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29.03.2012

13:19 Uhr

Reinhard Mucha

Der "kluge Knecht" aus Düsseldorf

VonChristiane Fricke

Reinhard Muchas Objekte und Raum-Installationen präsentieren sich auf den ersten Blick wie sperrige Konstruktionen. Ihre historisch aufgeladenen Materialien haben viel zu erzählen, besonders über die Düsseldorfer Kunstszene der siebziger und achtziger Jahre. Seine Einzelausstellung bei der Frankfurter Galeristin Bärbel Grässlin ist eine Mischung aus Gesamtkunstwerk und Retrospektive .

Reinhard Mucha: "Frankfurter Block", 2012. Vierteilige Rauminstallation. Foto: Wolfgang Günzel, Offenbach Bärbel Grässlin/VG Bild-Kunst Bonn 2012

Reinhard Mucha: "Frankfurter Block", 2012. Vierteilige Rauminstallation. Foto: Wolfgang Günzel, Offenbach

FrankfurtGeschadet hat ihm die Abstinenz nicht; wohl eher die Ruhe zum Arbeiten beschert, nach der sich so mancher Künstler sehnt. Seine letzte Galerieausstellung liege 13 Jahre zurück, erklärt Reinhard Mucha anlässlich seiner jüngsten Schau in der Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt. Die Einzelausstellung in der Düsseldorfer Galerie Van Horn vor zweieinhalb Jahren scheint er vergessen zu haben.

Mucha, Jahrgang 1950, schüttelt freundlich lächelnd sein gelocktes graues Haar. Er macht keinen so vergesslichen Eindruck. Nach Frankfurt kam er, um während der Laufzeit seiner Ausstellung noch einmal letzte Hand an ein zweiteiliges Werkensemble zu legen, das 2007 eigentlich schon vollendet war. Eine zu dicht geratene Schraffur aus roter Lackfarbe auf dem Sichtglas störte ihn. Die balkenartigen Strichlagen sind ein typisches Erkennungsmerkmal, das seine sperrigen, eher zur Skulptur tendierenden Wandobjekte in die Zweidimensionalität zwingt.

Der bewegte Betrachter

Mit sperrig sind Muchas Objekte und Raum-Installationen nur unzureichend charakterisiert. Sie wirken wie mächtige, vom Material her gedachte Konstruktionen im Grenzbereich von Architektur und Skulptur; und sie haben die Tendenz, optisch zu überwältigen. Das war schon in den frühen achtziger Jahren so, als Mucha noch am Anfang seiner künstlerischen Laufbahn stand. Im Gedächtnis ist seine kafkaeske Installation „Der Bau“, mit der er 1984 als junger Künstler auf Kasper Königs wichtiger Übersichtsschau „von hier aus“ in den Düsseldorfer Messehallen vertreten war (Sammlung Grässlin). Erinnert sei auch an das unüberschaubare „Deutschlandgerät“ (1990/2002), um dessen Verbleib im Ständehaus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K21) vor einigen Jahren gestritten wurde.

Muchas Werke entziehen sich dem einen, alles erfassenden Blick; sie fordern die Bewegung des Betrachters, das Abtasten ihrer Teile durch die Augen. Das Wandobjekt „Der kluge Knecht“ von 2002 etwa entfaltet sich mit seinen Bild- und Textbestandteilen auf vier Metern Länge. Zusammengehalten wird das Ganze durch den metallisch schimmernden, dicken Rahmen aus Aluminium, frontseitig geätztem Glas, mattgrauem Filz und einer rückwärtigen Konstruktion aus Tischlerholz. Die Materialität dieses beeindruckenden Objekts, für das Grässlin 400.000 Euro ansetzt, beansprucht die Aufmerksamkeit noch bevor der Blick auf die darin enthaltenen Bildelemente fällt: eine historische Schwarzweißfotografie aus Studententagen, die fotokopierte Geschichte vom klugen Knecht und zwei Videoanimationen auf kleinen Bildschirmen.

Das Eigene entgegensetzen

Auf der statisch aufgefassten Fotografie posieren mittig der Kopf Klaus Rinkes (Muchas Lehrer an der Kunstakademie), und darüber ein fast im Dunkel verschwindender junger Reinhard Mucha. Die beiden Videos sind dagegen voll Bewegung. Ein kleiner Junge (Mucha) vollführt Purzelbäume, eine Bewegung nach Links, die formal in den verspielten Schleifen wiederkehrt, mit denen Mucha das Frontglas ätzte. Es scheint, als hätte der Künstler damit dem strengen Konzeptualisten Rinke – nach dem Vorbild der Geschichte vom klugen Knecht – etwas Eigenes entgegensetzen wollen.

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