Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.10.2015

14:14 Uhr

Roche, French, Walker

Bücher der Woche

Charlotte Roche macht wieder ihrem Ruf als Provokateurin alle Ehre, Nicci Frenchs Hauptfigur gerät selbst unter Mordverdacht und Martin Walker wagt mit seinem Buch einen Blick in die Zukunft. Die Bücher der Woche.

„Mädchen für alles“ von Charlotte Roche, „Mörderischer Freitag“ von Nicci French und „Germany 2064“ von Martin Walker sind die Bücher der Woche. dpa

Bücher der Woche

„Mädchen für alles“ von Charlotte Roche, „Mörderischer Freitag“ von Nicci French und „Germany 2064“ von Martin Walker sind die Bücher der Woche.

Charlotte Roche selbst dachte beim Schreiben manchmal: „Oh, das ist ja sehr unmoralisch.“ In ihrem neuen Buch „Mädchen für alles“ macht sie ihrem Ruf als Provokateurin alle Ehre - aber anders als erwartet.

Helen, Elizabeth und jetzt Christine: Skandal-Autorin Charlotte Roche (37) hat ein neues Buch auf den Markt gebracht. Wieder steht eine Frau im Mittelpunkt. Und die hat ein „Mädchen für alles“ - so der Titel. Für die Autorin selbst ist es zwar das dritte Buch, aber eigentlich ihr erster Roman, wie sie im „Spiegel“-Interview sagt. „Es kommt mir viel mehr vor wie ein Roman und das macht mich unsicher. Bei den ersten beiden Büchern habe ich gedacht, tja, so ist das halt, das ist mein Leben gewesen, kann ich auch nichts machen, wenn euch das nicht gefällt. Diesmal fühle ich mich ungeschützter.“

Beruhigend, dass Roche gleich betont, dass autobiografische Bezüge in diesem Roman weiter hergeholt sind als in den Vorgänger-Büchern. Ansonsten müsste der Leser sich wirklich große Sorgen machen um Roche und alle, die ihr nahestehen. „Mädchen für alles“ ist schockierend düster und brutal geraten, beißend zynisch, schonungslos - und trotzdem, oder gerade deshalb, extrem kurzweilig und unterhaltend.

Handelsblatt-Edition der Radierung „Hermes“: Verschmitzter Gott der Kaufleute

Handelsblatt-Edition der Radierung „Hermes“

Verschmitzter Gott der Kaufleute

Markus Lüpertz hat für die Handelsblatt-Leser einen listigen Götterkopf gezeichnet. Im digitalen „Kaufhaus der Weltwirtschaft“ können Sie Ihr Exemplar bestellen – noch bis zum November zum Vorzugspreis.

Die Tragödie ihres eigenen Lebens, die noch die „Schoßgebete“ definierte, findet nur in einem kurzen Nebensatz auf Seite 57 statt: „Was mir schon alles geschenkt wurde. ADAC-Sicherheitstraining, nur weil einer Freundin mal die ganze Familie in einem Auto gestorben ist.“ Roches drei Brüder verbrannten 2001 bei einer Massenkarambolage in Belgien im Auto. Sie waren auch dem Weg zu Roches geplanter Hochzeit mit ihrem damaligen Freund in England.

Weil diese unglaubliche Tragödie in ihrem dritten Buch nur eine Randnotiz ist, weil Roches Geschichte darin „einer Freundin“ passiert ist, ist „Mädchen für alles“ trotz aller Düsternis und Brutalität sehr viel leichter als der Vorgänger. Im Stil eines ungebremsten, temporeichen inneren Monologes, den sie auch schon in „Feuchtgebiete“ und „Schoßgebete“ anwandte, erzählt Roche die Geschichte von Christine, einer Frau, die eigentlich alles hat: Mann, Haus - und neuerdings auch ein Kind. Doch sie ist alles andere als glücklich: „Ich stehe neben den dreien und gehöre sicher nicht dazu. So ist mein Leben oft.“

Sie ist hin und hergerissen zwischen Verachtung für ihren Mann Jörg und dem unbedingten Willen, ihm zu gefallen. Der einzige Lichtblick in ihrem tristen Dasein: US-Serien, die sie sich reinzieht wie eine Drogensüchtige: „Was man alles aus Serien lernen kann. Den perfekten Mord. Wie man jemanden verfolgt, fesselt, psychisch fertigmacht, eigentlich alles, was bei YouTube-Tutorials verboten wäre.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×