Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2014

16:12 Uhr

Porzellan und Skulpturen

Von Siechtum keine Rede

VonMatthias Thibaut

Seit zwei Jahren treten auf den Auktionen zunehmend russische und asiatische Käufer in Erscheinung. Sie stabilisieren die Nachfrage auch nach Meissen-Porzellan und Skulpturen. Nach wie vor erzielen jedoch nur die besten Lose hohe Preise.

Abenteuerliche Preiskarriere: Bronze-Aquamanile in Form eines Drachen, Norddeutschland (2. Hälfte 12. Jahrhundert, Ausschnitt). Quelle: Christie's Images Ltd. 2014

Abenteuerliche Preiskarriere: Bronze-Aquamanile in Form eines Drachen, Norddeutschland (2. Hälfte 12. Jahrhundert, Ausschnitt). Quelle: Christie's Images Ltd. 2014

LondonNicht nur Altmeistergemälde, auch alte Graphik, Bronzen, Holzplastik und Meissener Porzellan waren in der Londoner Altmeisterwoche im Aufwind. Die Nachfrage steigt, das Bieten wird beherzter, wenn auch nur auf die besten Lose, und die Preise sind, wenn man sie mit den Moderneauktionen in New York im November vergleicht, auch im obersten Bereich maßvoll und vernünftig, auch bei den Skulpturen. Und anders als die überteuerten Stars am Contemporary Markt hat die Alte Kunst ihren Wert als Werterhalter seit Jahrhunderten unter Beweis gestellt hat.

Dazu passt, dass Christie’s die erste eigenständige Skulpturenauktion seit Jahren in London durchführte. Man hatte die Objets d’art-Auktionen aufgegeben und die Kunst stattdessen in Möbelauktionen versteigert, in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Privatsammler direkt anzusprechen und nicht nur den Fachhandel. Die Resonanz sei „sehr positiv und ermutigend“ gewesen, fand Chefexperte Donald Johnston

Fabeltier aus Hildesheim

Höhepunkt war eine hochmittelalterliche deutsche Bronzearbeit, ein Aquamanile in Form eines Fabeltiers. Wenn es auch mehr nach Huhn als nach einem Drachen aussieht, zahlte Florian Eitle, Chef der Starnberger Kunsthandlung Böhler dafür 962.500 Pfund oder 1,2 Millionen Euro. Als Gegenbieter sorgte die Pariser Handlung Kugel dafür, dass die Schätzung von 400.000 bis 600.000 Pfund und der bisherige Höchstpreis für ein solches Wassergefäß deutlich überschritten wurde.

Eitle agierte für das Hildesheimer Dommuseum, das das Stück mit Hilfe einer Reihe von Stiftern anschaffen will. Museumsdirektor Prof. Michael Brandt ist sich sicher, dass es sich um eine Arbeit aus Hildesheim handelt, wo im 12. Jahrhundert unter Bernward von Hildesheim die Bronzekunst zu hoher Meisterschaft gebracht wurde.

Schwindelerregende Preisfindung

Die Bronzearbeit hat eine interessante Rundfahrt hinter sich. Im Oktober 2010 tauchte sie in dem kleinen Auktionshaus Ginhart in Tegernsee auf, eingeliefert aus Privatbesitz, und wurde mit einem Limit von 980 Euro angeboten. Auktionator Walter Ginhart vermutete, dass es eine frühe mittelalterliche Arbeit war, wollte die Preisfindung aber dem Markt überlassen. „Wenn sie es in der Hand halten, wirkt es nicht sehr teuer“, sagte er auf telefonische Nachfrage. Käufer sei ein „Londoner Händler“ gewesen. Es waren wohl mehrere Londoner Handelsbieter aufmerksam geworden, erinnert er sich, telefonisch sei der Preis auf 57.000 Euro getrieben worden.

Ein erster Vermarktungsversuch des aufmerksamen Finders im Oktober 2011 scheiterte. Die Bronze tauchte mit einer Schätzung von 700.000 bis 900.000 Pfund in einer Islamauktion bei Sotheby’s auf, obwohl sie mit Spuren einer alten Vergoldung klar als deutsche Arbeit des 12. Jahrhunderts katalogisiert war. Das Angebot in einer Islamauktion war nicht unlogisch: Solche frühen Bronzen wurden im Mittelalter auch im maurischen Südspanien hergestellt und werden in Islamauktionen gelegentlich zu hohen Preisen verkauft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×