsidentin von Sotheby's und Antiquariats-Spezialistin Anne Heilbronn charakterisiert Bergés insgesamt 1600 Bände umfassende Bibliothek als „exzeptionelle Sammlung. Sie spiegelt die echte Leidenschaft eines der größten Bibliophilen unserer Zeit wieder, dem Provenienzen und perfekte Exemplare wichtig sind“.

Vorbesichtung rund um den Globus

Für die erste – von sieben geplanten – Auktionen lag ein 188 Lose umfassender, schwerer Katalog vor, den drei Pariser Händler-Experten erarbeiteten. Sie begleiteten auch eine Buchauswahl in mehrere Städte der Welt (Monaco, New York, Hongkong, London), um internationale Sammler auf die Versteigerung aufmerksam zu machen. Die Rechnung ging auf, denn Käufer aus 15 Ländern beteiligten sich an den Bietgefechten.

Was das internationale Marketing betrifft, gelang es Pierre Bergé bereits im Jahre 2009 mit der „Jahrhundertauktion“ von seiner und Yves Saint Laurents Sammlung mit Gemälden, Möbel und Kunsthandwerk mit Christie's Paris mehr als 380 Millionen Euro umzusetzen. Der ehrgeizige Geschäftsmann tat alles, um sein Renommee als einer der drei wichtigsten europäischen Bibliophilen unter Beweis zu stellen.

Haltung der deutschen Versteigerer

Die deutschen Antiquariats-Auktionshäuser Reiss & Sohn, Hartung & Hartung, Venator & Hanstein, Ketterer oder Hauswedell & Nolte können da nicht mithalten. Nur wenige waren bereit, uns überhaupt Angaben zu ihren Jahresumsätzen mitzuteilen, die 2015 günstigstenfalls um 4 Millionen Euro lagen.

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