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12.07.2011

10:30 Uhr

Red Dot Award

Neues deutsches Design

Quelle:WirtschaftsWoche

Es war ruhig geworden um das deutsche Design, nachdem es mit Bauhaus, Wagenfeld und Braun Jahrzehnte als herausragend galt. Doch nun mischen deutsche Gestalter wieder die internationale Designerszene auf.

Er ist nicht nur edel, sondern auch stabil und bequem - der Chassis von Wilkhahn. Quelle: reddot.org

Er ist nicht nur edel, sondern auch stabil und bequem - der Chassis von Wilkhahn.

Ein dunkler Flur in einem leicht schäbigen Wohnhaus in München. "Vorsicht, Stufe", sagt Stefan Diez und führt den Besucher auf einen zugewucherten Hinterhof. Dahinter liegt der geschmackvoll modernisierte Werkschuppen. Hier residiert das Team des Designers. Handtücher hängen über dem Geländer der Galerie, ein Pullover über einem Modell eines Koffers, Kinder laufen herum.

Kaum einer der Menschen, die am Bildschirm einem Möbel den letzten Schliff geben oder aus Styropor und Pappe einen Showroom gestalten, ist älter als 40 Jahre. Die Atmosphäre einer Wohngemeinschaft schwebt über dem Studio.

Der Eindruck täuscht. Tatsächlich ist Diez der Jungstar der internationalen Designszene, sein Studio ist ein professionell aufgezogener Kreativbetrieb. Sein jüngster Erfolg ist ein Stuhl für den niedersächsischen Büromöbelbauer Wilkhahn aus selbsttragendem Blech, eine Technik, die er der Automobilindustrie abgeschaut hat.

Der Stuhl wirkt grundstabil und filigran zugleich. "Das hat vor uns noch niemand gemacht", sagt Diez, der am 4. Juli für den Stuhl bei der Gala des renommierten Essener Designwettbewerbs red dot die Auszeichnung "Best of the Best" bekommt.

Glanz des Bauhaus' kehrt zurück

Diez ist Vertreter der neuen deutschen Designszene, die seit einigen Jahren der Branche international wieder Glanz gibt. Jenen Glanz, den deutsche Entwürfe zu Bauhaus-Zeiten und zwischen 1955 und 1980 hatten. "Deutsches Design wird heute viel stärker wahrgenommen als noch vor wenigen Jahren", sagt Paolo Tumminelli, der an der Kölner Fachhochschule Design lehrt. Im April erst widmete das renommierte Londoner Design- und Einrichtungsmagazin "Wallpaper" eine Spezialausgabe unter dem Titel "Going Deutsch" der erblühenden Designszene zwischen Garmisch und Flensburg. Deutschland, so behauptet das Blatt, habe sich im Stillen wieder zu einer Designmacht entwickelt.

Es wurde auch Zeit. Deutschland war in den vergangenen 30 Jahren zurückgefallen. Dabei galt seit der Gründung des Bauhauses 1919 deutsches Design als Referenz. Vor dem Krieg waren es die Lampen des Bauhaus-Lehrers Wilhelm Wagenfeld oder der coole Charme der Barcelona-Sessel seines Kollegen Ludwig Mies van der Rohe, die den Geschmack der Epoche zum Ausdruck brachten und prägten.

Experte fürs Schöne

Danach, ab Mitte der Fünfzigerjahre, revolutionierte Dieter Rams, seinerzeit Designer bei der hessischen Elektrofabrik Braun, mit der Phonotruhe SK 4, bekannt als Schneewittchensarg, das Design hierzulande. Rams Entwürfe, vor allem sein Taschenradio T3, gelten als konzeptionelle Vorläufer der Geräte von Apple. Dessen Chefdesigner Jonathan Ive wird nicht müde, Rams als Inspirator zu nennen. Doch von dem gestalterischen Drive, der die Deutschen an die Weltspitze brachte, war seit etwa 1985 wenig zu spüren. Italiener und Japaner hatten in vielen Produktgruppen die Führung übernommen.

Jetzt holen die Deutschen wieder auf. Tatsächlich hat die Branche doppelt aufgerüstet. Nicht nur, dass – vor allem in München – eine neue Designszene entstanden ist. Auch die Unternehmen haben dem Design endlich die Rolle zugebilligt, die ihm als einer der wichtigsten Gewinntreiber zusteht.

Von einer Randposition haben sich die Experten fürs Schöne in die zentralen Entscheidungsräume der Unternehmen vorgekämpft. "Deutsche Unternehmen sind vorbildlich, wenn es um Designmanagement geht", sagt Peter Zec, Chef des Essener Design Zentrums Nordrhein-Westfalen, das den Designpreis red dot vergibt.

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