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14.03.2012

12:22 Uhr

Polnische Kunstauktionen

Unkonventionelle Geschäftsmodelle

VonChristiane Fricke

Das Rempex Auction House in Warschau hat sich als führender Versteigerer Polens etabliert. Mit Alter Kunst macht das Auktionshaus seine größten Gewinne. Immer wichtiger wird jedoch die polnische Klassische Moderne: Kunst der sechziger und siebziger Jahre. Raritäten kommen unter Ausschluss der Öffentlichkeit unter den Hammer.

Jacek Malczewski (1854-1929): Die Muse der Dichter. Teil eines Triptychons, 1912; Öl auf Karton. Schätzpreis 210.000 Zlotys; versteigert 2012 für 180.000 Zlotys. (Ausschnitt) Rempex, Warschau

Jacek Malczewski (1854-1929): Die Muse der Dichter. Teil eines Triptychons, 1912; Öl auf Karton. Schätzpreis 210.000 Zlotys; versteigert 2012 für 180.000 Zlotys. (Ausschnitt)

WarschauDie Geschichte des polnischen Auktionsmarktes beginnt nicht vor 1990, kurz nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“. Insgesamt acht Versteigerer haben sich in Polen seither etabliert; an ihrer Spitze Marek Lengiewicz mit dem Rempex Auction House in Warschau.

Rempex veranstaltet monatlich zwei Auktionen, davon eine mit zeitgenössischer und moderner Kunst und eine mit Antiquitäten und sog. „klassischer“ Kunst, unter der Lengiewicz die Alte Kunst versteht. Darüber hinaus versteigert Rempex ein bis zwei mal jährlich Fotografie und in unregelmäßigen Abständen Skulpturen und Silber.

Lengiewicz, der auch eigene Experten beschäftigt, schätzt, das monatlich 500 Objekte bei ihm unter den Hammer kommen. Mit einem Gesamtumsatz von rund 1 Million Zlotys oder umgerechnet 250.000 Euro monatlich ist Rempex das größte Haus auf dem polnischen Kunstmarkt. Die Aufschläge sowohl für den Einlieferer als auch für den Käufer halten sich in Grenzen. Zwischen 15 und 20 Prozent fallen auf der Seite des Einlieferers an, 15 Prozent auf der Seite des Käufers, Steuern inbegriffen. Auf der Internetseite www.artinof.pl können die Ergebnisse abgerufen werden.

Finanzkrise ohne große Auswirkungen

Mit der alten Kunst macht Lengiewicz den größten Umsatz. 20 bis 25 Prozent kommen von der Klassischen Moderne, mit der in Polen die Kunst der 50er- und 60er-Jahre gemeint ist. Dieses Segment hat sich in den letzten sechs Jahren zu einem wichtigen Geldbringer entwickelt. Die im deutsch- oder englischsprachigen Raum als Klassische Moderne bezeichnete Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts ist auf dem polnischen Markt nicht mehr greifbar. Die zeitgenössische Kunst ist mit nur zehn Prozent dabei. Für junge Künstler organisiert Rempex jedoch Sonderauktionen mit Material zu Schätzpreisen von nicht mehr als 500 Zlotys (125 Euro).

Die Finanzkrise 2008 tangierte dem polnischen Kunstmarkt weniger stark, da er in hohem Maße auf polnische Kunst ausgerichtet ist. Deshalb profitierte er sogar in der Krise. Ausländische Sammler lieferten die Werke polnischer Künstler damals gezielt in Polen ein, da sie hier viel höhere Preise für ihre Arbeiten erwarten durften.

Den höchsten je erzielten Preis erzielte Rempex mit einem Gemälde des Malers Władysław Ślewiński (1854-1918). Es befand sich als Leihgabe im National Museum von Warschau, als es 2005 für umgerechnet 1 Million Dollar den Besitzer wechselte.

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