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15.02.2017

13:56 Uhr

Produktionen des NDR

Rechnungshof moniert zu teure Til-Schweiger-Tatorte

VonFlorian Schillat
Quelle:Meedia.de

Der Rechnungshof geht mit dem NDR hart ins Gericht. Demnach sind die „Tatort“-Produktionen des Senders mit einem Budget von 1,7 Millionen Euro spürbar kostspieliger als der ARD-Schnitt – offenbar wegen Til Schweiger.

Der Schauspieler stellt den Hamburger Haudrauf-Kommissar Nick Tschiller dar. dpa

Til Schweiger

Der Schauspieler stellt den Hamburger Haudrauf-Kommissar Nick Tschiller dar.

Der „Tatort“ lockt regelmäßig bis zu neun Millionen Zuschauer vor die Bildschirme – jedes Jahr zeigen die ARD-Anstalten 43 bis 48 neue Folgen der beliebten Krimi-Reihe. Und das kostet natürlich Geld. Vor allem, wenn die Produktionen aus dem Norden kommen – wie nun der Hamburger Rechnungshof in seinem Jahresbericht für 2017 moniert:

„Die Produktionskosten des NDR übersteigen die veranschlagten Beiträge regelmäßig, teilweise bis zu 20 Prozent. Sie lagen damit deutlich über den durchschnittlichen ARD-Kosten.

Dieser hat mit den Kontrollstellen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein die Ausgaben für neun der 18 „Tatort“-Produktionen zwischen 2012 und 2014 vom NDR in Auftrag gegebenen Krimis geprüft. Das Ergebnis: Die „Tatort“-Produktionskosten des NDR schlagen mit durchschnittlich 1,7 Millionen Euro Budget deutlich teurer zu Buche, als bei den anderen ARD-Anstalten – die rund 1,5 Millionen Euro für eine Folge der Krimi-Reihe ausgeben.

„Tatort“-Geschichte: Meilensteine unter den 1000 Krimis

29.11.1970

Erster Krimi der Reihe: „Taxi nach Leipzig“ mit Walter Richter als Hamburger Kommissar Paul Trimmel. Ausgangslage: In der DDR wird an einem Autobahnrastplatz bei Leipzig die Leiche eines Jungen gefunden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug. Nach kurzer Zeit ziehen die DDR-Behörden ihr Hilfeersuchen zurück.

07.01.1973

Der amerikanische Filmemacher Samuel Fuller („Polizei greift ein“) steuert den Film „Tote Taube in der Beethovenstraße“ bei, der dann sogar 1974 in den USA mit dem Titel „Dead Pigeon On Beethovenstreet“ ins Kino kommt. Ausgangspunkt des TV-Experiments: ein in Bonn erschossener Privatdetektiv aus den USA.

11.11.1973

Der Fall „Tote brauchen keine Wohnung“ mit Gustl Bayrhammer als Kommissar Veigl, Helmut Fischer als Ermittler Lenz und Walter Sedlmayr als fiesem Vermieter sorgt für Aufsehen. Es geht um Gentrifizierung in München und den Gifttod einer Seniorin.

09.11.1975

Erster „Tatort“ mit sogenanntem Migrationsbezug: In der brutalen Berliner Folge „Tod im U-Bahnschacht“ wird Kommissar Schmidt (Martin Hirthe) mit dem Tod eines illegal beschäftigten Arbeiters aus dem Ausland und den Machenschaften von Menschenschmugglern konfrontiert.

27.03.1977

„Reifezeugnis“ von Wolfgang Petersen, der legendäre „Tatort“ schlechthin. Der Kieler Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) hat es mit dem Mord an einem Schüler zu tun und trifft auf eine Schülerin (Nastassja Kinski), die ein Verhältnis mit ihrem Lehrer (Christian Quadflieg) hat.

01.01.1978

„Rot - rot - tot“ mit Curd Jürgens als Frauenmörder – Quotenrekord laut ARD-Medienforschung: Etwa 26,6 Millionen Zuschauer in der Bundesrepublik sehen damals diesen Stuttgarter „Tatort“.

29.01.1978

Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der damalige Südwestfunk Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) ins Rennen. Auftakt: „Der Mann auf dem Hochsitz“. Bis 1980 gibt es drei Folgen.

14.06.1979

Jubiläum 100. „Tatort“ – der Essener Fall „Ein Schuss zuviel“ mit Hansjörg Felmy als Heinz Haferkamp.

