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20.01.2012

08:16 Uhr

Polnische Fotokunst

Ein Markt wächst aus dem Nichts

VonChristiane Fricke

Die Zahl der Fotosammler hält sich in Polen noch in Grenzen. Deshalb wird das Bildmaterial, das in die Auktionen gelangt, zur Hälfte von Künstlern selbst eingeliefert.

Pawel Pierscinski: "Ziemia", 1965/67, Fotografie (Izohelia). (Ausschnitt) Pierscinski/Rempex, Warschau

Pawel Pierscinski: "Ziemia", 1965/67, Fotografie (Izohelia). (Ausschnitt)

Warschau1989, im Jahr der Wende, veranstaltete das Kölner Auktionshaus Lempertz die erste Fotoauktion auf dem deutschen Kunstmarkt. Seither ist diesem Segment, in dem über einen langen Zeitraum fünf Versteigerer gleichzeitig mit neun Auktionsterminen jährlich mitmischten, viel Aufmerksamkeit zugewachsen – seinen relativ überschaubaren Umsatzzahlen zum Trotz. In Polen, wo sich ein Kunstmarkt erst seit 1989 entwickeln kann, gibt es jährlich bis zu zwei Fotoauktionen seit 2003. Eine davon bietet seit 2007 eine konzentrierte Auswahl des Besten, was die reiche polnische Fotogeschichte zu bieten hat.

Veranstaltet wird die Auktion „Fotografia Kolekcjonerska“ („Gesammelte Fotografie“) durch das Auktionshaus Rempex. Die jüngste Offerte vom 6. Dezember 2011 enthielt 84 Arbeiten, unter ihnen Daguerreotypien im ausgefallenen steilen Hochformat aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ein stark besetztes Feld mit „Klassikern“ aus der Zeit nach 1946 bis 1989 und Arbeiten jüngerer Generationen von Künstlern seit 1990. 40 Prozent der Lose konnten augenscheinlich zugeschlagen werden. Das Ergebnis lässt ahnen, dass das Sammelgebiet, dessen Tradition in Polen bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, noch Entwicklungspotential hat. Mit dem 2. Weltkrieg wurde diese Tradition gekappt. Ein Markt durfte sich nach dem Krieg nicht entwickeln. Lediglich die staatlich kontrollierte, inzwischen privatisierte „Desa“ war autorisiert, Kunst zu verkaufen; und was hier umgeschlagen wurde, war in der Hauptsache Malerei.

Es gibt tolle Initiativen, Künstler, gute Archive und Händler – Nur es fehlt an Sammlern“, fasst die mit polnischer Kunst handelnde Berliner Galeristin Monika Branicka die Lage zusammen. Ihre Zahl kann sie an den Fingern einer Hand abzählen. Da ist Cezary Pieczynski aus Poznań (Posen), Gründer der Galerie Piekary, die an diesem Wochenende eine Ausstellung mit dem vor allem für die 1950er-Jahre bedeutenden Fotografen Andrzey Pawłowski (1925-1986) eröffnet. In seiner Sammlung, die zuletzt im Museum Palast Wilanow ausgestellt wurde, findet sich die Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts ebenso wie die Avantgarde Polens nach 1940. Die Avantgarden des 20. Jahrhunderts sind auch der Schwerpunkt von Dariusz Bienkowski aus Lodz, der sich von dem Künstler Jozef Robakowski beraten lässt. Grazyna Kulczyk, die als größte Sammlerin von moderner und zeitgenössischer Kunst Polens gilt, hat auch viel aber nicht ausschließlich Fotokunst in ihrer Kollektion.

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