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06.03.2016

09:30 Uhr

Premiere Dresden-Tatort

Frauenpower und bunte Schlagerwelt

Der neue Sachsen-„Tatort“ kommt aus Dresden. Für ihren ersten Fall ermittelt das forsche Kommissarinnen-Duo in der Welt der Volksmusik. Sogar der verstorbene Schlager-Musiker Achim Mentzel taucht in einer Szene auf.

Das Trio aus Sachsen wird gespielt von Jella Haase (v.r.), Karin Hanczewski und Alwara Höfels. Martin Brambach – zuletzt in der Barschel-Verfilmung als schmieriger Rainer Pfeiffer zu sehen – spielt den Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel. dpa

Tatort „Auf einen Schlag“

Das Trio aus Sachsen wird gespielt von Jella Haase (v.r.), Karin Hanczewski und Alwara Höfels. Martin Brambach – zuletzt in der Barschel-Verfilmung als schmieriger Rainer Pfeiffer zu sehen – spielt den Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel.

DresdenIm bunten Dirndl trällert die junge Frau einen Schlagerhit, im Hintergrund die barocke Kulisse des Dresdner Zwingers. „Mein Sachsen, hier bin ich geboren, mein Sachsen, hier gehör' ich hin...“. Die Probe für eine große Unterhaltungsshow wird jäh unterbrochen, als die Sängerin einen toten Kollegen hinter der Bühne findet - Toni vom Schlagerduo „Toni und Tina“.

Daneben Musiker, die nach einer durchzechten Nacht ihren Rausch ausschlafen. Der neue „Tatort“ aus Dresden „Auf einen Schlag“, den das Erste an diesem Sonntag (20.15 Uhr) ausstrahlt, zeigt gleich zu Beginn Risse in der heilen Schlagerwelt.

Tatort-Autor Husmann: „Keine Verarsche der Schlagermusik“

Husmann

Bekannt als „Stromberg“-Erfinder ist Ralf Husmann auf witzige Texte abonniert. Im neuen Dresden-„Tatort“ begibt sich der Drehbuchautor auf neues Terrain - und schlägt auch ernste Töne an.

Dresden

Dresden wird nach über 15 Jahren wieder zur „Tatort-Stadt. Für ihren ersten Fall mit dem Titel „Auf einen Schlag“ ermitteln die hartnäckigen Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) als erstes weibliches Ermittlerduo der Krimireihe.
Quelle: Interview der dpa

Ein Tatort im Showgeschäft?

„Die Schlagerwelt und die Welt der Volksmusik bilden vielleicht den größtmöglichen Kontrast zu Brutalität, Blut, Gewalt und Leichen.“

Schwule Volksmusiker?

„Für mich ist die Volksmusik und die Schlagerwelt - neben dem Profifußball - eine der wenigen Arenen, wo Schwulsein immer noch ein Thema ist. Es gibt ja wenige offen schwule Volksmusiker.“

Liedtexte selbst geschrieben?

„Mir war wichtig, dass wir keine Parodie und keine Verarsche der Schlagermusik machen, sondern dass wir versuchen, so nah wie möglich an Volksmusik heranzukommen. Das Sachsenlied hat, denke ich, Ohrwurm-Potenzial.“

Wo in der „Tatort“-Familie?

Wir haben versucht, einen humorvolleren „Tatort“ zu machen, ohne dass wir nun die Kollegen aus Münster rechts überholen wollen. Mir war wichtig, dass man die Gewalt und das Brutale, was der Film ja auch hat, durchaus ernst nehmen kann. Und dass auf der anderen Seite dennoch ironische und lustige Elemente drin sind.

Weibliches Ermittlerteam?

Es sind normale, durchschnittliche Frauen, die normale, durchschnittliche Probleme haben. Die wollen auch mal nach Hause, die wollen auch mal Feierabend haben.“

Erster Ausflug ins Genre der Krimis?

Ich hab vor ein paar Jahren eine Serie gemacht, die „Dr. Psycho“ hieß. Das war der Versuch, Krimi mit Komödie zu kombinieren, ein paar Jahre vor „Mord mit Aussicht“ und ähnlichen Formaten. Insofern war der „Tatort“ für mich keine Premiere.

Unter Verdacht stehen zunächst der Manager Rollo mit seinen Schlangenleder-Stiefeletten und ein enttäuschter Schlagerfan - der mit Schnauzbart, sächsischem Dialekt und seiner Wohnung im Plattenbau als Klischee-Ossi daherkommt. Wer profitierte von Tonis Tod? Dabei geht es auch um die Volksmusik-Rocker „Herzensbrecher“ und eine heiße Affäre, die am Ende mit einer überraschenden Wende aufwartet.

Für ihren ersten Fall tauchen die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) in Dresden immer tiefer hinein in die Welt der Volksmusik, in der es um Geschäfte, alternde Stars und den schönen Schein geht.

Mit den beiden Kommissarinnen ermittelt erstmals in der Geschichte der ARD-Krimireihe ein reines Frauenteam. Die eine alleinerziehend und mit ihrem pubertierenden Sohn überfordert, die andere eine liierte Karrierefrau mit Kinderwunsch. Zickenkrieg oder Frauenpower?

„Es sind zwei Frauen, die oft unterschiedlicher Meinung sind und an bestimmte Dinge anders herangehen. Aber sie zicken sich nicht an, die klären nur manchmal Dinge - recht offen“, sagt Hanczewski.

Den Chef der modernen Frauen gibt Martin Brambach („Barfuß bis zum Hals“) als altmodischen Peter Michael Schnabel. Der Leiter des Kommissariats hört gern Schlager, steht auf Kriegsfuß mit Handy und „diesem“ Internet und reißt gern mal Witze, die nicht politisch korrekt sind. Ein Mann, der nach Einschätzung seiner Kolleginnen endlich mal in „unserem Zeitalter ankommen“ soll.

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