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11.06.2014

12:53 Uhr

Plattenbau-Prinzessin

Cindy aus Mahrzahn am Broadway

Aus Cindy aus Marzahn wird „Cindy out Marzahn“: Auf „Denglisch“ witzelt die Plattenbau-Prinzessin am New Yorker Broadway über sich selbst und die Zuschauer - und lästert über die Amerikaner.

Cindy aus Marzahn versucht ihr Glück nun in New York. dpa

Cindy aus Marzahn versucht ihr Glück nun in New York.

New YorkBesonders schick gemacht hat sich Cindy aus Marzahn für ihren großen Abend nicht. Wie gewohnt trägt die Komikerin rosafarbenen Schlabber-Jogginganzug, Turnschuhe und grellpinken Lidschatten und Lippenstift im Gesicht. Aber neben der ebenfalls pinkfarbenen Blume thront in ihrem Haar dann doch dem Anlass entsprechend die Krone der Freiheitsstatue aus Schaumstoff. Die Plattenbau-Prinzessin aus Berlin hat es an den renommierten Broadway in New York geschafft. Cindy aus Marzahn ist, so steht es auf einem Plakat, zu „Cindy out Marzahn“ geworden.

Berühmte Comedians wie Jay Leno und Billy Crystal hätten schon auf der Bühne des Stand-up-Club Carolines gestanden, verkündet ein Sprecher am Dienstagabend betont bedeutungsschwer durch die Lautsprecher. „Sie ist den ganzen Weg aus Deutschland hier her gekommen, bitte heißen Sie jetzt die wunderschöne Prinzessin des Plattenbaus willkommen: Cindy out Marzahn.“ Auf Englisch klingt das allerdings eher wie „Cindy out Mahrsahn“. Die rund 200 Zuschauer in dem Kellerclub nahe dem Times Square klatschen und jubeln, als sich Cindy daraufhin in ihrer ganzen prallen pinken Erscheinung durch die Tische und Stühle auf die Bühne zwängt. Einige Frauen in den ersten Reihen haben pinkfarbene Plastik-Diademe in den Haaren. „Auf Cindy“ wird an den Tischen geprostet. „Sänk ju, sänk ju, sänk ju.“

Die 42-jährige Komikerin, die mit bürgerlichem Namen Ilka Bessin heißt und vor rund 15 Jahren die Kunstfigur einer übergewichtigen Langzeitarbeitslosen erfand, ist zum allerersten Mal überhaupt in den USA. Ein Porträt in der „New York Times“ vor rund anderthalb Jahren, das Cindy als deutsches Comedy-Phänomen feierte, war der Anstoß für die Reise. Erstes Interesse und Kontakte ergaben sich, das Goethe-Institut half nach und schließlich wurde ein Auftritt mit Cindys Show „Pink is bjutiful“ angekündigt.

Currywurst, Döner und Frikadellen, Cindys erklärte Lieblingsspeisen, sucht man im Carolines vergeblich. Anstelle dessen steht etwa ein „Big Apple Martini“ für 11 Dollar (rund 8 Euro), ein Krabbencocktail für 14 Dollar oder ein Steak für gleich 32 Dollar auf der Karte. Vor dem Club kleben rote Sticker mit der Aufschrift „sold out“ (ausverkauft) über den Plakaten für Cindys Show. Der Kellerraum ist dann auch tatsächlich komplett voll - allerdings hat nur ein Bruchteil der Zuschauer die knapp 40 Dollar pro Eintrittskarte auch wirklich bezahlt, die meisten haben Freikarten bekommen.

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