Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2007

06:36 Uhr

Rafael Seligmann schreibt einen RAG-Roman

Die Kohlegipfel-Saga

VonJörg Hackhausen

In seinem Historienroman "Kohle-Saga" erzählt der Schriftsteller und Publizist Rafael Seligmann von der guten alten Zeit im Revier - ganz im Sinne des RAG-Konzerns. Er schildert ein Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte vom Beginn des Kohlebooms im Kaiserreich bis hin zum Niedergang der Kohleförderung Mitte des 20. Jahrhunderts.

DÜSSELDORF. Um 5:30 Uhr öffnet sich das Zechentor. Kumpel strömen herein, machen sich bereit für die Schicht unter Tage. In der Kaue tauschen sie ihre Kleidung gegen die Knappenkluft. Drillich, gestreiftes Hemd, Halstuch gegen den Staub, Speckdeckel, Kappe. Und als Schutz für die Arbeit im Sitzen: das Arschleder.

So beginnt vor hundert Jahren der Arbeitstag auf Zeche Shamrock in Herne. Die Maloche unter Tage war hart, aber solange die Ruhrkohle das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bildete, war die Welt in Ordnung. Die "Kohle-Saga" hat das Zeug zum Bestseller. Das war bereits klar, noch bevor das Buch kurz vor dem Weihnachtsfest erschienen ist. Der Energiekonzern RAG hatte das Werk mitfinanziert und gleich 80 000 Exemplare geordert, um sie den Mitarbeitern als Weihnachtsgeschenk unter den Baum zu legen.

Zur RAG gehört unter anderem die Deutsche Steinkohle AG. Sie betreibt die letzten acht deutschen Steinkohle-Bergwerke, sieben davon im Ruhrgebiet. Und während am kommenden Mittwoch beim nächsten Kohlegipfel wieder heftig um ein Auslaufen der Subventionen gestritten wird, kann es dem Konzern nur recht sein, wenn die "Kohle-Saga" nostalgisch an die große Zeit des Bergbaus erinnert.

Keine verstaubte Bergbau-Chronik, sondern eine lebendige Zeitreise sollte dabei herauskommen. Im Mittelpunkt steht die Bergarbeiterfamilie Bialo, die Seligmann Wirtschaftskrisen, Weltkriege und Wiederaufbau erleben lässt. Geschichte von unten. Vater Leopold Bialo stammt aus Polen. In den 1880er Jahren verlässt der Bauernjunge seine Heimat, um sein Geld als Kohlekumpel im Ruhrgebiet zu verdienen. Von Oberschlesien wandert der 17-Jährige zu Fuß nach Herne. Dort findet er Arbeit im Bergwerk, im Tanzlokal lernt er seine Frau Anna kennen.

Im Bergwerk macht Leo Bialo seine Arbeit mit links, daheim wird Anna schwanger. Bei der Entbindung kommt sie beinahe um. Dasselbe wiederholt sich bei der Geburt der Söhne zwei und drei, beim vierten Kind (ein Mädchen) ist es dann vorbei. Die Frau stirbt, das Kind aber lebt, die Saga geht weiter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×