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28.02.2017

13:17 Uhr

PricewaterhouseCoopers

PwC-Team nicht schnell genug bei Oscar-Panne

Der Schock nach dem wohl größten Patzer in der Geschichte der Oscar-Verleihung sitzt noch tief: Das zuständige Unternehmen PwC übernimmt die volle Verantwortung und versucht sich an einer Erklärung.

Jordan Horowitz, Produzent von „La La Land“  und Warren Beatty zeigen den Umschlag mit „Moonlight“ als den wahren Gewinner. AP

Panne bei den Oscars

Jordan Horowitz, Produzent von „La La Land“ und Warren Beatty zeigen den Umschlag mit „Moonlight“ als den wahren Gewinner.

Los AngelesNach der Ansager-Panne bei den Oscars hat das Unternehmen PwC die volle Verantwortung für den Fehler am Sonntagabend übernommen. Das Mitarbeiterteam habe die falsche Verkündung des Gewinners in der Kategorie bester Film nicht zügig genug korrigiert, teilte die Rechnungsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers am Montagabend (Ortszeit) mit. „Als der Fehler aufgetreten war, wurden die Abläufe zur Korrektur nicht schnell genug durchgeführt“, hieß es in einer Erklärung.

Es wurde nicht bekanntgegeben, welche Protokolle konkret verletzt wurden. Allerdings hatten drei Produzenten von „La La Land“ bereits ihre Dankesreden gehalten, als schließlich verkündet wurde, dass der tatsächliche Gewinner „Moonlight“ sei. Mehr als zwei Minuten waren zuvor verstrichen.

Protokoll einer beispiellosen Oscar-Panne

Hochspannung

Die 89. Oscar-Verleihung neigt sich dem Ende zu, nun steht mit der Bekanntgabe in der Königskategorie Bester Film der Höhepunkt des Galaabends an. Auf der Bühne des Dolby Theatre in Los Angeles schicken sich die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway an, den Sieger auszurufen. Beatty öffnet den roten Umschlag und wirft einen Blick auf die darin verborgene Karte. Dann guckt er wieder. Und noch mal – offensichtlich auf der Suche nach einer ganz anderen Information.

Warren Beatty

BEATTY: „Der Academy Award ...“
Er stockt, schaut nochmals in den Umschlag.
BEATTY: „Für den besten Film ...“
Er stockt erneut und schaut unsicher hinter die Kulissen, reicht den Umschlag dann an Dunaway weiter, die ihrerseits einen kurzen Blick hineinwirft.

Faye Dunaway

DUNAWAY: „La La Land.“
Das Publikum spendet Applaus. Das Ensemble, die Filmcrew und die Produzenten von „La La Land“ reihen sich auf der Bühne auf, um den Preis entgegenzunehmen, den viele dem Musical vorausgesagt hatten. Die Produzenten Jordan Horowitz und Marc Platt schwingen wortreiche Dankesreden, doch schon während Platt redet, macht sich das Gefühl breit, das da etwas nicht stimmt.

Ein Mann mit Kopfhörern

Unter den hinter ihm stehenden Leuten kommt Unruhe auf, als ein Mann mit Kopfhörern erscheint und die roten Umschläge in den Händen der Produzenten prüft.
Der dritte Produzent Fred Berger tritt nun ans Mikrofon, spricht noch kurz, ehe er das Durcheinander hinter ihm bemerkt.
BERGER: „Wir haben übrigens verloren.“

Durcheinander

HOROWITZ: „Da gibt es einen Fehler. 'Moonlight', ihr habt den besten Film gewonnen. Das ist kein Witz.“
PLATT: „Das ist kein Witz. Ich befürchte, die haben das falsche Ding vorgelesen.“
HOROWITZ: „Das ist kein Witz. 'Moonlight' hat den besten Film gewonnen.“
Horowitz schnappt sich von Beatty eine Karte und hält sie hoch. Die Kamera zoomt heran, sodass die Worte sichtbar werden: „Moonlight“ ist tatsächlich als bester Film ausgezeichnet worden.