28.06.1981

Erster Schimanski-„Tatort“ - Titel: „Duisburg-Ruhrort“. Eines der ersten Worte des Ermittlers ist „Scheiße“. Die Fernsehzuschauer wissen damit sofort, woran sie bei Schimmi, dem Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski (Götz George) sind. 29 „Tatort“-Folgen gibt es bis 1991. Zwei Fälle kommen auch ins Kino: „Zahn um Zahn“ (1985) und „Zabou“ (1987). Später gibt es eine Reihe „Schimanski“ außerhalb des „Tatort“-Formats.

23.04.1984

Mit der Folge „Haie vor Helgoland“ nimmt Manfred Krug als Hamburger Ermittler Paul Stoever den Dienst auf. Ab 1986 hat er Charles Brauer als Peter Brockmöller an seiner Seite. Das Duo Stoever und Brockmöller wird bekannt mit seinen Gesangseinlagen.

30.08.1987

Im Wiener Fall „Wunschlos tot“ ist Christoph Waltz, der spätere Oscar-Preisträger („Inglourious Basterds“, „Django Unchained“) und baldige Bond-Bösewicht einmalig als „Tatort“-Ermittler (Inspektor Passini) zu sehen.

29.10.1989

Start für Ulrike Folkerts als Lena Odenthal in Ludwigshafen („Die Neue“). Sie ist noch heute im Einsatz und damit die dienstälteste Ermittlerin der Reihe.

16.04.1990

Erster Schweizer „Tatort“. Der Krimi „Howalds Fall“ mit Mathias Gnädinger als Berner Detektivwachtmeister Walter Howald ist äußerst eigenwillig: Es geht um Waffenhandel, der Ermittler wird selbst zum Täter und erschießt sich schließlich.

28.10.1990

Der Krimi „Unter Brüdern“ ist eine deutsch-deutsche Koproduktion von DFF und ARD aus den Krimireihen „Polizeiruf 110“ und „Tatort“. Es treffen aufeinander: die Kommissare Fuchs (Peter Borgelt) und Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) aus dem Osten und Schimanski (Götz George) und Thanner (Eberhard Feik) aus dem Westen.

26.11.1995

Zum 25. Jubiläum läuft der Münchner Krimi „Frau Bu lacht“ in der Regie von Dominik Graf – viele Kritiker halten diesen Kindesmissbrauch-Thriller rund um menschenverachtenden Handel mit Frauen aus Thailand für einen der besten „Tatorte“ überhaupt.

31.03. und 04.05.1997

Die Fälle „Gefährliche Übertragung“ und „Alptraum“ mit Hannelore Elsner als Lea Sommer lassen die Ermittlerin aus der in Frankfurt/Main spielenden ARD-Serie „Die Kommissarin“ (1994 bis 2006) kurzzeitig zur Hamburger „Tatort“-Kommissarin werden.

13.07.1998

Nur an einem späten Montagabend läuft die Premiere des Berliner „Tatorts“ mit dem Titel „Ein Hauch von Hollywood“ mit Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter. Der Film galt als ungeeignet für die Hauptsendezeit. Der SFB drehte aus Kostengründen alle zwölf Roiter-Krimis auf billigem Video- statt normalem Filmmaterial.

25.07.1999

Der Berliner Fall „Dagoberts Enkel“ nimmt Bezug auf reale Ereignisse rund um den Kaufhauserpresser Dagobert, der Anfang der 90er bekannt wurde – die Schauspieler Stefan Jürgens und Dominic Raacke haben es im Film mit einem Erpresser zu tun, der mit Bombenanschlägen in Postämtern droht.

26.11.2000

Zum 30. Jubiläum vom „Tatort“ läuft die Folge „Quartett in Leipzig“, in der sich die Leipziger Ermittler Ehrlicher und Kain (Peter Sodann und Bernd Michael Lade) und die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) treffen. Eine erneute MDR/WDR-Koproduktion („Rückspiel“) kommt am 10.11.2002.

25.11.2001

In der von Brutalität und Selbstjustiz geprägten Kölner Folge „Bestien“ wird ein reales Foto des Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos vom NSU (Nationalsozialistischen Untergrund) gezeigt, was jedoch erst 2012 nach dem Auffliegen der rechtsextremen Mordserie zum Thema wird.

20.05.2002

Jubiläum 500. „Tatort“: der Bremer Fall „Endspiel“ mit Sabine Postel.

