Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2014

07:22 Uhr

Raubkunst

Wieder ein Fall für die Limbach-Kommission

VonLucas Elmenhorst

Juan Gris' Stillleben mit Geige und Tintenfass ist ab 1925 in der Galerie des von den Nazis verfolgten Kunsthändlers Alfred Flechtheim nachzuweisen. 1967 erwarb es die Kunstsammlung NRW. Jetzt soll die Limbach-Kommission eine Empfehlung aussprechen, ob das Werk an die Erben Flechtheims zurückgegeben werden soll.

Juan Gris: "Stillleben (Geige und Tintenfass)", 1913. Im Streit um das Bild ruft die Kunstsammlung NRW die beratende Limbach-Kommission an. Foto: Rolf Vennenbernd dpa

Juan Gris: "Stillleben (Geige und Tintenfass)", 1913. Im Streit um das Bild ruft die Kunstsammlung NRW die beratende Limbach-Kommission an. Foto: Rolf Vennenbernd

BerlinDer jüdische Galerist Alfred Flechtheim (1878-1937) war neben Paul Cassirer der wohl bekannteste Händler für avantgardistische Kunst in der Weimarer Republik. Seine Ausstellungseröffnungen waren gesellschaftliche Ereignisse im Berlin der 1920er-Jahre. Der Sohn eines sehr wohlhabenden Getreidegroßhändlers investierte auch die gesamte, beträchtliche Mitgift seiner Frau Betty Goldschmidt in Kunstankäufe. Mit sicherem Gespür erwarb er Bilder etwa von Pablo Picasso, Paul Cézanne, Paul Gauguin, Edgar Degas, Henri Matisse, Paul Klee und Max Beckmann, als alle diese Werke noch bezahlbar waren.

Als vermögender Jude und prominenter Vertreter der Avantgarde war Flechtheim seit 1932 den aufstrebenden Nationalsozialisten verhasst. Auf ihren systematischen Druck hin musste er bereits im Frühjahr 1933 seine Düsseldorfer Galerie schließen, deren gesamten Bestand sich sein langjähriger Mitarbeiter und Geschäftsführer, Stahlhelm-, SA- und NSDAP-Mitglied Alex Vömel umgehend im Zuge der „Arisierung“ aneignete. Im November 1933 wurde auch für seine Berliner Galerie das Liquidationsverfahren eröffnet, das 1934 mit einem Vergleich endete. Da war Flechtheim schon über Paris nach London emigriert, wo er mittel- und erfolglos bis zu seinem Tod 1937 versuchte, als Kunsthändler Fuß zu fassen.

Entscheidungen sind nicht bindend

Nach jahrelangen fruchtlosen Verhandlungen um das kubistische Stillleben „Geige und Tintenfass“ (1913) von Juan Gris (1887-1927) haben sich beide Seiten, Flechtheims Erben und die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, nun endlich bereit erklärt, den Fall der Limbach-Kommission für eine Empfehlung vorzulegen.

Die Entscheidungen der Raubkunstkommission, benannt nach ihrer Vorsitzenden, der ehemaligen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, sind nicht bindend. Das Gemälde „Geige und Tintenfass“ (1913) ist nicht der erste Fall eines Werks aus der Sammlung Flechtheim, mit dem sich die Limbach-Kommission beschäftigt. Das Kölner Museum Ludwig hatte 2013 auf Empfehlung der Kommission Oskar Kokoschkas „Portrait Tilla Durieux“ (1910) restituiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×