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25.02.2017

12:48 Uhr

Proteste vor den Oscars

Hollywood wettert gegen Trump

Im Ringen um einen Oscar mögen sie Konkurrenten sein, in ihren Ansichten zu Donald Trump sind sie aber einer Meinung: Mit mehreren Aktionen gehen Schauspieler und Regisseure die Politik des US-Präsidenten an.

Kurz vor der Oscar-Gala hat eine Reihe von Hollywood-Stars für die Rechte von Einwanderern demonstriert. Reuters, Sascha Rheker

Jodie Foster

Kurz vor der Oscar-Gala hat eine Reihe von Hollywood-Stars für die Rechte von Einwanderern demonstriert.

Los Angeles Kinostars wie Jodie Foster (54) und Michael J. Fox (55) haben sich bei einer Protestkundgebung in Beverly Hills für Pressefreiheit sowie die Rechte von Einwanderern und Minderheiten engagiert. Zu der Aktion „United Voices“ hatte die Künstleragentur United Talent Agency (UTA) eingeladen, mehr als 1500 Menschen beteiligten sich am Freitag (Ortszeit). Der von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreisestopp für Menschen aus bestimmten Ländern war für die Agentur Anlass, ihre traditionelle Oscar-Party abzusagen und das Party-Budget für Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen zu spenden.

Die Kundgebung war nicht die einzige Protestaktion: Die deutsche Oscar-Anwärterin Maren Ade (40) veröffentlichte mit den anderen für den Auslands-Oscar nominierten Regisseuren ein Statement für Weltoffenheit. Die Filmemacher verurteilen darin „das Klima von Fanatismus und Nationalismus, das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern“.

Der Oscar und die Politik: Starke Worte in 45 Sekunden

Legendäre Dankesreden

Wie viel Politik passt in 45 Sekunden? Sehr viel, wenn man Hollywood-Star ist und bei der Oscar-Verleihung die halbe Welt zuschaut. Die kurze Zeit für ihre Dankesrede nutzte so mancher Schauspieler für ein politisches Statement. Fünf legendäre Beispiele.
Quelle: dpa

Am Katzentisch (1)

Hattie McDaniel spielte in „Von Winde verweht“ eine Haushälterin so gut, dass sie 1940 mit dem Oscar für die beste Nebenrolle ausgezeichnet wurde. Das wäre nicht weiter erwähnenswert - wäre McDaniel nicht die erste dunkelhäutige Schauspielerin gewesen, die einen Oscar erhielt. Selbst die Weltpremiere des Films in Atlanta hatte sie ihrer Hautfarbe wegen nicht besuchen dürfen.

Am Katzentisch (2)

Im Hotel der Preisverleihung wurde ihr ein Tisch am anderen Ende des Raumes zugewiesen. Mit Tränen in den Augen trat McDaniel ans Mikro und sagte: „Ich hoffe zutiefst, dass ich immer eine Quelle der Ehre für meine Rasse und die Filmindustrie sein werde.“

Patenschaft für Indianer (1)

Für seine Darstellung des „Paten“ sollte Marlon Brando 1973 einen Oscar bekommen. Doch war er nirgends im Saal zu sehen. Stattdessen schickte er die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather mit seiner Botschaft auf die Bühne.

Patenschaft für Indianer (2)

„Preise sollten in diesem Land nicht entgegengenommen werden, bis sich die Lebensbedingungen der amerikanischen Indianer drastisch verbessert haben“, hieß es in der Botschaft von Marlon Brando.

Des einen Freiheitskämpfer...

Vanessa Redgraves Darstellung einer jüdischen Widerstandskämpferin war der Akademie 1978 den Preis für die beste Nebenrolle wert. Auf der politischen Bühne engagierte sich die Schauspielerin allerdings für die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO.

...des anderen Oscar-Preisträgerin

Vor der Preisverleihung wurden sie und die Akademie deshalb von jüdischen Extremisten bedroht. In ihrer Rede dankte Redgrave der Oscar-Jury dafür, dass sie sich „von den Drohungen eines kleinen Haufens zionistischer Strolche nicht hat einschüchtern lassen“. Im Publikum wurde sowohl gebuht als auch applaudiert.

China, beweg dich (1)

Bei der Oscar-Verleihung 1993 versuchte sich Richard Gere in Konfliktlösung. Nicht als Preisträger, sondern als Preisverleiher war er auf die Bühne gekommen.

China, beweg dich (2)

Noch bevor er die Nominierten verkündete, richtete er sich an die chinesische Staatsführung: „Ich frage mich, ob hier nicht etwas Wundersames, wirklich Filmreifes passieren könnte“ - dass nämlich China seine Truppen aus Tibet abzieht. Gere konnte zwar Herzen bewegen, aber offenbar keine Soldaten.

Dear Mr. President

Als der Dokumentarfilmer Michael Moore im März 2003 die Trophäe für „Bowling for Columbine“ gewann, führte die USA seit drei Tagen Krieg gegen den Irak. Auf der Bühne angekommen, dankte Moore kurz seiner Film-Crew - und ging dann zum Angriff auf den damaligen US-Präsidenten über. „Wir sind gegen diesen Krieg, Mister Bush!“, rief er unter Applaus und Buhs ins Mikro. „Schande über Sie, Mister. Bush! Ihre Zeit ist abgelaufen!“

Zu den Unterzeichnern gehört der iranische Regisseur Asghar Farhadi („The Salesman“), der auch zu den UTA-Klienten zählt. Aus Protest gegen die Trump-Dekrete hatte er seine Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt. Am Freitag wurde er per Videobotschaft aus Teheran zur Kundgebung geschaltet. Er freue sich über die Unterstützung und die Solidarität der Filmgemeinschaft, sagte Farhadi.

Neben ihm und Ade unterzeichneten der Däne Martin Zandvliet, Hannes Holm aus Schweden sowie die für den australischen Beitrag nominierten Regisseure Martin Butler und Bentley Dean das am Freitag veröffentlichte Statement. Die sechs Filmemacher werden in der Nacht zum Montag in Konkurrenz um den Oscar für den besten ausländischen Film stehen.

Aber egal, wer gewinne, Grenzen im Kopf dürfe es nicht geben, heißt es in ihrem Statement: „Wir glauben nicht, dass es ein bestes Land, bestes Geschlecht, eine beste Religion oder Hautfarbe gibt. Wir wollen, dass diese Auszeichnung ein Symbol der Einheit zwischen den Nationen und der Freiheit für die Künste ist.“

Von

dpa

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