Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.12.2016

11:29 Uhr

Rezension "Die dritte Welle"

Der ewige Netzoptimist

VonLaura Waßermann

Als AOL-Gründer glaubte Steve Case früh an die Transformationskraft des Internet. Nun sieht der Regierungsberater Deutschland als kommende Bedrohung für die Dominanz der USA im World Wide Web.

Der AOL-Gründer sieht Deutschland als Bedrohung für die Internet-Dominanz der USA. AP

Steve Case

Der AOL-Gründer sieht Deutschland als Bedrohung für die Internet-Dominanz der USA.

Steve Case bekam Lust an der Welt der Unternehmensgründer, bevor er ein Teenager war. Deshalb beginnt er sein Buch „Die dritte Welle“ mit dieser Geschichte von zwei hawaiianischen Jungen – er zehn, sein Bruder Dan elf – die den Traum hatten, erfolgreich zu sein. Tatsächlich wurde Case nur 22 Jahre nach dem Bauchladen-Verkauf von Hochzeits- und Geburtstagskarten der CEO von America Online, kurz: AOL – einer der erfolgreichsten Internetfirmen jemals.

Bis heute gibt Case nicht auf, als Internet-Pionier der ersten Stunde auf immer neuen Wellen des Internets mitzusurfen – inzwischen mehr als Investor und Regierungsberater denn als Unternehmer. Sein aktuelles Projekt: das Internet der Dinge zu durchschauen. In seinem neuen Buch versucht sich Case an einer Erklärung, die dritte Welle, so nennt er die aktuelle Phase des Internets, als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft in den USA zu sehen. Nachdem sein AOL, Netscape und andere Firmen in der „ersten Welle“ das kommerzielle Internet etablierten, bauten Firmen wie Google oder Facebook in der „zweiten Welle“ Suchmaschinen und soziale Netzwerke, die eine Nutzung für jedermann ermöglichten.

In der „dritten Welle“ - dem Internet der Dinge - wähnt Case das Gesundheits-, das Bildungs- und das Ernährungssystem vor der digitalen Transformation. Er entwirft eine neue Welt, in der Smartphones Gerinnsel im Hirn feststellen oder die Anzeichen eines Herzinfarkts frühzeitig erkennen. Das Bildungssystem will er individueller und datenbasierter machen. Eltern sollen interaktiv in das Schulleben ihrer Kinder einbezogen werden – mit Hilfe von Apps und virtuellen schwarzen Brettern. Und das alles geht nur mit großen Datenmengen. Lebensmittel wie Fleisch könnten laut Case in Echtzeit überwacht werden, auf dem Weg vom Supermarkt bis hin zum eigenen Kühlschrank. Das ließe sich auf jede Art von Lebensmittelüberwachung übertragen. Wo viele Deutsche Fragen nach dem Schutz der in Umlauf gebrachten Daten stellen würde, sieht Case nur Chancen – solche Bedenken ignoriert er in der Regel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×