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21.01.2005

08:21 Uhr

Porters Leben wurde erneut verfilmt

Ein Dandy als Komponist

VonInge Hufschlag (Handelsblatt)

Der Film „De-Lovely“ lässt das ausschweifende Leben des legendären Cole Porter Revue passieren.

Cole Porter

Cole Porter

Immer wenn Ron Budny den Song „After You, Who?“ hört, erinnert er sich schmerzlich an seine letzte Liebe. „Eigentlich mag ich ja ,Night and Day’ und ,I’ve Got You under My Skin’ von Cole Porter. Aber nachdem ich meine Frau verloren habe, geht mir ,After You, Who?’ unter die Haut.“

Geblieben ist dem 60-jährigen Innenarchitekten aus Indianapolis die Liebe zur Musik von Cole Porter, einem der größten amerikanischen Komponisten und Texter. Diese Liebe teilt Budny mit unzähligen Fans rund um den Globus. Jetzt, rund 40 Jahre nach Porters Tod, wird dessen Fan-Gemeinde wohl noch einmal wachsen. Denn Porters Leben wurde erneut verfilmt.

Mit einem Superaufgebot an bekannten Sängern und Schauspielern: Robbie Williams interpretiert im Frack und mit Pomade im Haar den Titelsong „It’s De-Lovely“. Ein Wort, das sich Porter ausgedacht hat, weil es in dem Lied vom Rhythmus her köstlich passte zu delightful und delicious. „Porter arbeitete ähnlich wie der Belgier Jacques Brel. Wörter und Musik bildeten eine Einheit“, sagt der amerikanische Komponist Danny Antonelli in Hamburg.

Diane Krall erfüllte sich eine ihrer Phantasien in einer kurzen Rolle für den Song „Just One of Those Things“; Natalie Cole verhilft „Ev’ry Time We Say Goodbye“ zu neuem Glanz. Dabei sind auch Sheryl Crow, Alanis Morissette, Elvis Costello. „Der Gott, an den ich glaube, wäre Tänzer und Sänger. Er sollte ein Lied singen, am besten eines von mir“, beschreibt Porter die Idealfigur eines Verehrers.

Im wahren Leben verkörperte der Dandy Porter selbst eine Art Gott in der Welt des Broadways und erst recht in dessen Halbwelt. Seine Lebensgeschichte ist so schillernd, dass sie einem Drehbuchschreiber kaum abgekauft worden wäre – und so wahr, wie es wahre Liebe geben kann, im Leben wie im Film.

Sie wird nicht zum ersten Mal verfilmt. „Night and Day“ hieß 1946 der erste Versuch nach Porters schmusigstem Lied. Cary Grant war der Titelheld. „Wenn ich diesen Film überlebe, überlebe ich alles“, lässt der Drehbuch-Schreiber den heutigen Porter-Darsteller Kevin Kline im Film über den Film sagen. Der erste Streifen war leicht zu überleben, klammerte er doch aus, was Cole Porter ausmacht: seine Homosexualität, die Zerrissenheit der Liebe dieses Mannes zwischen seiner Frau Linda Thomas, mit der er „die bestaussehendste geschiedene Frau von Paris“ erobert hatte, und den wechselnden Liebhabern. Das macht auch den speziellen Charme vieler seiner Lieder aus: Sind sie nun ihr oder ihm gewidmet? Von wegen „Easy to Love“.

Noch weniger leicht ist solch ein vielschichtiges Leben nachzuerzählen, ohne in gängige Klischees zu verfallen. Regisseur Irwin Winkler versucht es, indem er den alten, nach einem Reitunfall beinamputierten Porter auf sein Leben zurückschauen, es im Wortsinne Revue passieren lässt.

Diese Klammer klemmt aber leider. Zugegeben, Kevin Kline ist ziemlich smart in der Rolle. Aber auch zu schmallippig und linkisch für einen Tänzer zwischen Welten. Es fehlt die sekundenbruchteillange, kaum wahrnehmbare Verzögerung, wie Fred Astaire sie draufhatte, wenn er in den unvergessenen Revuefilmen der 30er- Jahre mit Ginger Rogers so hinreißend zu Porters Melodien tanzte.

Dagegen wirken die grell geschminkten Revueeinlagen in der Neuverfilmung wie das, was sie sind – nur nachgestellt. Ja doch, Kline gibt sich Mühe. Hat nicht nur neun Monate Klavier geübt, sondern auch die legendäre Szene, in der Fred Astaire auf der Stuhllehne stehend nach vorne in einen Tanzschritt kippt. Doch Mühe darf man nicht merken. Cole Porter zu spielen darf nicht Arbeit, es muss wie Spiel sein.

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