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19.11.2011

09:45 Uhr

Renaissance

Wie Banker sich mit Kunst profilieren

VonChristian Herchenröder

Das Wechselspiel von Finanzsystem und Kunst zu Beginn der Neuzeit ist Thema der Ausstellung „Geld und Schönheit“ in Florenz. Die Idee: Fakten zur Wirtschaftsgeschichte werden von Kunstwerken illustriert.

Sandro Botticelli: „Verleumndung des Appelles“ (Ausschnitt) Fondazione Palazzo Strezzi

Sandro Botticelli: „Verleumndung des Appelles“ (Ausschnitt)

FlorenzDie Szene ist entlarvend: In dem um 1540 entstandenen Gemälde des Niederländers Marinus van Reymerswaele sind zwei „Wucherer“ beim Zählen und Verbuchen von Münzen dargestellt. Der Geldhaufen und die Augen der Dargestellten bilden ein magisches Dreieck, ihre Hände sind gierig gekrümmt. Dahinter ein Vanitasstillleben mit erloschener Kerze, abgelegten Briefen und Papieren, das auf die Endlichkeit allen Tuns verweist.

Die noble Kleidung des geldgeilen Duos stützt die Aussage „Alles ist eitel“. Sie beschwört die Vergangenheit, denn sie ist der Ära des viel älteren Malers Jan van Eyck verpflichtet, der diesen allegorischen Bildtypus mit einem heute verlorenen Gemälde geprägt hatte.

Das Moralbild hängt in einer Ausstellung im Florentiner Palazzo Strozzi, die unter dem Titel „Geld und Schönheit“ zwei Welterscheinungen verbindet: die Geburt der Renaissance und den Aufstieg des modernen Bankensystems. Die Präsentation ist zweistimmig angelegt: Dokumente zur Wirtschaftsgeschichte werden von Kunstwerken flankiert, die diese historischen Fakten illustrieren. Nicht immer sind dies die besten Werke, obwohl doch die Museen und Kirchen in Florenz voll davon sind.

Der Aufschwung von Florenz zur mächtigen Banken- und Handelsmetropole begann 1252, als die Prägung des Goldflorins den Geldumlauf förderte. Bereits am Ende des 13. Jahrhunderts hatten die rund 80 Bankhäuser in Florenz ein perfekt funktionierendes Banksystem mit Kredit und Wechsel etabliert, das die mittelalterlichen Methoden von Barzahlung und Tausch ersetzte.

Schon im vorherigen Jahrhundert war der Wechsel (lettera di cambio) in Norditalien als mobiles Zahlungsmittel in Umlauf, weil er die Kaufleute vor Räuberei schützte. Als Hauptmittel des Geldtransfers und Kreditwesens gewann er in den Banken der Arnostadt eine immer größere Bedeutung, weil mit ihm das kirchliche Verbot des Geldverleihs und Wuchers zu umgehen war, obwohl ja gerade der Vatikan größter Nutznießer solcher Transaktionen war. Nur den Juden, die in Florenz einen gelben Kreis auf der Kleidung tragen mussten, waren direkte Kreditgeschäfte erlaubt.

Kommentare (1)

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19.11.2011, 17:11 Uhr

Viel interessanter ist doch wie sich die Banker mit Kunst z.B.auf den Caymans Steuerhinterziehungsmodelle ausgedacht haben. Nachzulesen in Rudolf Elmers Buch "Bankenterror"

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