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17.08.2012

18:49 Uhr

Pussy Riot

Künstler entsetzt über Urteil gegen russische Band

Udo Lindenberg spricht von einem „idiotischen Urteilsspruch“ und Punkrock-Bands kündigen an weiter zu der Frauen-Gruppe zu stehen. Die Musikszene ist aufgebracht nach dem russischen Richterspruch

Sänger Udo Lindenberg in Chemnitz. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin hält er für „inzwischen voll daneben“. dpa

Sänger Udo Lindenberg in Chemnitz. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin hält er für „inzwischen voll daneben“.

BerlinDie zweijährige Haftstrafe für die drei Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot hat bei Künstlern und Bands Entsetzen ausgelöst. Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, kritisierte das Urteil als "politischen Skandal". Die russische Band Barto sagte im dapd-Interview, das Urteil werde die russische Gesellschaft weiter spalten und zu noch mehr Protesten führen. Punkrockbands wie Anti-Flag und Radio Havanna kündigten an, ihr Engagement für Pussy Riot auch künftig unvermindert fortzusetzen.

Die drei jungen Frauen waren am Freitag nach ihrem Punk-Gebet wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Sie hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche in einer spektakulären Aktion die Gottesmutter angerufen, Präsident Wladimir Putin zu verjagen.

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Staeck sagte: "Auch noch so provokante künstlerisch-politische Aktionen rechtfertigen keine derart drakonischen Strafen." Auf Dauer werde sich Russland zu einem zivilisierten Rechtssystem bekennen müssen, frei von jeder politischen Einflussnahme auf juristische Entscheidungen. Bis das der Fall sei, fordere die Akademie der Künste Freiheit für alle verfolgten russischen Künstler, die ihr Recht auf Kunst- und Meinungsfreiheit wahrnehmen. "Kein Schauprozess und kein noch so hartes Urteil wird den Geist der Freiheit unterdrücken können."

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Rockmusiker Udo Lindenberg bezeichnete die Verurteilung der russischen Musikerinnen von Pussy Riot als "idiotischen Urteilsspruch". Die Entscheidung werde eine Welle des Protestes nach sich ziehen, sagte Lindenberg. Russlands Präsident Wladimir Putin sei "inzwischen voll daneben" und "längst nicht mehr der lupenreine Demokrat", als den ihn der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seinerzeit angepriesen habe.

Die russische Band Barto reagierte mit großer Bestürzung auf die zweijährige Haftstrafe. "Das Urteil ist schrecklich und wir brauchen einige Zeit, um es zu verstehen, heute hat sich unser Land verändert", sagte die Sängerin des Duos aus St. Petersburg, Maria Lubicheva. Das Urteil werde die russische Gesellschaft weiter spalten. "Eine neue Welle von Protestkonzerten ist zu erwarten."

Kommentare (8)

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Petra

17.08.2012, 18:59 Uhr

Hätten die das in einer Moschee gemacht, hätte man sie gesteinigt oder verbrannt!

Palomino

17.08.2012, 19:27 Uhr

Genau, der Islam ist ja eigentlich viel schlimmer und die Scharia die ideale Referenzgröße für eine westlich orientierte, aufgeklärte Gesellschaft. In dem Lichte betrachtet, ist Putin ja glatt ein Menschenfreund und das Urteil so etwas wie leichter Hausarrest. Dieser immer wieder vorgebrachte Vergleich hinkt nicht nur, sondern ist auch dumm, denn er macht eine Willkürjustiz dadurch nicht besser. Die Werte einer Gesellschaft bemessen sich nicht an schlechten Beispielen anderer Gesellschaften.

norbert

17.08.2012, 19:55 Uhr

@petra
Hätten die privaten Moscheegänger oder die Administration so reagiert ?

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