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26.11.2014

12:20 Uhr

Rezension „The Green Prince“

Vom Hamas-Kämpfer zum israelischen Spion

VonMarcel Reich

Der Hass gegen Israel wurde dem Palästinenser Mosab Hassan Yousef in die Wiege gelegt – als Sohn eines Hamas-Führers. Doch anstatt zu töten, wird er zum Spion für Israel. „The Green Prince“ erzählt seine Geschichte.

Mosab Hassan Yousef (l.) und sein Kontaktagent Gonen Ben Yitzhak in „The Green Prince“. Zwischen den beiden entwickelt sich eine gefährliche Freundschaft. dpa

Mosab Hassan Yousef (l.) und sein Kontaktagent Gonen Ben Yitzhak in „The Green Prince“. Zwischen den beiden entwickelt sich eine gefährliche Freundschaft.

DüsseldorfSchon als Kind hasste Mosab Hassan Yousef die Israelis mehr als alles andere. Die Wut wurde dem ältesten Sohn von Hamas-Mitbegründer Scheich Hassan Yousef in die Wiege gelegt. Doch er entscheidet sich anders: Über ein Jahrzehnt arbeitet er als Informant für den israelischen Geheimdienst.

Was Stoff genug für einen Hollywood-Thriller wäre, ist die wahre Lebensgeschichte des Palästinensers, die der Dokumentarfilm „The Green Prince“ erzählt. „Mein Ziel war es, Israelis zu töten, aber Allah hatte andere Pläne“, sagt Mosab Hassan Yousef direkt zu Beginn des Films.

Sein Vater wurde jahrelang von Israelis eingesperrt, er kannte nichts anderes als den blanken Hass auf diejenigen, die seinen Vater leiden ließen. Er selbst, Jahrgang 1978, nahm den Kampf für die Hamas auf, die von seinem Vater mitbegründet wurde - ein Familiengeschäft sozusagen.

Der Film: Alle Infos zu „The Green Prince“

Mosab Hassan Yousef

Mosab Hassan Yousef wurde 1978 in Ramallah geboren. Er ist der älteste Sohn des Hamas-Mitgründers Scheich Hassan Yousef. 2005 konvertierte er zum Christentum, 2007 floh er in die USA. Er beantragte Asyl, welches zunächst im Februar 2009 abgelehnt, ihm aber vom Einwanderungs-Gericht San Diegos am 30. Juni 2010 bewilligt wurde.

Buch

In seinem Buch „Sohn der Hamas. Mein Leben als Terrorist“, das er während seines Aufenthaltes in den USA schrieb, schildert er das Leben als Palästinenser bis zu seiner ersten Verhaftung mit 18 Jahren, seinen Gefängnisaufenthalt und seine Agententätigkeit, die er im Jahr 1996 begonnen hatte.

Schin Bet

Schin Bet ist die Kurzbezeichnung des israelischen Inlandsgeheimdienstes in Tel Aviv, der 1949 errichtet wurde. Schin und Bet sind die Anfangsbuchstaben von Scherut Bitachon (zu deutsch: „Sicherheitsdienst“). Er zählt neben dem militärischen Nachrichtendienst Aman und dem Auslandsgeheimdienst Mossad zu den israelischen Geheimdiensten.

Scheich Hassan Yousef

Scheich Hassan Yousef (geboren 1955, aufgewachsen in al-Janiya) ist ein Muslimbruder und Mitbegründer der Hamas. Von 2006 bis zum 3. August 2011 war er wegen seiner Aktivitäten während der Zweiten Intifada in israelischer Haft. Im Zuge einer Ramadan-Amnestie kam er frei um nach vier Wochen erneut verhaftet zu werden.

Neuverfilmung

Die amerikanische Produktionsfirma Electric City Entertainment erwarb im Frühjahr 2014 die Rechte für ein Spielfilmremake von „The Green Prince“.

Produktionsländer

„The Green Prince“ ist eine Gemeinschaftsproduktion aus Deutschland, Israel und dem Vereinigten Königreich.

Auszeichnung

Der Film wurde auf dem Sundance Film Festival 2014 uraufgeführt und gewann dort den Audience Award „World Cinema Documentary“.

Als 17-Jähriger landet er nach illegalen Waffenkäufen für den bewaffneten Widerstand selbst im israelischen Gefängnis. Der israelische Geheimdienst Schin Bet erkennt die Chance, den Sohn des Hamas-Führers als Informanten zu gewinnen und setzt den Agenten Gonen Ben Yitzhak auf ihn an.

Mit psychologischen Tricks gelingt es Yitzhak, den Palästinenser umzudrehen. Unter dem Decknahmen „The Green Prince“ arbeitet er fortan für die Israelis. Um keinen Verdacht zu erwecken, steckt der israelische Geheimdienst Mosab eine Zeit lang zu den anderen Hamas-Häftlingen.

Und die kennen keinen Spaß, foltern und töten ihre eigenen Leute, wenn sie nur den kleinsten Verdacht haben, dass sie mögliche Kollaborateure sind. In dem Moment wendet sich der junge Mann von der Hamas ab, von 1997 bis 2007 arbeitet er für den Schin Bet.

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