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05.12.2012

12:22 Uhr

Rainer Fetting

Berliner Mauer - leicht verwischt

VonJohannes Wendland

Rainer Fetting gehörte Ende der siebziger und in den achtziger Jahren zu den Verfechtern einer neuen expressiven Malerei. Parallel schuf er Fotoarbeiten, die erst jetzt ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Ein Rundgang durch eine Ausstellung in der Galerie Deschler in Berlin.

Rainer Fetting: "Flucht aus New York", Farbfoto, New York 1978. (Ausschnitt) Galerie Deschler, Berlin

Rainer Fetting: "Flucht aus New York", Farbfoto, New York 1978. (Ausschnitt)

BerlinDüstere Wolken über New York, ganz so, als wäre ein Wirbelsturm Marke „Sandy“ im Anzug. Vor der blaugrauen Skyline ist nah und groß ein typisches New Yorker Taxi zu sehen, gelb mit einer Zierleiste mit Schachbrettmuster. Das Bild ist leicht schräg, als würde das Taxi links abwärts aus dem Bild fahren. Dramatik und Dynamik, Zufall und Kalkül mischen sich in diesem Bild, das im Grunde ein Schnappschuss ist. 1978 nahm der Berliner Maler Rainer Fetting dieses Foto auf und nannte es „Flucht aus New York“, ein Verweis auf das abrupte Ende eines Stipendienaufenthalts in New York, nachdem er dort aufgrund seiner Homosexualität bedroht worden war.

Diese Aufnahme zeigt die ganzen Qualitäten der Fotografien des 1949 geborenen Malers, der Ende der 1970er-Jahre als einer der Begründer der neuexpressionistischen Malerei der „Neuen Wilden“ in Berlin bekannt wurde – Fotografien, die bislang nie öffentlich gezeigt wurden und jetzt in einem neuen Bildband und einer Ausstellung der Berliner Galerie Deschler www.deschler-berlin.de entdeckt werden können. Der Blick des Malers ist überall zu erkennen, etwa in den Farben, der Gestaltung des Motivs und dem radikal subjektiven Blick. Das Foto „Flucht aus New York“ könnte die Vorlage für ein Gemälde gewesen sein, zugleich markiert es auch einen wichtigen Augenblick im Leben des Künstlers.

Die „Factory“ als Vorbild

Weit zurück in die siebziger und achtziger Jahre führt die sorgfältig gehängte Schau, die der Künstler selbst zusammengestellt hat. New York mit seiner ruppigen Stadtlandschaft am Ende der 1970er-Jahre, die U-Bahn, Künstler- und Schwulenszene ist hier zu sehen, ebenso das West-Berlin der Jahre vor 1989. Anders als bei vielen anderen Künstlern seiner Generation ist die Mauer in seinen Werken – Fotografien wie Malereien – ständig präsent.

Künstlerische Vorbilder sind erkennbar, etwa die schnelle Kunstproduktion der „Factory“ von Andy Warhol, mit dem Fetting in Kontakt stand, oder die Ästhetik des Kultfilms „Taxi Driver“ von Martin Scorsese. In einer Serie kombinierte Fetting Selbstporträts mit dynamischen Aufnahmen von schweren Trucks, einem beliebten Motiv der US-amerikanischen Popkultur und zugleich einem unverkennbaren Männlichkeitssymbol. Die Fotografien dokumentieren aber auch die Künstlerszene rund um die Berliner Galerie am Moritzplatz, die Fetting zusammen mit Malern wie Helmut Middendorf oder seinem zeitweiligen Lebensgefährten Salome gegründet hatte.

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