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13.07.2012

08:41 Uhr

Robert Fleck

Bundeskunsthalle schon im Oktober führerlos

VonChristiane Fricke

Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn muss ihre Suche nach einem Nachfolger für Robert Fleck beschleunigen. Der Intendant hat sich von seiner Aufgabe schon ab 1. Oktober entbinden lassen.

Der künstlerische Leiter der Bundeskunsthalle, Robert Fleck. Foto: Oliver Berg. dpa

Der künstlerische Leiter der Bundeskunsthalle, Robert Fleck. Foto: Oliver Berg.

BonnFrüher als angekündigt will Robert Fleck seinen Posten als Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn aufgeben. Wie er in einem Schreiben an die Medien erklärte, bat er seinen Arbeitgeber, den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Bernd Neumann, um eine Entbindung von seiner Aufgabe schon ab 1. Oktober. Als Begründung führte er die Doppelbelastung durch seine Arbeit als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf an.

Bereits im April habe er das Kuratorium der Bundeskunsthalle davon in Kenntnis gesetzt, dass er sich in den nächsten Jahren auf die Forschung und Lehre an der Kunstakademie Düsseldorf und auf freie publizistische und Ausstellungsprojekte konzentrieren möchte, argumentiert der scheidende Intendant. Für die Kontinuität der Bundeskunsthalle sehe er „keine Gefahr“, schreibt Fleck. Die Ausstellungen für die zweite Jahreshälfte seien produziert, das Programm für das kommende Jahr seiner inneren Gestaltung festgelegt. Spielraum bietet der Ausstellungsplan ab 2014. Die großen kulturhistorischen Projekte seien zwar für das Jahr 2014 weit vorbereitet. Sein Nachfolger könne jedoch entscheiden, „was er oder sie davon realisieren möchte“.

In der Kritik

Zuletzt wurde Robert Fleck, der 2009 als erfahrener Ausstellungsmacher und Intendant der Hamburger Deichtorhallen nach Bonn geholt wurde, von vielen Medien harsch kritisiert. Seine ursprünglich als Retrospektive ins Auge gefasste Anselm Kiefer-Schau bestückte er ausschließlich mit Werken aus der Privatsammlung von Hans Grothe. An Grothe verknüpfen sich in Bonn vor allem Erinnerungen an spektakuläre Verkäufe aus seiner Sammlung deutscher Gegenwartskunst, die zuvor jahrzehntelang als Dauerleihgabe im Kunstmuseum beheimatet war.

Mit in der Kritik stand Walter Smerling, der zusammen mit Susanne Kleine, Ausstellungsleiterin der Bundeskunsthalle, die Ausstellung kuratierte. Smerling ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Bonn, die für die Kiefer-Schau als Kooperationspartner fungiert. Zugleich ist er Leiter des vom Stiftungsverein betriebenen privaten Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg, das Teile der an die Sammler Sylvia und Ulrich Ströher verkauften Sammlung Grothe beherbergt und selber zurzeit Kiefer ausstellt.

Kostenträchtige Leihgaben

Der dpa gegenüber betonte Smerling, mit Leihgaben wäre eine vergleichbare Ausstellung „wesentlich teurer geworden. Eine um weitere Leihgeber erweiterte Ausstellung sei nie sein Auftrag von der Bundeskunsthalle gewesen. Vertraglich vereinbart gewesen sei nur, eine an anderen Orten wie Antwerpen oder Baden-Baden schon erfolgreich gelaufene Ausstellung nach Bonn zu holen.“ Die Grothe-Kollektion gilt als größte Kiefer-Sammlung weltweit. Fast alle seine Werke sollen sich in Privatbesitz befinden.

Unterdessen wurde an der Bundeskunsthalle die Ausstellung über das Disney-Trickfilmstudio Pixar eröffnet – alleine kuratiert von Elyse Klaidman, der Direktorin der Pixar-Archive. Als Fazit der Vorgänge in Bonn steht die grundsätzliche Frage nach der kuratorischen Hoheit öffentlicher Museen im Raum.

„Am Anfang. Anselm Kiefer. Werke aus dem Privatbesitz Hans Grothe“, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland bis 16. September

„Pixar, 25 Years of Animation“, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland bis 6. Januar 2013

„Joseph Beuys - Anselm Kiefer, Zeichnungen - Gouachen – Bücher“, Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg

bis 30. September. (Kurator: Götz Adriani, Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher)

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