20.10.2002

Das Münster-Team startet („Der dunkle Fleck“). Das komische Duo Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gilt fortan als das beliebteste.

04.04.2004

Der Bremer Satanismus-Krimi „Abschaum“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen löst wegen der vielen Mordopfer eine Debatte in Politik und Medien aus.

23.12.2007

Der Fall „Wem Ehre gebührt“ mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm in Hannover (Regie: Angelina Maccarone) löst wegen der Verknüpfung von Inzest und der islamischen Glaubensrichtung der Aleviten Proteste der alevitischen Gemeinde in Deutschland aus.

25.05.2008

Jubiläum 700. „Tatort“: Im Fall „Todesstrafe“ nehmen Simone Thomalla und Martin Wuttke als Leipziger Team die Arbeit auf. Im April 2015 ist für das Duo Schluss.

03.01.2010

„Tatort“ Nummer 751 – Titel „Weil sie böse sind“ – mit den Frankfurter Ermittlern Dellwo und Sänger (Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki) glänzt mit einem bitterbösen Adelsspross, gespielt von Matthias Schweighöfer.

28.11.2010

Zum Jubiläum „40 Jahre „Tatort““ läuft der erste Fall mit Ulrich Tukur als Ermittler Murot, den ein Tumor im Kopf auf einen besonderen Trip bringt. Krimititel: „Wie einst Lilly“.

19.12.2010

Der Münchner Krimi über einen Sexualmörder „Nie wieder frei sein“ (Regie: Christian Zübert) wird vielfach gelobt und ausgezeichnet.

08.05.2011

800. „Tatort“ und erster Fall des hochgelobten, Frankfurter Teams Steier und Mey (Joachim Król und Nina Kunzendorf), das aber nur kurz im Einsatz ist: „Eine bessere Welt“.

05.02.2012

Die Wiener Folge „Kein Entkommen“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser gehört zu den wenigen, die einen Grimme-Preis gewinnen.

08. und 09.04.2012

In der Doppelfolge „Kinderland“ und „Ihr Kinderlein kommet“ zu Ostern ermitteln Saalfeld und Keppler (Simone Thomalla und Martin Wuttke) in Köln statt Leipzig und unterstützen ihre Kollegen Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär).

09. und 16.12.2012

In der Doppelfolge aus Hannover – erster Film „Wegwerfmädchen“, zweiter Film „Das goldene Band“ – hat es Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm mit den fiesen und kaum nachweisbaren Machenschaften im Frauenhandel zu tun.

10.03.2013

Erster „Tatort“ mit Til Schweiger. Mit dem Krimi „Willkommen in Hamburg“ setzt der Kinostar neue Maßstäbe in Sachen Action und Produktionskosten.

08.09.2013

Der Krimi „Gegen den Kopf“ über einen sinnlosen tödlichen Gewaltakt in einer Berliner U-Bahn-Station kommt als gesellschaftliches Spiegelbild gut bei den „Tatort“-Fans an.

26.12.2013

Erster Weimar-„Tatort“ zum Weihnachtsfest – eine Komödie mit den Kinostars Christian Ulmen und Nora Tschirner als Lessing und Dorn. Der wurstige Fall heißt „Die Fette Hoppe“.

05.01.2014

Im Fall „Franziska“ stirbt die langjährige Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bei einer Geiselnahme im Gefängnis. Die Erstausstrahlung des Gruselkrimis wird aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt.

12.10.2014

Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellt einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. Während der Hessische Rundfunk vorab monatelang von 47 Leichen am Ende der Handlung spricht, zählt „Tatort-Fundus.de“ 51 Leichen.

12.04.2015

Der lange Zeit angekündigte erste Franken-„Tatort“ (Titel: „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“) mit Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs bekommt viel Resonanz.

15.11.2015

Für Aufsehen sorgt, dass der Berliner Hauptkommissar Robert Karow (Mark Waschke) im „Tatort“-Krimi „Ätzend“ einen Mann mit nach Hause nimmt und mit ihm die Nacht verbringt. Ist er der erste schwule Kommissar der Reihe? Eine Folge später („Wir - Ihr - Sie“, 5.6.2016) ist der Ermittler sogar beim Sex mit einem Mann zu sehen.

27.12.2015

Sehr verschwurbelt und manchem als „Verarsche“ („Bild“) kommt die Handlung vom Krimi „Wer bin ich?“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot daher. In dem Film-im-Film spielen die Schauspieler angeblich sich selbst. Besonders absurd: Ex-„Tatort“-Star Martin Wuttke spielt Ex-„Tatort“-Ermittler Wuttke.

