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28.04.2014

16:53 Uhr

Piet Mondrian

Entfernung aus der Gegenständlichkeit

VonFrank Kurzhals

Piet Mondrians minimalistische Gitterbilder werden auch auf dem Kunstmarkt enthusiastisch gefeiert. Für seinen langwierigen Weg zur Abstraktion interessieren sich dagegen viel weniger Menschen. Wer sein Bild über den niederländischen Maler vervollständigen will, kann dies noch in Hamburg oder anschließend im britischen Margate tun.

Ausschnitt aus Piet Mondrians Gemälde "Zeeuwsche Kerktoren" (Kirchturm in Zeeland) (1911), das im Gemeentemuseum Den Haag aufbewahrt wird. 2014 Mondrian / Holtzman Trust c/o HCR International USA

Ausschnitt aus Piet Mondrians Gemälde "Zeeuwsche Kerktoren" (Kirchturm in Zeeland) (1911), das im Gemeentemuseum Den Haag aufbewahrt wird.

Als der Modeschöpfer Yves Saint Laurent (YSL) in den 1950er-Jahren auf die Idee kam, Mode und bildende Kunst miteinander zu verschmelzen, nahm er sich als erstes das Werk des Holländers Piet Mondrian vor. Mondrians Gittermuster-Bilder samt ihrer Primärfarbflächen wurden bei YSL zum dekorativen Stoffmuster seiner Kleiderentwürfe. Spätestens seit der Zeit war Mondrian nicht nur in der Welt der Künste, sondern auch in der Welt der Mode bekannt. Die Begeisterung für sein  Werk  stieg, ein vertieftes Verständnis dafür baute sich allerdings nicht auf.

Wie der schwierige und windungsreiche Weg zur Abstraktion bei Mondrian aussah, bevor sein Werk überhaupt zum Muster für Modeschöpfer werden konnte, zeigt jetzt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Die Ausstellung ist mit 51 Arbeiten bestückt und präsentiert auf zwei Ebenen die beiden großen Werkphasen des Meisters der Abstraktion, der 1872 in Amersfoort bei Utrecht geboren wurde und im Exil in New York 1944 starb. Das obere Stockwerk, gewissermaßen als der Olymp seiner Kunst, ist dabei dem am höchsten geschätzten Teil seines Werkes vorbehalten, den geometrischen Abstraktionen.

„Ich gab die natürliche Farbe auf“

Im unteren Stockwerk der Ausstellung soll der Besucher jedoch zuerst Mondrians künstlerischen Anfängen nachgehen. Hier ist sehr schön zu sehen, wie er sich und sein Können ausprobiert, wie er zwischen den Traditionslinien der naturalistischen Malerei und dem beginnendem Expressionismus, zwischen alten und neuen anthroposophischen Lehren und den Erkenntnissen der Naturwissenschaft auf malerische Suche geht. Es ist ein mäandernder Weg. Immer wieder sind es Landschaftsmotive, an denen sich der Künstler versucht. Goethes Farbenlehre fasziniert ihn ab 1908 zunehmend. Und weil nach Goethe die Farben Rot und Blau die beiden reinen Farben sind, die auch für Licht und Dunkelheit stehen, dominieren in Mondrians Malerei in dieser Zeit Rot und Blau.

Ein Jahr später – Mondrian ist jetzt der theosophischen Gesellschaft in Amsterdam beigetreten – sagt er in einem knappen Rückblick: „Das erste, was ich in meiner Malerei ändern musste, war die Farbe. Ich gab die natürliche Farbe auf zugunsten einer reinen Farbe.“ In dieser Zeit beginnt der Künstler auch, sich zunehmend von der gegenständlichen Malerei zu entfernen. Als er schließlich 1912 in Paris den Kubismus kennen lernt, steht er kurz vor seinem Ziel, der geometrischen Abstraktion. Bilder ohne perspektivische Räumlichkeit, mit fein austarierten Linienstrukturen, auf Primärfarben konzentriert und von beeindruckender Zeitlosigkeit entstehen. Sie sind, im Gegensatz zu den meisten Arbeiten der Kubisten, ohne eine sinnlich fassbare oder sichtbare Bedeutung. Ansichten aus Theosophie und Goethes Farbenlehre schimmern weiter durch.

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