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13.07.2011

14:53 Uhr

Regisseur Oliver Storz ist tot

Unruhig und unbeirrbar bis ins hohe Alter

Er erfand den „Tatort“-Kommissar Haferkamp, schrieb die Kultserie „Raumpatrouille Orion“ und „Im Schatten der Macht“, doch Zeit seines Lebens trieb ihn die Nazizeit um. Nun ist der Regisseur und Autor Oliver Storz tot.

Der Schriftsteller, Regisseur und Drehbuchautor Oliver Storz ist tot. Quelle: dpa

Der Schriftsteller, Regisseur und Drehbuchautor Oliver Storz ist tot.

MünchenMit Leichtigkeit zog Oliver Storz sein Publikum in seinen Bann: Dezent und zugleich direkt und prägnant - so sprach er und so schrieb er. Der Schriftsteller und Filmemacher ist nach schwerer Krankheit mit 82 Jahren am 6. Juli in seinem Haus in Egling bei München gestorben. Dies teilte der Präsident des Schriftstellerverbandes PEN, Johano Strasser, mit und bestätigte einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

„Trotz seines hohen Alters hat er immer noch Filme gemacht und Bücher geschrieben, die Eindruck gemacht haben auch bei jungen Leuten“, würdigte ihn Strasser. Der Schriftsteller Martin Walser bezeichnete ihn in einem Nachruf in der „Süddeutschen Zeitung“ als „Erzähler mit einem Feingefühl für Richtigkeit, Gerechtigkeit und Schicksalspointen, die moralisch nicht anfechtbar sind“.

SWR-Intendant Peter Boudgoust würdigte Storz als herausragenden Vertreter der Filmkunst im Fernsehen. „Das deutsche Fernsehen verliert mit dem Tod von Oliver Storz eine unvergleichliche Stimme“, sagte Boudgoust. Storz sei Vorbild für eine ganze Generation von Regisseuren gewesen und dabei eine Ausnahmeerscheinung geblieben. Er sei unbeirrbar und bis ins hohe Alter als Drehbuchautor und Regisseur produktiv gewesen.

Immer wieder war es das Chaos am Ende des Zweiten Weltkrieges und die erste Nachkriegszeit: In vielen Werken beschrieb Oliver Storz bildhaft, direkt, tabulos und mit satirischem Blick diesen Teil der deutschen Geschichte. „Ich könnte 100 werden und könnte immer noch Geschichten aus dieser Zeit erzählen“, sagte er zu seinem 80. Geburtstag.

Storz konnte sich einen Ruhestand nicht vorstellen. Im Jahr 2000 wurde er Mitarbeiter der „Süddeutschen Zeitung“ und verfasste Texte für die Medienseite. Zu seinem 80. Geburtstag 2009 zeigte die ARD seinen neuen Film „Die Frau, die im Wald verschwand“, ein Sittenbild der 1950er Jahre. „Ich kann nicht leben, ohne innerlich etwas hervorbringen zu wollen. Und wenn Sie mich morgen an den schönsten Strand von Mallorca verpflanzen - ich fange sofort an, eine Geschichte zu schreiben, die in Mallorca spielt“, sagte Storz.

Die Familie, die beiden Töchter und die Enkel, das sei ihm sehr wichtig. Dennoch: „Was ich brauche, ist ein Stoß Papier, eine alte abgeklapperte Reiseschreibmaschine, eine Kanne Kaffee und eine Schachtel Zigaretten.“ Denn das Rauchen hat er, ähnlich wie Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, bis ins hohe Alter nicht aufgegeben.

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