04.02.2016

Der „Tatort“-Kinofilm „Tschiller: Off Duty“ mit Til Schweiger startet in den deutschen Kinos. Er lockt nur etwa 275.000 Zuschauer vor die Leinwände.

28.03.2016

Zunächst als Event-„Tatort“ läuft ein Fall mit Heike Makatsch in Freiburg („Fünf Minuten Himmel“).

13.11.2016

Der 1000. „Tatort“-Krimi im Ersten. Der NDR beziehungsweise die ARD schickt den Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und seine Hannover-Kollegin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) auf eine Horrorfahrt als Geiseln – der Jubiläumskrimi heißt wie der erste 1970 „Taxi nach Leipzig“.

Besonders bei einer Folge seien die Kosten explodiert. Demnach übertraf die teuerste „Tatort“-Produktion mit 2,1 Millionen Euro den Durchschnitt der ARD um 40 Prozent. „Der NDR begründet die über dem Durchschnitt liegenden Kosten mit der Verpflichtung besonders bekannter und deshalb kostenintensiver Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure, die zur Reichweitensteigerung der NDR Tatortproduktionen beitragen sollen“, heißt es in dem Bericht. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts handelt es sich hierbei um den „Tatort: Der große Schmerz“, dem dritten Haudrauf-„Tatort“ mit Hamburger Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) und Schlager-Star Helene Fischer.

„Der NDR hat nicht den Anspruch, alle seine ‚Tatort‘-Produktionen mit dem gleichen Budget auszustatten“, rechtfertigt sich NDR-Sprecher Martin Gartzke gegenüber der Zeitung. Zudem setze der NDR bewusst auf herausragende Besetzungen seiner „Tatort“-Produktionen, was „für die Schauspielerinnen und Schauspieler, ebenso wie für Buch und Regie“ gelte.

Argumente, die der Hamburger Rechnungshof nicht gelten lässt: „Die Rechnungshöfe weisen darauf hin, dass auch die Tatortproduktionen anderer Sendeanstalten mit hochkarätigen Darstellern besetzt sind, und halten darüber hinaus den Anteil der Regie- und Drehbuchhonorare in Relation zu den Gesamtaufwendungen der Produktionen von regelhaft unter 5 Prozent für vernachlässigenswert.“

Fakten zum Tatort

Der Vorspann

30 Sekunden mit spannender, hastiger Ohrwurmmusik, zwei Augen in Nahaufnahme, das rechte im Fadenkreuz, ein Mann, der abwehrend die Arme hebt, rennende Beine auf nassem Asphalt und ein Fingerabdruck, dessen Linie den Flüchtenden einkreist. Übrigens: Für die Titelmelodie spielte Udo Lindenberg Schlagzeug.

Der erste Fall

Der erste „Tatort“ war „Taxi nach Leipzig“, der am 29. November 1970 ausgestrahlt wurde. Der Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel (Walter Richter) musste einen deutsch-deutschen Mordfall klären. Der 1000. Tatort heißt ebenfalls „Taxi nach Leipzig“.

Die erste Kommissarin

Als erste Ermittlerin der Reihe schickt der Südwestfunk (SWF) 1978 Kommissarin Marianne Buchmüller (Nicole Heesters) mit „Der Mann auf dem Hochsitz“ ins Rennen. Bis 1980 gab es drei Folgen mit ihr.

Am längsten dabei

Dienstälteste „Tatort“-Ermittlerin ist Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), die seit 27 Jahren (erster Fall: 29. Oktober 1989) in Ludwigshafen Verbrecher jagt. Bisher gab es 64 Fälle, in den meisten war Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) dabei.

Drehtage

In den siebziger Jahren wurde ein Tatort in fünf bis sechs Wochen gedreht. Heute sind es nur noch etwa vier.

Giftschrank

Einige wenige „Tatort“-Folgen dürfen nicht wiederholt werden. Sie haben senderintern einen Sperrvermerk. Die Gründe sind verschieden. So spielen bei „Wem Ehre gebührt“ verletzte religiöse Gefühle eine Rolle, bei „Krokodilwächter“ die große Brutalität im Film.

Der missglückte „Tatort“

Zu den Tiefpunkten der „Tatort“-Reihe zählen Kritiker die Fälle des Berliner Kommissars Ernst Roiter (Winfried Glatzeder, 1996-1998). Aus Kostengründen hatten die Folgen eine billig wirkende Optik. Zudem warf man den Filmen vor, zu sexistisch, brutal oder zu wirr zu sein. Die Quoten waren trotzdem passabel.

