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02.02.2015

15:07 Uhr

Prinz Charles

Ein Buch über Intrigen, Neid und Missgunst

Eine aktuelle Biografie über Prinz Charles rückt den Thronfolger und das britische Königshaus in ein schräges Licht. Kommentieren will der britische Thronfolger die Gerüchte nicht.

Prinz Charles lebt in einem Haifischbecken, so die Biografin Catherine Mayer. Autorisiert ist ihre Einschätzung aber nicht. dpa

Prinz Charles lebt in einem Haifischbecken, so die Biografin Catherine Mayer. Autorisiert ist ihre Einschätzung aber nicht.

LondonDer britische Thronfolger Prinz Charles lebt einer neuen Biografie zufolge in einem Haifischbecken voller Intrigen und Hinterhalte. Die US-Journalistin Catherine Mayer hat die Biografie vorgelegt, von der Auszüge am Samstag online verbreitet wurden und in der Zeitung „The Times“ erschienen. Das Buch mit dem Titel „Charles, The Heart of a King“ („Charles, Herz eines Königs“) erscheint am Donnerstag im Buchhandel in englischer Sprache.

Die Autorin vergleicht Clarence House, das Londoner Büro des 66 Jahre alten Thronfolgers, mit dem Intrigen-Geflecht aus dem Buch „Wolf Hall“ von Hilary Mantel. Die Bestseller-Autorin Mantel hatte in ihrem Werk die Machtspiele am Hof von König Heinrich VIII. beschrieben. In der Charles-Biografie schildert Mayer ein Beispiel: Der Prinz scheiterte mit seinem Plan, mehrere Wohltätigkeitsorganisationen unter einem Dach zu vereinen. Trotz erheblicher und teurer Vorarbeiten gelang dies nicht, weil sich Charles gegen Widerstände nicht durchsetzen konnte.

Mayer hatte nach eigenen Angaben von Charles für die Recherche Zugang zu seinem Umfeld erhalten. So konnte sie mit Vertrauten und Helfern des Prinzen Gespräche führen. Clarence House erklärte am Samstag jedoch, die Biografie sei nicht autorisiert. Deswegen werde sie von Charles auch nicht kommentiert.

Die unbekannten Seiten des Prinz Charles

Buch

Es gibt ein neues Buch mit dem Titel „Charles, The Heart of a King“ („Charles, Herz eines Königs“). Darin werden bisher unbekannte Seiten des britischen Thronfolgers beschrieben.

Essen

Die Essgewohnheiten von Charles, dem überzeugten Bio-Bauern, waren schon oft Gegenstand von Spekulationen. 2012 musste der Palast ein Gerücht dementieren, der Thronfolger lasse sich jeden Morgen sieben unterschiedlich lang gekochte Eier vorsetzen und wähle dann nur eines davon aus. Catherine Mayer beschreibt nun, dass der Prinz nicht gerne Essen wegwirft. Was am Vortag nicht gegessen wird, kommt am nächsten Tag erneut auf den Tisch. 

Trauer

Prinz Charles hat ein schwieriges Verhältnis zu seiner Familie. Sein Vater Philip hat ihn als Kind sehr autoritär erzogen, wie Biograf Jonathan Dimbleby bereits 1990 schrieb. In dem neuen Buch über das Leben des Thronfolgers wird deutlich, dass er zu seiner Großmutter, in aller Welt als „Queen Mum“ bekannt, ein besonders herzliches Verhältnis unterhielt. Noch heute trauert Charles um sie, genauso wie um seinen Onkel Lord Louis Mountbatten, der 1979 einem Attentat in Irland zum Opfer fiel.

