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25.02.2013

15:25 Uhr

Reaktionen

Österreich feiert seine Oscar-Sieger

VonStefan Menzel

In Österreich herrscht Jubel wie nach einem großen Ski-Triumph – die für die Alpenrepublik so erfolgreichen Oscar-Verleihungen sind Thema Nummer eins. Und auch die Politiker nutzen im Wahljahr die Gunst der Stunde.

Erfolgreicher Österreich-Export: Michael Haneke mit dem Oscar den besten nicht-englischsprachigen Film. AP/dpa

Erfolgreicher Österreich-Export: Michael Haneke mit dem Oscar den besten nicht-englischsprachigen Film.

WienÖsterreichs Radio- und Fernsehsender kennen seit den frühen Morgenstunden nur noch ein Thema: der zweifache österreichische Triumph bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Auch im Internet und in den sozialen Netzwerken der Alpenrepublik sind die prestigeträchtigen Trophäen für Michael Haneke und Christoph Waltz das Top-Thema. Österreich jubelt am Montag fast so lautstark wie bei einem großen Ski-Erfolg bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften.

Auch die Politiker der Alpenrepublik überbieten sich gegenseitig mit ihren Lobeshymnen für die siegreichen Filmemacher aus dem eigenen Land. Schließlich wird im Herbst in Österreich ein neues Parlament gewählt, die Politiker sonnen sich deshalb allzu gern im Glanz von Haneke und Waltz. Gleich vorweg gratulierte am Morgen Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer. Er sprach von einem „großen persönlichen Erfolg“ für die beiden Künstler. Für den österreichischen Film sei die Auszeichnung „enorm wertvoll“.

Die Preisträger aus dem vergangenen Jahr

Bester Film

Der Thriller „Argo“ hat den Oscar als bester Film gewonnen. Der Film von Regisseur Ben Affleck um eine CIA-Rettungsaktion von US-Geiseln im Iran beruht auf wahren Begebenheiten.

Beste Regie

Fast noch mehr als Ang Lee strahlt seine Frau, der er für 30 Jahre Ehe dankt. Der 58-Jährige erhält den Oscar für die beste Regie für „Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger“.

Bester Hauptdarsteller

Standing Ovations für Daniel Day-Lewis: Der 55-Jährige erhält den Oscar als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in „Lincoln“. Der irisch-britische Schauspieler ist gerührt, findet aber Zeit für Scherze: Eigentlich sei Meryl Streep (63) für die Rolle des Abraham Lincoln vorgesehen gewesen, er habe stattdessen Margaret Thatcher spielen wollen.

Beste Hauptdarstellerin

Jennifer Lawrence wurde für ihre Rolle in „Silver Linings“ als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Bester Nebendarsteller

Christoph Waltz ist atemlos und kämpft mit den Tränen - in der einen Hand den Oscar des besten Nebendarstellers für seine Rolle in „Django Unchained“, in der anderen den Umschlag, der seinen Namen enthalten hat.

Beste Nebendarstellerin

Anne Hathaway holte den Nebendarsteller-Oscar für das Musical „Les Misérables“.

Bester nicht-englischsprachiger Film

Regisseur Michael Haneke dankt seiner Liebe: „Du bist die Mitte meines Lebens“, sagte er in seiner Rede zu seiner Ehefrau. Für „Liebe“ gewann Haneke den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. Aber auch ohne die Schauspieler wäre er jetzt nicht hier, so der 70-Jährige.

Bester Kamera und beste Spezialeffekte

„Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ hat einen Lauf. Der Film erhält hintereinander den Oscar für die beste Kamera und die besten Spezialeffekte. Insgesamt war das 3D-Märchen elfmal nominiert.

Beste Filmmusik

Aller guten Dinge sind drei. „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ erhält den Oscar für die beste Filmmusik. Bestes Filmlied wird „Skyfall“ von Adele Adkins und Paul Epworth aus dem gleichnamigen James Bond-Film. Kurz kämpft Adele mit den Tränen, dann überwiegt das Strahlen. Die Hauptdarsteller von „Chicago“ überreichen die Preise. Das Filmmusical hatte vor zehn Jahren den Oscar für den besten Film bekommen.

Drehbuch und Schnitt

Zwei weitere Auszeichnungen für „Argo“. Der „beste Film“ bekam zudem Oscars in den Kategorien adaptiertes Drehbuch und Schnitt.

Die österreichische Regierung hielt sich nicht lange mit dem Lob für die beiden neuen Landeshelden zurück. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wünschte Waltz und Haneke, dass sie „auch bei ihren kommenden Projekten mit viel Kraft und Freude bei der Arbeit sein können“. Natürlich durfte auch der konservative Koalitionspartner ÖVP bei der Gratulationstour nicht fehlen. Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger bezeichnete Haneke und Waltz als „großartige Kulturbotschafter Österreichs“. Ihr Erfolg zeige, dass der österreichische Film „höchste internationale Anerkennung findet“.

Video

Die Nacht der Österreicher

Video: Zwei Oscars für Österreicher

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Unumstritten ist dieses Mal, dass Österreichs politische Elite auch Christoph Waltz als eigenem Staatsbürger zur Oscar-Auszeichnung gratulieren darf. Vor drei Jahren, als der 56-Jährige in Los Angeles seinen ersten Oscar bekommen hatte, war das noch viel schwieriger. Damals besaß Waltz nämlich nur einen deutschen Pass, den er quasi automatisch nach seiner Geburt von seinem Vater übernommen hatte. Waltz ist aber in Wien geboren und fühlt sich durch und durch als Österreicher. Deshalb war es für ihn kein allzu großes Problem, vor drei Jahren nach der ersten Oscar-Verleihung den österreichischen Pass zu bekommen. Und die Politiker wollten ein solch prominentes Landeskind natürlich gern zu einem echten Österreicher machen.

Michael Haneke hatte gleich nach der Oscar-Verleihung eine Forderung an eben jene führenden Politiker des eigenen Landes parat, die die österreichische Filmerfolge so gern auf ihre eigenen Fahnen schreiben. Haneke bezeichnete den Oscar-Gewinn als Auszeichnung „für die österreichische Filmförderung“. Nur weil er in jungen Jahren ebenfalls von dieser Filmförderung profitiert habe, sei seine spätere internationale Karriere überhaupt erst möglich geworden. Die Botschaft an die eigenen Politiker war klar: Wenn Österreich bei seinen öffentlichen Ausgaben sparen müsse, dann bitte nicht bei der Filmförderung.

Die zuständige Kulturministerin Claudia Schmied gehörte ebenfalls zum Kreis der ersten Gratulanten. Sie hofft, dass der Erfolg von Haneke und Waltz im eigenen Land abfärbt und „vielen jungen Künstler in Österreich neue Motivation gibt“. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Ministerin auf die Warnungen von Michael Haneke hört und nicht an Kürzungen bei der Filmförderung denkt.

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