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27.01.2004

15:41 Uhr

Rogowski: „Ausbund an Geschmacklosigkeit“

Hochhuth: Auch Banker können schießen

Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat seine „Warnung“ an übermächtige Bankmanager in seinem neuen Theaterstück „McKinsey kommt“ verteidigt. Zudem seien seine Theaterstücke dokumentarisch abgesichert, betonte der Autor.

Rolf Hochhuth, der "Dramatiker, der politische Bomben legt", titelte das Time-Magazin einst. Foto: dpa

Rolf Hochhuth, der "Dramatiker, der politische Bomben legt", titelte das Time-Magazin einst. Foto: dpa

HB BERLIN/HEIDELBERG. „Uns heute wird schon gar nicht mehr bewusst, welches Verbrechen das eigentlich ist, wenn ein Arbeitgeber nach einem Rekordgewinn seine „Knechte“ wegschmeißt“, sagte Hochhuth in einem Gespräch mit der in Potsdam erscheinenden Zeitung „Märkische Allgemeine“ von vergangenem Freitag.

„Warum sollen diese meist intellektuellen Banker, die von diesem Herrn gekündigt wurden, warum sollte da nicht einer schießen? Die Geschichte lehrt, es kann dazu kommen! Ich habe mein Gedicht im Stück, das Schleyer, Herrhausen und Ponto nennt, mit „Warnung“ überschrieben. Es ist eine Warnung“. Hochhuth war vom Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, ein „Ausbund an Geschmacklosigkeit“ vorgeworfen worden.

Hochhuth betonte in dem Interview, seine Theaterstücke seien dokumentarisch abgesichert. Die Uraufführung von „McKinsey kommt“ sei am 13. Februar in Brandenburg „in einer der Hochburgen der Arbeitslosigkeit“, wo auch die Unternehmensberater von McKinsey unterwegs seien. Die Firma habe übrigens eine komplette Theatervorstellung gebucht.

In einem Gespräch mit der „Rhein-Neckar-Zeitung“ vertrat Hochhuth die Meinung, dass viele Politiker in Deutschland „längst ebenso ohne Maß korrupt wie die Wirtschaftsmagnaten“ seien. Die Demokratie habe längst abgedankt, sagte Hochhuth. „Ohne Revolution ist diese verrottete Republik nicht zu retten.“

Das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu den enteigneten Grundstücken aus der Bodenreform in Ostdeutschland bestätige, dass der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble, „der die Mafia, die sich „Treuhand“ nannte, auf den Osten losließ, durchaus kriminell gehandelt hat“, meinte Hochhuth.

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