Frust

Charles, dessen weitreichende Gedanken zu grünen Thesen in Großbritannien häufig belächelt werden, fühlt sich nicht ernst genommen. Er vergleicht sich nach Darstellung seiner Biografin häufig mit der Figur des „Baldrick“ in der englischen Fernsehkomödie „Blackadder“. Dort macht der Diener immer geniale Vorschläge, über die sich aber seine Vorgesetzten nur lustig machen. Ein Bediensteter von Charles wird in dem Buch mit den Worten zitiert: „Er ist gleichzeitig seiner Zeit hinterher und seiner Zeit voraus – mit Sicherheit lebt aber nicht in seiner Zeit.“

Wankelmut

Charles gilt in seinem Hofstaat nicht als besonders entscheidungsfreudig. Bevor er eine Entscheidung zu einem wichtigen Thema trifft, lässt er sich von seinem Stab immer erst vier oder fünf Meinungen vorlegen, über die er dann nachdenkt. Kritiker werfen ihm vor, damit auch Zwist im eigenen Gefolge zu schüren.

Gerechtigkeitssinn

Es ist nicht viel bekannt, auf welche Art und Weise Charles sein Amt als künftiger König wahrzunehmen gedenkt. Spekuliert wird darüber, dass er sich mehr in politische Dinge einmischen und mit seiner Grundeinstellung nicht hinter dem Berg halten will. Bekannt wurde jetzt, dass er das überholte System der königlichen Ehrungen, bei dem britische Bürger zum „Sir“ oder zur „Dame“ gemacht werden können, grundsätzlich neu ordnen will.

Das Bild, das Mayer vom künftigen König Großbritanniens zeichnet, ist das einer stark ambivalenten Persönlichkeit. Der Umgang mit seinen Bediensteten, die ihn der Biografin zufolge „Boss“ nennen, sei schwierig. Einerseits werde dem überzeugten Bio-Landwirt ein ausgezeichnetes unternehmerisches Gespür attestiert.

Andererseits verursache er Verwirrung, wenn er seinen Gefolgsleuten ständig neue Zuständigkeiten gebe und so Neid und Missgunst schüre. Die Frage der Thronfolge diskutiere Charles nicht öffentlich – unter anderem weil er sich dann mit dem Tod seiner Mutter, Königin Elizabeth II., beschäftigen müsste.

In der Vergangenheit hatten bereits mehrere Biografien über Charles Aufsehen erregt – unter anderem die von BBC-Autor Jonathan Dimbleby im Jahr 1994, in der das schwierige Kindheitsverhältnis von Charles zu seinem Vater Prinz Philip beschrieben wurde. Zuvor hatte der damals noch mit Prinzessin Diana verheiratete Charles in einer Fernsehdokumentation Dimblebys zugegeben, ein außereheliches Verhältnis zu haben.

 

Von Charles und Diana zu William und Kate

Die Feste im Vergleich

Wenn Prinz William seine Kate Middleton zum Traualtar führt, werden Erinnerungen an die Traumhochzeit seiner Eltern, Charles und Diana, wach. Die beiden Feste im Vergleich:

3500 Gäste

Als 1981 der Prince of Wales und Lady Diana Spencer in der prachtvollen St. Paul's Cathedral ihr „Yes“ hauchten, waren 3500 Ehrengäste dabei.

Kleinere Zeremonie

Zur Zeremonie von William und Kate in der kleineren Westminster Abbey werden „nur“ rund 1800 Zuschauer erwartet

Der Weg zum Buckingham Palace

Bei Charles und Diana säumten danach eine halbe Millionen begeisterte Menschen die Strecke von St. Paul's zum Buckingham Palast.

Kürzere Strecke

Schwer zu überbieten für William und Kate, denn ihr Weg mit der Kutsche von der Westminster Abbey zum Palast ist deutlich kürzer.

Nach der Trauung

Gleich nach der Trauung hat Williams Großmutter Queen Elizabeth II. rund 600 Gäste zu einem Empfang in den Buckingham Palast geladen. Am Abend übernimmt Vater Charles die Gastgeberrolle für etwa 300 engste Freunde und Verwandte bei einem Abendessen mit anschließendem Tanz.

Hochzeitsbankett für Charles und Diana

Beim festlichen Hochzeitsbankett vor 30 Jahren hatten „nur“ 120 Gäste die Champagner-Kelche zu Ehren von Charles und Diana erhoben.

Von

dpa

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