Schon wieder eine Panne

Moderator Jimmy Kimmel geht ans Mikrofon und spielt auf Steve Harvey an, der beim Schönheitswettbewerb Miss Universe 2015 die Falsche als Siegerin verkündete. Damit ist Harvey nun vermutlich der unrühmliche Titel der zweitpeinlichsten Panne bei einer Preisverleihung sicher.
KIMMEL: „Leute. Was da passiert ist, ist sehr unglücklich. Ich gebe persönlich Steve Harvey die Schuld dafür.“

Schnelle Reaktion

Kimmel schaut „La La Land“-Produzent Horowitz an.
KIMMEL: „Ich hätte gern, dass Sie trotzdem einen Oscar bekommen. Warum können wir nicht einfach einen ganzen Haufen davon vergeben?“
HOROWITZ: „Mir wird es eine große Ehre sein, das an meine Freunde bei 'Moonlight' zu übergeben.“
KIMMEL: „Das ist nett von Ihnen.“

Erklärungsversuche

Beatty geht ans Mikrofon.
BEATTY: „Hallo? Hallo?“
KIMMEL: „Warren, was haben Sie getan?“
BEATTY: „Ich will Ihnen sagen, was passiert ist. Ich öffnete den Umschlag und da stand 'Emma Stone, La La Land.' Deshalb schaute ich Faye und Sie solange sein. Das war kein Versuch, witzig zu sein.“

Volle Bühne

Inzwischen haben sich die Besetzung und die Filmcrew von „Moonlight“ auf der Bühne eingefunden, die Akteure von „La La Land“ haben sich verdrückt. Die Kamera schwenkt auf verdutzt dreinblickende Zuschauer im Publikum. Matt Damon pfeift. „Moonlight“-Schöpfer Barry Jenkins geht ans Mikro.
JENKINS: „Ganz klar, in meinen Träumen könnte das nicht wahr sein. Aber zur Hölle mit Träumen, ich bin damit durch, denn das ist wahr. Ach du meine Güte.“
Jenkins beendet seine Rede.

Schlusswort des Moderators

KIMMEL: „Nun, ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Ich gebe mir die Schuld ... Es ist nur eine Awards-Show ... Ich wusste, dass ich diese Show vermasseln würde. Ich hab es echt getan ... Ich verspreche, ich komme nie wieder zurück.“

Die Schauspieler Warren Beatty und Faye Dunaway hatten das Musical „La La Land“ fälschlicherweise zunächst zum Sieger erklärt. Beatty hatte dabei noch hinter der Bühne einen falschen Umschlag von einem PwC-Prüfer, Brian Cullinan, erhalten. Dieser war ein Duplikat der Verkündung in der Kategorie beste Hauptdarstellerin – Emma Stone für „La La Land“. Beim Lesen hatte Beatty lange gezögert, Dunaway schließlich rief den falschen Gewinner aus.

„Wir sind zutiefst dankbar für die Größe, die alle in einem so schwierigen Moment bewahrt haben“, erklärte PwC. In den vergangenen 83 Jahren habe die Academy die Wirtschaftsprüfer mit der Aufgabe betraut, die Gewinner zu ermitteln und weiterzugeben. „Letzte Nacht sind wir dabei gescheitert.“

Spekulationen, ob ein Tweet eines Mitarbeiters zu der Panne geführt haben könnte, wollte das Unternehmen nicht kommentieren. Momente vor der Ausgabe des falschen Umschlags hatte Cullinan ein Foto von Schauspielerin Emma Stone gepostet, das sie hinter der Bühne zeigte. Später wurde der Tweet gelöscht.

Ein unabhängiger Markenspezialist in London, Nigel Currie, sah die Zusammenarbeit zwischen PwC und der Oscar-Academy in Gefahr. Der Fehler sei so schwerwiegend, wie man ihn sich kaum vorstellen könne. „Sie hatten einen ziemlich einfachen Job und versagten dabei auf spektakuläre Weise.“ Es dürfe nun Krisengespräche geben, wie damit weiter verfahren werde.

Von

ap

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