Die meisten Zuschauer

„Rot - rot - tot“ sahen am Neujahrstag 1978 mehr als 26 Millionen Menschen. Das entspricht einer Quote von 65 Prozent. In heutiger Zeit wäre das undenkbar.

Die meisten Toten

Die Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur als Felix Murot stellte einen Leichenrekord in der „Tatort“-Geschichte auf. In dem stark von Quentin Tarantino inspirierten Film zählten die Experten vom „Tatort-Fundus“ 51 Leichen – die meisten starben im Kugelhagel.

Die beliebtesten Ermittler

Die Münsteraner Boerne und Thiel (Jan Josef Liefers und Axel Prahl) sind das erfolgreichste „Tatort“-Team. Ihre Top-Quote von 13,63 Millionen Zuschauern erreichte kein anderes aktuelles Ermittler-Duo.

Zahl der Ermittler

Aktuell wird in 21 Städten ermittelt. In Hamburg sind sogar zwei Teams unterwegs. Es gibt sowohl Einzelgänger als auch größere Ermittlergruppen.

Besuch von Bond

Ex-Bond-Mime Roger Moore hatte einen Kurzauftritt in einer Bremer „Tatort“-Folge. Darin gab er Kommissar Stedefreund ein Autogramm.

Twitter-Tatort

Mehr als 9000 Tweets werden im Durchschnitt jeden Sonntagabend mit dem Hashtag #tatort verschickt. Bei der blutigen Ausgabe „Im Schmerz geboren“ waren es mehr als 20.000.

Auch die hohe Reichweite der NDR-„Tatort“-Produktionen – „Insgesamt haben in den Jahren 2012 bis 2015 zehn ‚Tatorte‘ die Zehn-Millionen-Marke übertroffen – ein in dieser Breite herausragender Wert“, so Gartzke – sieht der Rechnungshof nicht gerechtfertigt. „Die vom NDR erhoffte Reichweitensteigerung durch kostenintensivere Produktionen wird im Übrigen nicht durchgängig durch die Reichweitenmessung bestätigt.“ Und da ist, zumindest im Fall von Til Schweiger, durchaus was dran – sackten die Zuschauerzahlen innerhalb von vier Filmen doch von 12,74 Mio. auf 7,69 Mio. ab.

Des weiteren hat der Hamburger Rechnungshof mangelnde Transparenz bei den Kosten der Produktionsfirmen moniert: „Pauschale Abschläge, die der NDR im Rahmen seiner Prüfungen vornimmt, werden von ihm nicht begründet dokumentiert. (…) Die Rechnungshöfe halten dieses Verfahren für inhaltlich unzureichend, nicht ausreichend transparent und nicht hinreichend gegen Korruption gesichert.“

Gerade vor diesem Hintergrund der hohen Produktionskosten, habe der Rechnungshof den NDR daher aufgefordert, „nachvollziehbare Kriterien für die Überprüfung der Kalkulation zu entwickeln, durchgeführte Preisvergleiche zu dokumentieren und angemessene Vorsorge gegen Korruption zu treffen.“ Dazu NDR-Sprecher Martin Gartzke gegenüber Meedia: „Der NDR hat die Rechnungshöfe ferner darauf hingewiesen, dass bei der Prüfung der Kalkulationsunterlagen ein striktes Vier-Augen-Prinzip gilt und direktionsübergreifend durch Produktion und Redaktion erfolgt.“

Kommentare (1)

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Herr Grutte Pier

15.02.2017, 17:20 Uhr

tja, der Til will eben auch leben......

Er muss in seinem "Hipster"-Restaurant in Hamburg schon Leitungswasser f. 4,20€/Liter verkaufen um gerade so über die Runden zu kommen und nicht zu verhungern.

Zudem setzt er sich gutmenschlich, solidarisch und sozial für "Flüchtlinge" ein, er wollte sogar mal ein "Flüchtlingsheim" bauen.
Da ist wohl nicht's daraus geworden - man hat jedenfalls nichts mehr davon gehört.
Wahrscheinlich hat die Rendite nicht "gepasst" und aus der eigenen Tasche zahlen, will er sein "soziales" Engagement eh' nicht......

Hat er in seinem Restaurant eigentlich schon bunte "Facharbeiter" eingestellt?

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