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24.10.2013

12:44 Uhr

Power 100

Ungerechte Welt der Rankings

VonStefan Kobel

Mit ihrem Power 100-Ranking sorgt die amerikanische Kunstzeitschrift ArtReview dafür, dass sie im Gespräch bleibt. In diesem Jahr hat es die Tochter des Emirs von Katar an die Spitze geschafft.

Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani wurde vom Magazin «ArtReview» zur einflussreichsten Person im internationalen Kunstbetrieb 2013 gewählt. dpa

Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani wurde vom Magazin «ArtReview» zur einflussreichsten Person im internationalen Kunstbetrieb 2013 gewählt.

BerlinEs ist ein Ritual. Jedes Jahr im Herbst erscheint die Liste „Power 100“ und jedes Jahr erregt sich die Kunstwelt. Ein bisschen zumindest. Wenigstens hat man ein Thema beim Small Talk: „Who is hot and who is not”. Viel mehr will die US-amerikanische Zeitschrift ArtReview wahrscheinlich auch nicht erreichen mit ihrem Ranking, das seit 2002 erscheint. Sie bleibt im Gespräch und die Novemberausgabe verkauft sich vielleicht ein wenig besser.

Am interessantesten ist natürlich immer, wer es an die Spitze geschafft hat. Das ist meistens eine Überraschung, das ist Sinn der Sache. 2013 ist es Sheikha Al-Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al-Thani, die Tochter des Emirs von Katar. Sie hat sich in der jüngeren Vergangenheit konsequent nach oben gearbeitet. Letztes Jahr war sie immerhin schon auf Platz Elf. Schließlich ist die 30-Jährige zuständig für die zahlreichen Kunstinitiativen ihres Landes und Herrin über eine beeindruckende und vor allem teure Sammlung, die sie als Leiterin der Museumsbehörde aufgebaut hat.

Den Ausschlag für den aktuellen Gipfelsturm könnte der Erwerb der letzten Trophäe des Wüstenstaates sein: Cezannes Gemälde „Kartenspieler“, für das die Sheika 250 Millionen US-Dollar bezahlt haben soll. Teurer war höchstwahrscheinlich noch kein Kunstwerk. Der spektakuläre Privatverkauf musste allerdings bereits letztes Jahr für die Begründung herhalten; man darf gespannt sein auf die blumige Laudatio, die sich die anonyme Jury diesmal ausdenkt.

Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev war die Überraschungssiegerin der letzten Kür. Carolyn Christov-Bakargiev, Marco Ventimiglia

Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev war die Überraschungssiegerin der letzten Kür.

Schwammige Auswahlkriterien

Al-Thani hat damit die Überraschungssiegerin der letzten Ausgabe souverän gestürzt. Das war Carolyn Christov-Bakargiev, die Direktorin der documenta XIII. Die Kuratorin schafft es immerhin noch auf Rang 20, obwohl sie außer einer Gastprofessur für Philosophie in Frankfurt aktuell nicht viel vorzuweisen hat, was ihr Listing rechtfertigen würde. Vielleicht glüht ihr vergangener Ruhm noch nach. Ihrem Vorgänger war dieses Glück nicht beschieden. Roger M. Bürgel tauchte überhaupt nicht auf, weder während, noch vor oder nach seiner Regentschaft.

Karrieren befördern

Woraus zieht also die Jury ihren weisen Ratschluss? Was ist Macht in der Kunstwelt? Rein ums Geld kann es nicht gehen. Auf den Rängen Zwei bis Vier folgen die Galeristen David Zwirner, Iwan Wirth und Larry Gagosian. Sie dürften zwar zumindest recht wohlhabend sein, gegen viele ihrer milliardenschweren Sammlerkunden sind sie jedoch in dieser Beziehung relative Leichtgewichte. Und auf den Rängen Fünf bis Sieben finden sich mit Hans Ulrich Obrist & Julia Peyton-Jones, Nicholas Serota und Beatrix Ruf jeweils Museumsleute. Deren Macht bemisst sich naturgemäß nach ihrer kuratorischen Deutungshoheit, während die Händler als Strippenzieher bei Museen und Sammlern an Künstlerkarrieren arbeiten.

Erster Sammler auf der Liste ist François Pinault, Eigentümer des französischen Luxusgüter-Konzerns PPR. Um seine Kunstsammlung angemessen zu präsentieren, erwarb er zuerst 2005 den Palazzo Grassi in Venedig, und weil dieser sich als zu klein erwies, im Jahr darauf auch gleich noch auf mehrere Jahrzehnte die Nutzungsrechte an der Punta della Dogana. Pinault gehört auch Christie's, das mittlerweile größte Kunstauktionshaus der Welt. Das bringt Pinault für dieses Jahr auf Platz 19. Zumindest seinen Erzrivalen Bernard Arnault, den Chef der konkurrierenden LVMH-Gruppe, dürfte das wieder einmal ärgern. Der findet sich auf Rang 31 wieder.

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