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09.06.2014

09:59 Uhr

Saisonbilanz

Der Tatort feiert Premiere im Weltall

VonHeidi Trabert

Der „Tatort“ hat Fans in der ganzen Welt. Und nun steigert er seine Quote auch noch im Weltraum. Krimifans müssen sich ab Pfingsten aber in Geduld üben. Denn die beliebte Krimireihe geht in die Sommerpause. Eine Bilanz.

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Weltraum. Dort kann er sogar den neuesten "Tatort" schauen. Dafür hat die ARD gesorgt. dpa

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst im Weltraum. Dort kann er sogar den neuesten "Tatort" schauen. Dafür hat die ARD gesorgt.

DüsseldorfDas Böse ist am Sonntagsabend ein gern gesehener Gast in deutschen Wohnstuben – und nicht nur dort. Selbst für Alexander Gerst, den deutschen Astronauten an Bord der internationalen Raumstation (ISS) gehört der „Tatort“ zum Wochenausklang.

Damit der Weltraumfahrer auf dieses lieb gewonnene Ritual nicht verzichten muss, legt der WDR für ihn neue Folgen als mp4-Datei auf einem Server der Europäischen Weltraumorganisation ESA ab. Von dort kann sich der Geophysiker die Krimis während seiner Weltraummission hochladen.

Irdische Zuschauer brauchen um 20.15 Uhr bloß die Eins auf der Fernbedienung zu drücken. Den vorerst letzten neuen „Tatort“ bekommen alle am Pfingstmontag zu sehen. In den nächsten acht Wochen gibt es dann nur Konserven.

Kritik am „Tatort“

Rund zehn Millionen...

... Zuschauer sehen sonntags regelmäßig den „Tatort“. Jedes der inzwischen 22 Ermittler-Teams hat seine Fans. Aber bei aller Liebe gibt es auch immer wieder Kritik an der Lieblings-Krimireihe der Deutschen.

Zu viele Ermittler

Kritiker sehen eine inflationäre Entwicklung. Bald werde es in jeder Kleinstadt einen eigenen „Tatort“ geben. In der Folge kommt jedes Team nur noch zwei- bis dreimal im Jahr zum Zug.

Einfallslose Drehbücher

Zweimal Jugendgewalt am Bahnsteig, zweimal Gefängnis, zweimal Zirkus in der abgelaufenen Saison. Ermittlungen nach Schema F. Und immer die gleichen Fragen: „Wo waren Sie am …?“

Keine Entwicklung

Viele Figuren bleiben statisch. In Münster ist Thiels Sohn auch nach 25 Folgen noch immer zwölf Jahre alt und Nadeshda Krusenstern immer noch Kommissarsanwärterin.

Persönliche Betroffenheit

Sowohl in Hamburg wie in München werden die Kommissare Falke und Leitmayr mit dem Tod einer früheren Geliebten konfrontiert. In Leipzig entdeckt Kommissarin Saalfeld plötzlich eine Halbschwester.

Hölzerne Darsteller

Nuscheln, fehlende Ausdruckskraft: Wenn es um die mimischen Qualitäten von Schauspielern geht, bekommen Til Schweiger und Simone Thomalla meist ihr Fett weg.

Schlechte Tonqualität

Zu laute Musik, schlechte Tonqualität. Viele Zuschauer beschwerten sich, weil sie bei der Bremer Folge „Alle meine Jungs“ kaum etwas verstanden.

Kein richtiges Ende

Die meisten Zuschauer wollen nach 90 Minuten, dass die Gerechtigkeit siegt. Sonst protestieren sie, wie nach der Lindholm-Folge „Wegwerfmädchen“, als die Kommissarin am Ende den Falschen verhaftete. Sie hatten übersehen, dass es noch einen zweiten Film zum Thema gab („Das goldene Band“).

Abgedrehte Charaktere

Neue Figuren, die nicht in gängige Klischees passen und unorthodoxe Ermittlungsmethoden anwenden, haben es schwer beim Publikum. Manchmal sind die Macken eben schwer nachvollziehbar, siehe Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) aus Saarbrücken, der in kurzen Hosen und auf dem Mofa ankommt oder Kommissar Faber (Jörg Hartmann), der mit Psychosen kämpft.

Mit den Stuttgarter Kommissaren Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare), die nach einem verdächtigen „Freigang“ ermitteln, geht am Wochenende eine spannende Tatort-Saison zu Ende. Durch neue Teams hat das Format an Farbe und Facettenreichtum gewonnen. Was im sonst noch Gedächtnis blieb: 

Die Aufreger

Einen regelrechten Schock bei ihren Zuschauern lösten die Teams aus Köln und München aus. Gleich zu Beginn des Jahres hauchte Franziska (Tessa Mittelstaedt), die beliebte Assistentin der beiden Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ihr Leben aus.

Die für Kölner Verhältnisse ungewöhnlich brutale und beklemmende Folge „Franziska“ durfte aus Jugendschutzgründen erst um 22 Uhr gesendet werden. In den folgenden Episoden experimentierten die Domstädter mit verschiedenen Charakteren, um einen adäquaten Ersatz für Franziska zu finden. Bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

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