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07.03.2013

20:00 Uhr

Rezension

Von der Macht und Ohnmacht der Mächtigen

VonAlexander Möthe

Roland Koch, Hartmut Mehdorn, Andrea Ypsilanti – die Geschichten ehemals Mächtiger sind auch Geschichten des Scheiterns. Katja Kraus, Ex-Vorstand und -Vorzeigefrau des HSV, hat sie nach ihrem eigenen Aus als mächtigste Frau der Fußball-Bundesligisten und vielen langen Gesprächen mit diesen und anderen ehemaligen Spitzenkräften aufgeschrieben. Ihr Buch über Macht und Machtverlust, über Aufstieg und Fall liefert erfrischende Einsichten.

Katja Kraus (Jahrgang 1970) ist eine ehemalige Fußballerin und Fußball-Funktionärin.

Katja Kraus (Jahrgang 1970) ist eine ehemalige Fußballerin und Fußball-Funktionärin.

DüsseldorfMacht. Viele wollen sie, wenige bekommen sie. Machtpositionen, Stellen mit großer Verantwortung über Personal, Budgets und Leitlinien. Und so häufig der Aufstieg Geschichten von strahlenden Gewinnern schreibt, so oft bringt die Zeit an der Spitze Geschichten des Scheiterns hervor.

Katja Kraus hatte Macht, im positivsten Sinn. Acht Jahre lang saß sie im Vorstand des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, erst zuständig für die Bereiche Marketing und Kommunikation, später als stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Dann wurde ihr Vertrag 2011 nach einer turbulenten Phase von Führungsstreitigkeiten, Machtkämpfen und sportlicher Erfolglosigkeit gemeinsam mit Vorstandschef Bernd Hoffmann nicht verlängert, kurz darauf in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Das ist nun fast auf den Tag zwei Jahre her.

Die verstrichene Zeit hat Kraus genutzt, um ein Buch zu schreiben. Ein Buch über Macht, was sie ausmacht, welcher Antrieb dahinter steckt und wie es ist, plötzlich ohne sie auskommen zu müssen. Es ist eine Biographie geworden – aber nicht ihre eigene. Denn über einen Zeitraum von fast anderthalb Jahren hat sie Gespräche mit ehemaligen Entscheidern und Entscheidungsträgern geführt. Was sie alle verbindet: Der Moment des Machtverlusts. „Macht“, heißt das am Donnerstag im S. Fischer Verlag erscheinende Buch folgerichtig, mit dem Untertitel „Geschichten von Erfolg und Scheitern“.

Vita Katja Kraus

Fußball

1970 geboren, absolvierte sie als Torhüterin des FSV Frankfurt 220 Bundesligaspiele. Sie gewann drei deutsche Meisterschaften, holte viermal den DFB-Pokal, nahm mit der Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen 1996 teil und wurde mit dem Team Europameister.

Pressearbeit

Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere arbeitete sie für Adidas im PR-Bereich und als Pressesprecherin für Eintracht Frankfurt.

Hamburger SV

2003 wurde sie als erste Frau in Deutschland in den Vorstand eines Bundesligisten berufen. Beim Hamburger SV leitete sie den Bereich Kommunikation und Marketing. 2010 wurde sie schließlich zweite Vorstandsvorsitzende.

Arbeitsverhältnis aufgelöst

Im März 2011 wurde das Arbeitsverhältnis mit dem HSV in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Kraus hat sich einige Hochkaräter der deutschen Politik und Wirtschaft, aber auch aus Sport und Kultur geangelt. Roland Koch, Hartmut Mehdorn, Gesine Schwan, Andrea Ypsilanti, Ron Sommer, Sven Hannawald – sie alle erzählen von ihrem Werdegang, ihrer Zeit auf dem Gipfel und den verschiedenen Ausgestaltungen der Abschiede, die mal mehr, mal weniger kontrolliert verliefen.

Die Autorin findet in ihrem Erstlingswerk einen eigenen Stil. Katja Kraus schreibt wie sie spricht – bedächtig, also: überlegt. Das wirkt stellenweise nüchtern, aber nie langweilig. Sie resümiert und kommentiert klug, das punktuelle Augenzwinkern ist sehr subtil. Der unterhaltsame Charme, den das Buch besitzt, entwickelt sich aus den Freiräumen, den Kraus ihren Gesprächspartnern lässt. Aus den Anekdoten, die sie aufschreibt, aber auch den unzähligen Details, die sie aus den Gesprächen mitgenommen hat. Die sind sorgfältig ausgewählt, sollen nicht entlarven, aber dem Leser einen Eindruck vermitteln, wie die Mensch hinter der (einstigen) Funktion gegenüber tatsächlich ist. Das gelingt und ist die große Stärke des Werks.

Interview: „Ich wollte den Kontrast zur Hysterie der Bundesliga“

Interview

„Wir neigen dazu einflussreiche Menschen zu vermenschlichen“

In ihrem Buch „Macht“ schreibt Kraus über bekannte Persönlichkeiten in hohen Positionen.

Denn das Buch nimmt den Leser auf Augenhöhe mit in Gespräche mit Menschen, deren Bild sonst nur durch den medialen Filter verzerrt oder wohlwollende Biographien verklärt entsteht. Kraus fragt anders als Journalisten, ihre Beobachtungsgabe hat sie merklich am Verhandlungstisch geschärft. Gerade die ersten Eindrücke, wenn ein neuer Gesprächspartner eingeführt wird, schildert sie ohne den Versuch der Beeinflussung. Der Leser darf sich ein eigenes Urteil bilden, wie immer das auch ausfallen mag.

Kommentare (9)

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Frank3

07.03.2013, 21:02 Uhr


UND HAT sie GELERNT , OB die Normalen die Gesunden sind ??? ODER NUR BENUTZTE in ihr SELBSTBEWUSST SEIN und NICHT ALLBEWUSST ALS URSACHE ???


ATHEIST SICH Gott
SOUVERÄN
Frank Frädrich WILL AUCH WAHRHEITEN WISSEN WELCHE NURNOCH 4 IM ZUSAMMENHANG WISSEN

Lutz

07.03.2013, 21:10 Uhr

Ein ausgeglichener vernunftbegabter Mensch kann gar nicht so besessen nach Macht sein,
deshalb ist die Politik ist immer Tummelplatz von Psychopathen.

Durch einen Test in der CT-Röhre könnte dokumentiert werden, ob und wie, auf entsprechende emotionale Reize reagiert wird. Sollte für jeden Berufspolitiker und Beamten zur obligatorischen Reihenuntersuchung gemacht werden.

6% der Menschen werden genetisch bedingt als Psychopathen geboren. Jeder sollte wissen, was das für den Rest von uns bedeutet.

cybercrash

07.03.2013, 21:15 Uhr

(...)
Wenn man Schröder auch wenig Gutes nachsagen kann, aber er war gegen den Irakkrieg.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-filmaufnahmen-aus-einem-folter-gefaengnis-der-amerikaner-a-887519.html

Ich glaube, die Ohnmacht geht jetzt erst richtig los.


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